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Lakewood-Gitarren : Sechs Saiten auf edlen Hölzern

Martin Seeliger: „Ich habe Lust gehabt, Gitarren zu bauen, die nicht so aussehen wie andere.” Bild: Michael Kretzer

„Ich habe Lust gehabt, Gitarren zu bauen, die nicht so aussehen wie andere“, sagt Martin Seeliger, Chef von Lakewood Guitars in Gießen. Seine Instrumente klingen sehr offen und direkt, wie nicht nur der Gitarrenbauer meint, der auf der Musikmesse in Frankfurt ausstellt.

          Versonnen streicht Martin Seeliger über das helle Holz der Gitarre in seiner Hand. Fast schon so zärtlich, wie ein Vater sein Baby liebkost. Was nicht verwundert, denn im Grunde ist die Gitarre eines seiner Kinder. Schließlich baut der Inhaber des Gießener Unternehmens Lakewood selbst entworfene Gitarren.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          So wie jene, die er an seinem Stand in Halle 3 bei der Musikmesse in Frankfurt präsentiert: Aus Zeder besteht die Decke genannte Vorderseite des Instruments, und das Hellbraun kontrastiert mit dem dunkleren amerikanischen Walnussholz, aus dem der Boden, die Zargen und der Schmuckring um das Schallloch gefertigt sind. Das Holz beeinflusst, ebenso wie etwa die Form der Gitarre, den Klang derselben: „Walnuss klingt relativ weich“ – Palisander dagegen „bassiger“, erläutert der Gründer und Chef der Lakewood Guitars GmbH & Co. KG. Außer Palisander verarbeitet er vor allem Mahagoni und Fichte. Im Gitarrenbau gängige Hölzer also, wie Seeliger hinzufügt.

          Möglichst keine Kunststoffe

          Gleichwohl beansprucht Seeliger für die Instrumente aus der mittelhessischen Manufaktur, sich von den Produkten der Mitbewerber abzuheben. Zum einen in der Optik: Lakewood verwendet ungefärbte Naturhölzer und verzichtet so weit wie möglich auf Kunststoffe. Zum zweiten im Klang, den der Zupfinstrumentenbauer mit Meisterbrief als „sehr offen und direkt“ bezeichnet. Eine Beschreibung, die Lakewoodhändler Musik Schmidt in Frankfurt bestätigt. Dank dieser Eigenheiten nutzten besonders Studiomusiker gerne Modelle der Marke Lakewood, die seit 1986 auf dem Markt ist.

          Vier verschiedene Grundformen in verschiedenen Holzkombinationen bietet die 14 Mitarbeiter zählende Firma im Gießener Stadtteil Rödgen an. Unter dem Strich können die Kunden derzeit aus 34 Serienmodellen wählen. Oder sich mit dem sogenannten Gitarren-Designer im Internet unter www.lakewood.de ihr persönliches Traummodell komponieren.

          Eine Gitarre zu bauen, dauert rund zehn Stunden – so lautet die Faustregel. Allerdings fertigen die 14 Mitarbeiter ein Instrument nicht in zehn Stunden am Stück, wie Seeliger sagt. Vielmehr verteilt sich die Zeit auf vier bis sechs Wochen. Und es können auch 15 Arbeitsstunden werden. Ob eine Gitarre auch komplett von Hand gefertigt wird? „Nein“, sagt der Chef. „Wir arbeiten viel mit moderner Technik“ – der Effizienz und der Wiederholungsgenauigkeit beim Bauen zuliebe. So schneiden CNC-Maschinen außer den nur drei Millimeter dünnen Decken auch Zargen und Böden zurecht. Die Zargen werden dann unter Wärme und Feuchtigkeit so gebogen, wie es für das jeweilige Modell notwendig ist. Auch beim Schleifen der Hölzer kommen Geräte zum Einsatz. Wobei aber Fingerspitzengefühl gefragt ist – „Intuition“, wie Seeliger sagt. „Es braucht Jahre, um das zu erlernen.“ Ohne Handarbeit geht nichts.

          Von 1500 Euro an aufwärts

          Bis zu 1000 Akustik-Gitarren, die auch in Japan oder Taiwan verkauft werden, fertigt Lakewood im Jahr. Konkurrenten produzieren bisweilen 1000 am Tag. Da Handarbeit, bei allem Maschineneinsatz, ihren Preis hat, heben sie sich nicht nur beim Klang von der Konkurrenz ab: 1500 Euro muss ein Käufer schon mitbringen. Wer mehr als 6000 Euro aufbietet, findet auch etwas.

          Mit seinen Gitarren schreibt Lakewood nicht nur siebenstellige Erlöse, sondern auch schwarze Zahlen. Von Krise spürt die Firma nicht viel. Wie sagt Seeliger doch: „Ich habe Lust gehabt, Gitarren zu bauen, die nicht so aussehen wie andere.“ In der Hoffnung, dass sie vielen Leuten gefallen. „Bisher hat es geklappt“, sagt er und hängt die Gitarre zurück in die Halterung an der Wand.

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