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Landesbanken : Viele Möglichkeiten für die Helaba

Spitzeninstitut: die Landesbank Hessen-Thüringen. Bild: DPA

Doch die Diskussion um die Landesbanken trifft Hessen zu einem schwierigen Zeitpunkt.

          Auf einmal dreht sich das Karussell wieder. Die Landesbanken in München und Düsseldorf prüften ein Zusammengehen, hieß es am Montag. Bis Jahresende hat man sich Zeit gegeben für ein Ja-Wort – oder ein Nein. Denn, das verlautete aus den beiden Häusern auch gleich noch, angesichts der Vielzahl komplexer Fragen sei das Ergebnis der Prüfung völlig offen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Damit kommt nun wieder Bewegung in die Neuordnung der Landesbanken-Landschaft, um die es in den vergangenen Monaten still geworden war – die in der Mehrzahl angeschlagenen Häuser hatten mit sich selbst zu tun. Und damit geht es auch um die Zukunft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurt, eines der führenden Häuser am Finanzplatz. Und womöglich auch um eine zweite Bank, die Deka an der Mainzer Landstraße.

          Bouffier blieb bei diesem Thema bisher blass

          Die Debatte um all diese Spitzeninstitute der Sparkassen trifft das Land Hessen in einer schwierigen Zeit. Denn wenngleich der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen 85 Prozent an der Helaba hält – bei vergleichbaren Debatten hatte die Landesregierung nach Kräften mitgemischt, wiewohl das Bundesland gerade einmal mit zehn Prozent an der Helaba beteiligt ist. Namentlich für den einstigen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) waren Sparkassen und Landesbanken, Unternehmen an der spannenden Grenzlinie zwischen Wirtschaft und Politik, ein Sujet so recht nach seinem Geschmack. In Alois Rhiel als Wirtschafts- und, mehr noch, Karlheinz Weimar als Finanzminister (beide CDU) hatte er tatkräftige Mitstreiter gefunden. In seiner besten Zeit, als das hessische Sparkassengesetz novelliert wurde, als vorübergehend vom Zusammengehen der Helaba mit der WestLB in Düsseldorf die Rede war, konnte das Trio die Sparkassendirektoren das Fürchten lehren.

          Doch dieses Gespann ist Geschichte. Rhiel hat nach der Landtagswahl die Seiten gewechselt, er führt jetzt mit der OFB eine Helaba-Tochtergesellschaft. Koch ist raus aus der Politik, Weimar nicht mehr Minister. In der Landeshauptstadt wird gegenwärtig gerätselt, ob der neue Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) der Wirtschaftspolitik die gleiche Bedeutung beimessen wird wie sein Vorgänger, der aus dem Stand zu jedem ökonomischen Thema ein brillantes Referat zu halten vermochte; in seiner Regierungserklärung blieb Bouffier in diesem Fach ausgesprochen blass. Ob er sich aber auch noch ausgerechnet für Sparkassenfragen interessiert, weiß erst recht niemand.

          Gelassenheit

          Im Kabinett ist grundsätzlich der neue Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) zuständig; sein Haus kümmert sich traditionell auch um die Beteiligungen des Landes. Sein Vorgänger Weimar, jetzt nur noch Abgeordneter, hat freilich angekündigt, den Sitz im Verwaltungsrat der Helaba zu behalten. Keine einfache Konstellation, wiewohl im Ministerium verlautet, die beiden Herren, die sich gut kennen – Schäfer war bisher Weimars Staatssekretär – arbeiteten eng zusammen. Chancen zur Profilierung bei diesem Thema sieht auch Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), der allerdings dem Verwaltungsrat der Helaba gar nicht angehört. Während sich also beim Land alles noch neu finden muss, scheint der Sparkassenverband besser aufgestellt. Dort ist schon im Frühjahr vergangenen Jahres der Generationswechsel im Amt des geschäftsführenden Präsidenten von dem zuletzt etwas verbissenen Gregor Böhmer zum eloquenten Gerhard Grandke vollzogen worden. Der ist als einstiger Oberbürgermeister Offenbachs und zuletzt als OFB-Chef – dort Vorgänger Rhiels –, bestens mit dem politischen Terrain Hessens und der Helaba vertraut und hatte nun Zeit genug, sich im Sparkassenkosmos bundesweit bekannt und kundig zu machen.

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