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Landesbank : Einmal mehr greift die Helaba nach Düsseldorf

Empfangsbereit im Frankfurter Maintower: Die Helaba, die passabel durch die Finanzkrise gekommen ist, könnte Teile der tief gefallenen West LB übernehmen. Bild: DPA

Landesbank unternimmt neuen Anlauf zur Übernahme dessen, was von der WestLB noch übrig ist.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen unternimmt einen weiteren Anlauf, ihr Geschäftsgebiet nach Nordrhein-Westfalen auszudehnen. Das Frankfurter Kreditinstitut teilte am Donnerstag gemeinsam mit dem deutschen Sparkassenverband und seinen regionalen Organisationen für Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen mit, es werde die Integration der Verbundbank in Düsseldorf geprüft – das ist der Rest, der von der schwer angeschlagenen WestLB in Düsseldorf übrigbleibt.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          „Alle Beteiligten sehen in einer möglichen Integration der Verbundbank in die Helaba eine große Chance, dem aus der WestLB stammenden Geschäft mit den Sparkassen, weiterer Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, Mittelstandskunden und der öffentlichen Hand eine gute Zukunft zu geben“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Ausdrücklich wird aber auch festgehalten, die vertiefte Prüfung des Vorhabens, die sogenannte Due Diligence, sei ergebnisoffen.

          6000 Beschäftigte

          Die WestLB wird gegenwärtig verkleinert und zerlegt. Derzeit beschäftigt sie noch 4400 Frauen und Männer. Übrigbleiben soll einerseits eine Abwicklungsanstalt, die sich um die nicht verkäuflichen Teile des einst riesigen Kreditinstituts kümmert, andererseits eben eine Verbundbank mit ungefähr 400 Beschäftigten, die für die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen Zentralbankfunktionen übernimmt. Gehe dieses Haus mit der Helaba zusammen, werde dies zu einer Bündelung von Dienstleistungen führen, hieß es am Donnerstag, was seinerseits zur Schärfung des Profils der Helaba beitrüge.

          Eine solche Integration hätte weitreichende Folgen für den Frankfurter Konzern, der alles in allem 6000 Beschäftigte zählt. Die wichtigste wäre, dass auch die Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen Träger der Helaba würden. Bisher gehört der Konzern zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, zu zehn Prozent dem Land Hessen und zu fünf Prozent dem Land Thüringen. Nordrhein-Westfalen hat nicht nur einen Sparkassenverband, sondern aus historischen Gründen zwei Verbände, einen für das Rheinland und einen für Westfalen-Lippe. Die Helaba hätte mithin künftig fünf Träger.

          Dienstleistungen für andere Sparkassen gelten als Kernaufgabe der Landesbanken

          Aus der WestLB kamen am Donnerstag zustimmende Äußerungen, während der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) verlauten ließ, der entscheidende Maßstab einer solchen Lösung sei ihre Solidität. Die Interessen des Landes müssten gewahrt, die monetäre Wirtschaftsförderung müsse unangetastet bleiben, sagte der Minister. Das Land hat sein eigenes Institut für Förderkredite und Subventionen, die Wirtschaft- und Infrastrukturbank, als Anstalt in der Anstalt, wie der Fachbegriff lautet, in die Helaba eingegliedert.

          Es ist nicht der erste Vorstoß der Helaba, die WestLB oder Teile davon zu übernehmen. Bereits zur Jahreswende 2007/2008 war dies überlegt worden. Der Anstoß dazu war damals aus der hessischen Landesregierung gekommen. Allerdings hatte sich der Sparkassenverband seinerseits quergestellt, so dass die Prüfung abgebrochen werden musste. In den Sparkassen Hessens und Thüringens herrschte auch danach keineswegs Einigkeit, ob die Helaba solche Schritte gehen solle. Viele Sparkassenchefs sind froh, dass ihre Landesbank passabel durch die Krise gekommen ist, und in einer Konsolidierung der Landesbanken-Landschaft mit der Helaba als Treiber sehen sie eher die Risiken als die Chancen. Die gestrige Pressemitteilung ist aber auch vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen unterzeichnet.

          Dienstleistungen für andere Sparkassen gelten als Kernaufgabe der Landesbanken, so wie auch die Volksbanken etwa mit der DZ Bank in Frankfurt ein Zentralinstitut haben, das ihnen bestimmte Tätigkeiten abnimmt. In Schwierigkeiten gerieten einige Landesbanken nicht mit solchen Dienstleistungen, sondern damit, dass sie weitaus riskantere Geschäfte eingingen, die ihnen deshalb leicht fielen, weil sie bis vor wenigen Jahren wegen der Staatsnähe besonders günstig an Kredite kamen. Alle Versuche, die Zahl der Landesbanken zu reduzieren, sind bisher gescheitert. Zwar herrscht allgemein die Ansicht vor, es reichten wenige Häuser dieser Art für Deutschland aus, vielleicht benötige man sogar nur ein einziges derartiges Institut. Aber die Landespolitiker und regionalen Sparkassenverbände hängen an ihrer Macht, was eine Konsolidierung bisher erheblich erschwert hat.

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