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Landwirtschaft : Beliebter Bauernstand

Angehender Jungbauer: Stephan Cersowsky vom Hof Hammen in Wehrheim Bild: F.A.Z. - Sick

Ein junger Mann aus Bad Homburg will Landwirt werden. Er ist keine Ausnahme: Der Hessische Bauernverband verzeichnet eine steigende Zahl von Auszubildenden.

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          Stephan Cersowsky gehört einer wachsenden Minderheit an. Der junge Mann erlernt den Beruf des Bauern: Seit August vergangenen Jahres beschäftigt Frank Hammen aus Wehrheim den angehenden Landwirtsgehilfen aus Bad Homburg. Cersowsky musste nach Abschluss der Realschule nicht lange überlegen, welche Beruf er wählen sollte. Von Kindesbeinen an hat er sich für die Landwirtschaft interessiert, wie er sagt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn: „Der Beruf ist abwechslungsreich, man ist in der Natur und hat mit Tieren zu tun, was ich gut kann.“ Bei seinen Eltern erntete er Zuspruch, besteht seine Verwandtschaft väterlicherseits doch zum gut Teil aus Landwirten. Aber längst nicht nur auf den jungen Mann aus dem Taunus wirkt der Bauernstand anziehend: 152 Ausbildungsverträge sind in Hessen bis Ende Oktober geschlossen worden, wie der regionale Bauernverband mit Sitz in Bad Homburg berichtet.

          400 Auszubildende in landwirtschaftlichen Berufen

          Die endgültige Bilanz fürs vergangene Jahr liegt zwar noch nicht vor, doch spricht einiges für einen anhaltenden Aufwärtstrend beim Nachwuchs der Branche, die jahrelang vom sogenannten Bauernsterben gebeutelt wurde: Hatte es 1995 in Hessen noch 37 600 landwirtschaftliche Betriebe gegeben, so waren es zuletzt noch 23 600. Zwei Drittel davon werden im Nebenerwerb geführt. Ob es künftig wieder mehr Vollerwerbslandwirte geben wird, wird sich weisen. Jedenfalls steigt die Zahl der angehenden Bauern: Im laufenden Ausbildungsjahr lernen 400 junge Leute einen landwirtschaftlichen Beruf, vor fünf Jahren waren es gut 270 gewesen und 2004 noch 330.

          Dieser Aufschwung ist auf eine Reihe von Gründen zurückzuführen, wie der Sprecher des hessischen Bauernverbands, Bernd Weber, sagt. Zum einen sei der Landwirtschaft der allgemeine Mangel an Ausbildungsplätzen zugute gekommen. So mancher Schulabgänger, der weder in einem gewerblich-technischen Beruf noch im Handwerk habe landen können, sei bei der Suche nach anderen Möglichkeiten in der Landwirtschaft angekommen. Zudem habe sich die Stimmung in der Branche merklich verbessert. Die Klagen früherer Jahre seien einer neuen Zuversicht unter den Bauern gewichen. Nun rieten Landwirte anders als noch vor ein paar Jahren ihren Kindern wieder, im Agrarsektor Fuß zu fassen, weil es dort wieder etwas zu verdienen gebe.

          So tendierten die Getreidepreise grundsätzlich nach oben, weil Weizen und andere Sorten verstärkt nachgefragt würden. Und zwar als Nahrungsmittel wie auch als Schweinefutter und als Energiequellen, die zu Bioethanol veredelt oder verbrannt würden. Vor allem China, Indien und Russland treten demnach aus unterschiedlichen Gründen als Käufer auf. Auch Raps dient als Energielieferant. Die Ölsaat wird zu Biodiesel verarbeitet. Die Reinform ist zwar teurer geworden, weil sie seit August besteuert wird - doch muss das nicht zum Schaden der Rapsbauern sein: Denn seit Jahresbeginn muss hierzulande jeder Liter Diesel fünf Prozent des Biokraftstoffs enthalten. Zudem sieht Bauernverbands-Präsident Friedhelm Schneider bei Milch und Milchprodukten ein erhebliches Potential. Denn besonders Russen und Asiaten verlangten vermehrt nach solchen Produkten. „Die Märkte sind leer. Das müssen wir nutzen“, meint Schneider.

          Internet und Computer gehören zum Alltag

          Außer neuen Wohlstandsaussichten mag auch der Wandel des Berufsbilds den Bauernstand anziehender machen als noch vor wenigen Jahren. Der Maschinenpark ist mittlerweile hochtechnisiert und mit viel Elektronik ausgestattet. „Und ohne Internet und Computer ist ein landwirtschaftlicher Betrieb heute nicht mehr zu führen“, so Weber. Schließlich müsse jede Veränderung im Viehbestand online gemeldet werden, sei der Einsatz von Tierarzneien und Pflanzenschutzmitteln genau zu dokumentieren.

          Zudem braucht ein Landwirt eingehende Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Vermarktung, wie Weber zu bedenken gibt. Im Verein mit der eigentlichen bäuerlichen Tätigkeit rund um Pflanzen und Tiere ergibt sich ein Berufsbild, das von Vielseitigkeit geprägt ist. So sagt Weber denn auch: „Wir hören immer wieder: Landwirte sind bei anderen Arbeitgebern gefragt, weil sie kaufmännisch und handwerklich fit seien und anpackten, wenn es gelte.“ Davon abgesehen davon gilt natürlich: „Wer einen Milchbetrieb führen will, der muss Kühe mögen. Sonst hat das keinen Zweck.“

          Wer nichts mit Tieren zu tun haben, aber dennoch in der Landwirtschaft tätig sein will, kann seit 2005 den neuen Beruf der Fachkraft Agrarservice lernen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Wissen um Pflanzen und die Bedienung von Maschinen. Was Stephan Cersowsky nach seiner drei Jahre dauernden Lehre machen will, weiß er noch nicht genau. Da die Betriebe immer größer werden, kann er sich auch ein Dasein als Angestellter auf einem Bauernhof vorstellen.

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