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Banken : Landesbank Hessen-Thüringen meldet Rekordgewinn

Will hoch hinaus in Europa: Die Helaba, gleich gegenüber der Frankfurter Sparkasse Bild: F.A.Z. - Bergamann

Die Landesbank Hessen-Thüringen hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erwirtschaftet. Nun will das Haus in den nächsten Jahren zu einer „europäischen Regionalbank mit internationaler Reichweite“ werden.

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          Die Landesbank Hessen-Thüringen reiht sich in die Folge Frankfurter Kreditinstitute ein, die im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis erwirtschaftet haben. Wie Günther Merl, Vorstandsvorsitzender des Kreditinstituts an der Neuen Mainzer Straße, gestern berichtete, beträgt der Jahresüberschuss 250 Millionen Euro. Für 2005 nannte er eine Vergleichszahl in Höhe von 147,5 Millionen, doch basiert diese auf einer „Als-ob-Rechnung“, denn die Landesbank hatte sich im September 2005 und damit mitten im Geschäftsjahr grundlegend gewandelt, zählt doch seitdem die Frankfurter Sparkasse zu den zahlreichen Beteiligungen des Konzerns. Bei der „Als-ob-Rechnung“ wurde so getan, als wäre die Sparkasse schon seit Januar 2005 dabei gewesen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Ermutigt durch die Rekordzahlen, kündigte Merl an, sein Haus werde in den nächsten Jahren zu einer „europäischen Regionalbank mit internationaler Reichweite“ werden. Von Fusionen mit anderen deutschen Landesbanken will er nichts wissen. Die Landesbank Hessen-Thüringen habe ein eigenständiges Geschäftsmodell und wolle auch eigenständig bleiben.

          „Marktbearbeitung“

          Die Landesbank gehört zu 85 Prozent den Sparkassen Hessens und Thüringens, zu zehn Prozent dem Land Hessen und zu fünf Prozent Thüringen. Seit jeher versteht sie sich als Ergänzung zu den örtlichen Sparkassen, indem sie ihnen bestimmte Aufgaben abnimmt und sich zudem um größere Kunden kümmert, mit denen sich eine einzelne Sparkasse verheben würde. Hinzu kommt die Funktion als Förderbank des Landes.

          Seit der Übernahme der Frankfurter Sparkasse hat die Landesbank erstmals auch Privatkunden in größerer Zahl. Die Mischung aus Groß- und Privatkundengeschäft, die öffentlich-rechtliche Ausrichtung und ein „eigenständiger Ansatz im Marktauftritt und in der Marktbearbeitung“ sind nach den Worten Merls der Beleg dafür, dass sie einen eigenen Weg gehe.

          „Marktbearbeitung“ ist bei Bankern ein verbreiteter, wenn auch nicht wirklich freundlicher Begriff, mit dem die Bemühungen um neue Kunden und der Umgang mit ihnen zusammengefasst werden; die Landesbank zählt dazu ihre „Mehrmarkenstrategie“, weil zu ihrem Konzern auch zum Beispiel das Unternehmen Hannover Leasing, die Landesbausparkasse und die OFB Projektentwicklungsgesellschaft zählen.

          Unter Gewährträgerhaftung des Landes

          Die Zeiten, in denen die Landesbank, die besser bekannt ist unter der Abkürzung Helaba, von der staatlichen Trägerschaft in besonderer Weise profitierte, weil sie günstiger als andere Häuser an Kredite kam (schließlich kann der Staat nicht pleite gehen), sind zwar grundsätzlich vorbei, weil die Gewährträgerhaftung auf Drängen der EU abgeschafft wurde. Dass die Helaba aber trotzdem schaut, was sie aus der ja keineswegs geänderten Eigentümerstruktur herausholen kann, wurde gestern deutlich, als kurz die Rede auf die zum Konzern gehörende Landestreuhandstelle kam.

          Sie firmiert seit Januar als LTH – Bank für Infrastruktur, und mit ihrer Aufgabe, die sich im Namen wiederfindet, steht sie durchaus unter der Gewährträgerhaftung des Landes Hessen. In diesem Zusammenhang formulierte Merl den bemerkenswerten Satz, „den sich daraus ergebenden Refinanzierungsvorteil kann die regionale Förderbank künftig wettbewerbsneutral in die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben einbringen“.

          Sowieso stehen bei der Helaba alle Zeichen auf Wachstum. Stolz berichtete der Bankchef, von 2001 bis 2005 seien die Risikoaktiva um 44 Prozent gewachsen – der Durchschnitt der Landesbanken habe bei sechs Prozent gelegen. Hessen und Thüringen sind schon lange nicht mehr allein das Geschäftsgebiet. Ziel sei es, die Kundenbasis in europäischen Ländern zu verbreitern, führte Merl weiter aus. Doch nicht nur das; selbst in Bombay, das heutzutage als Mumbai firmiert, und in Schanghai will die Bank mit Repräsentanzen vertreten sein. In den vergangenen Jahren war bei Bilanz-Pressekonferenzen der Helaba stets viel von den strategischen Fragen im Rhein-Main-Gebiet die Rede gewesen. Hier ist derzeit etwas Ruhe eingekehrt.

          Große Herausforderungen

          Beim Thema Sparkassengesetz erklärte sich Merl für unzuständig, weil die Helaba nicht unmittelbar betroffen sei. Von der Übernahme weiterer Sparkassen in den Konzern könne nicht die Rede sein, meinte er. Weitaus spannender fanden gestern ohnedies alle, was aus der Landesbank Berlin wird. Merl sprach von der größten Herausforderung seit dem Wegfall der Anstaltslast und der Gewährträgerhaftung 2005, mochte aber nicht spekulieren, wer wohl den Zuschlag bekommt.

          Wie Merls Stellvertreter Hans-Dieter Brenner berichtete, konnte die Helaba ihren Jahresüberschuss bereits zum vierten Mal in Folge auf die genannten 250 Millionen Euro steigern. 2002 waren gerade einmal 39 Millionen Euro vom damals allerdings auch kleineren Konzern ausgewiesen worden. Mit 225 Millionen Euro sollen die Gewinnrücklagen der Landesbank und der Sparkasse gestärkt werden, den Eigentümern wird das Stammkapital mit sieben Prozent verzinst.

          Nur vorsichtig äußerten sich Merl und Brenner zu den Kosten des Konzerns. Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag liegt bei 68,1 Prozent; Merl deutete an, dass etwa die Landesbausparkasse den Wert hochtreibt. Alles in allem waren Ende Dezember 5763 Frauen und Männer im Konzern beschäftigt. Auch das erste Quartal 2007 sei gut verlaufen, berichtete Merl. Nur einmal, vor zwei Jahren, war der Bankchef bei einer Pressekonferenz regelrecht aus sich herausgegangen, als nämlich die Übernahme der Frankfurter Sparkasse endlich in Reichweite schien. Die Rekordzahlen gestern stellte Merl hingegen mit der ihm eigenen Zurückhaltung vor. Er wird wissen, dass auch wieder andere Zeiten kommen, allem Optimismus zum Trotz.

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