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Landwirt klagt an : „Es fehlt der Bezug zur Realität“

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Ungehalten: Bauer Norbert Zöller, Sprecher des Landkreises Offenbach im Regionalbauernverband Starkenburg Bild: Wolfgang Eilmes

Der Bauer Norbert Zöller kritisiert das Bild seiner Branche in der Öffentlichkeit – und kämpft dagegen an. Mit einem Projekt für die Kleinsten will er für mehr Transparenz sorgen. Derweil will die hessische Landwirtschaftsministerin den Glphyosateinsatz verbieten.

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          Landwirt Norbert Zöller ist sauer. Darüber, dass viele Hessen nicht mehr wissen, dass ihre Nahrungsmittel auf ihren Wohnhäusern angrenzenden Feldern produziert werden, wie er sagt. Darüber, dass sie sich ärgern, wenn ein Traktor über das Feld fährt, auf dem sie gerade joggen. Und darüber, dass ein falsches Bild der Bevölkerung von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat, die in der Landwirtschaft zur Unkrautvernichtung verwendet werden, bestehe. „Bei vielen Leuten fehlt der Bezug zur Realität“, sagt Zöller, Sprecher des Landkreises Offenbach im Regionalbauernverband Starkenburg und als Kreislandwirt.

          Der Landwirt aus Seligenstadt, der vor zwei Jahren seine Milchkuhhaltung aufgab und seitdem die Direktvermarktung seines Hofes intensiviert hat, und weitere Kollegen aus der Landwirtschaft prangern an, dass dem Bild des Landwirtes in der Gesellschaft ein steigendes negatives Image anhafte. Dazu trügen die Medien erheblich bei, indem sie komplexe Themen „vereinfacht und auch oft falsch“ darstellten, meint der Kreislandwirt. Zum Beispiel bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. „Wenn es um Glyphosat geht, hat jeder plötzlich eine Meinung“, sagt Zöller. Und die sei in den meisten Fällen nicht allzu positiv.

          Bedenken gegen Glyphosat seien unberechtigt

          Glyphosat wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die EU-Kommission will das umstrittene Herbizid noch maximal sechs Jahre auf dem Markt dulden. Das trifft bei Zöller auf Unverständnis. Er erwähnt die Einstufung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, die das Mittel zur Unkrautverhütung als „unbedenklich“ einstuft. „Bei sachgerechter Anwendung besteht keine Gesundheitsgefahr“, sagt Zöller. In der hessischen Landwirtschaft werde das Pestizid lediglich nach der Ernte zur Unkrautvernichtung verwendet. Der Verbraucher komme mit dem Pflanzenschutzmittel nicht in Kontakt, auch der Weg in das Grundwasser sei nicht gegeben, sagt der Kreislandwirt. „Die Landwirtschaft wird zu Unrecht angeklagt.“

          Zöller sieht den Ursprung der Glyphosat-Partikel im menschlichen Blut und in der Muttermilch in einer anderen Branche. „Das Pflanzenschutzmittel wird nicht durch Nahrung aufgenommen, es gelangt meistens durch die Haut in den körperlichen Kreislauf.“ Vor allem bei Kleidungsstücken aus Baumwolle, die oft mit Glyphosat behandelt werde, sieht Zöller die Gefahr.

          Der Kreislandwirt aus Seligenstadt kämpft deshalb für mehr Transparenz in der Landwirtschaft. Denn er ist sich sicher, dass ein großes Informationsbedürfnis in der Bevölkerung bezüglich landwirtschaftlicher Tätigkeit besteht. „Die Menschen sind gewohnt, dass sie ihre Produkte jederzeit überall kaufen können.“ Mit dem Projekt „Der Bauernhof als Klassenzimmer“, einer Initiative des hessischen Landwirtschaftsministeriums, knüpft er bei den Jüngsten an. Im Rahmen der Initiative besuchen Grundschulklassen seinen Hof, um ein realistisches Bild der Landwirtschaft und deren Arbeitsbedingungen zu bekommen.

          Kühe und Kälber in Zöllers Stahl: Während des Projekts „Der Bauernhof als Klassenzimmer“ können auch Kinder hier vorbeischauen.
          Kühe und Kälber in Zöllers Stahl: Während des Projekts „Der Bauernhof als Klassenzimmer“ können auch Kinder hier vorbeischauen. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Landwirtschaftsministerin Hinz kündigt Ende von Glyphosateinsatz an.

          Landwirtschaftsministerin Priska Hinz von den Grünen hat ein Ende des Glyphosateinsatzes in Hessen angekündigt. Die Ausstiegsstrategie des Landes bündele verschiedene Maßnahmen mit dem Ziel, schnellstmöglich den Einsatz von glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmitteln in der gesamten Landwirtschaft sowie in hessischen Wäldern, Gärten und auf Freiflächen zu beenden, sagte sie. Das Land sehe sich in einer Vorbildfunktion, betonte die Grünen-Ministerin. Deshalb sei der Glyphosat-Ausstieg auf den selbst bewirtschafteten landwirtschaftlichen Betrieben wie dem Eichhof in Bad Hersfeld oder der Domäne Beberbeck bereits vollzogen. Bei der Wiederverpachtung von Staatsdomänen werde der Glyphosat-Verzicht zum Bestandteil neuer Pachtverträge. „Die Bestandspächter werden wir bei diesem Schritt individuell beraten und unterstützen“, sagte Hinz. Nun müssten Alternativen zu Glyphosat verstärkt genutzt und weiterentwickelt werden.

          Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr - auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.

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