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Ladenschluß : Der Handel reagiert sofort

Vorreiter bei der Öffnung: das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Der Ladenschluß in Hessen ist freigegeben. Nun reagieren die Händler. Das Main-Taunus-Zentrum will von Dezember an werktags bis 22 Uhr öffnen. Auch an der Zeil sind längere Öffnungszeiten vorgesehen.

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          Die Freigabe des Ladenschlusses unter der Woche wird rasch zu einer Ausweitung der Einkaufsmöglichkeiten führen. Das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach plant für die Vorweihnachtszeit die Öffnung der Geschäfte täglich bis 22 Uhr, wie Centermanager Gerhard Baur auf Anfrage sagte. Schon am heutigen Freitag sollen an dem Einkaufszentrum neben der Autobahn 66 besondere Fahnen hochgezogen werden, die für den Abendeinkauf werben; der erste Tag mit längeren Öffnungszeiten wird höchstwahrscheinlich wie anderswo auch der Freitag nächster Woche sein, das ist der 1. Dezember.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Für die Zeit nach dem Weihnachtsgeschäft ist Baur zufolge vorerst lediglich eine längere Öffnungszeit an den Abenden von Donnerstag bis Samstag geplant. Wenn die Nachfrage sehr stark sei, lasse sich sicherlich über eine Ausdehnung auf die anderen Abende reden.

          So weit wie das Management des Main-Taunus-Zentrums wollen die Leitungen in anderen Einkaufszentren nicht gehen. Im Hessen-Center im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim ist nach den Worten seiner Managerin Brigitte Schmitt auch in der Vorweihnachtszeit eine Öffnung bis 22 Uhr lediglich von donnerstags bis samstags geplant. Dabei werde es auch im neuen Jahr bleiben, sagte Schmitt weiter. Im Frankfurter Nordwestzentrum soll es, wie bereits berichtet, eine Renaissance des langen Donnerstags geben: Dort werden die Geschäfte nur an diesem einen Tag in der Woche bis 22 Uhr geöffnet sein und sonst schließen wie bisher, wie Centermanager Andre Haase berichtete.

          Uneinheitliche Lage in der Region

          Wie sich hingegen die Öffnungszeiten an der Zeil in Frankfurt darstellen werden, ist noch unklar. „Es wird im Dezember ein wenig strubbelig“, meinte Heinz Schmitz, Geschäftsführer des Vereins „Cityforum pro Frankfurt“. Norbert Richter, der neue Geschäftsführer des Kaufhofs an der Hauptwache, äußerte, er wolle das Haus jedenfalls in der Vorweihnachtszeit an allen Werktagen bis 22 Uhr öffnen.

          Was danach komme, müsse man sehen. Richter schränkte ein, über die Verlängerung müsse noch mit der Arbeitnehmervertretung verhandelt werden. Unter Verweis auf derartige Gespräche schwiegen sich die Manager von Karstadt und C & A aus. Der Karstadt-Quelle-Konzern hatte aber schon vor Wochen angekündigt, er wolle in den Großstädten die neuen Möglichkeiten nutzen; dem Vernehmen nach ist auch C & A massiv an einer Öffnung am Abend interessiert. Es ist anzunehmen, daß sich die kleineren Geschäfte an der Zeil an den großen Häusern orientieren werden. Zurückhaltend blieben die großen Einzelhandelsketten. Einhellig hieß es bei Rewe, Tengelmann und Lidl, es seien noch keine Entscheidungen getroffen. An der Frankfurter Goethestraße wiederum steht offenbar schon fest, daß aus einem abendlichen Einkauf nichts wird - so jedenfalls war zu hören.

          In den anderen Städten der Region ist die Lage uneinheitlich. In Wiesbaden hat man sich gerade erst darauf verständigt, die Geschäfte wenigstens bis 19 Uhr einheitlich zu öffnen. In Darmstadt hat das Citymarketing den Einzelhändlern empfohlen, genauso wie im Frankfurter Nordwestzentrum den langen Donnerstag aufleben zu lassen: An diesem Tag sollten die Geschäfte um 22 Uhr schließen, sonst wie bisher um 20 Uhr. In den kleineren Städten scheint die Zurückhaltung besonders groß zu sein. Aus Bad Homburg etwa war zu hören, die Möglichkeiten würden wohl nicht genutzt.

          Werden die Läden nun später öffnen?

          Der hessische Einzelhandelsverband hatte sich stets gegen die beschlossene Ausweitung ausgesprochen, dann jedoch dazu geraten, die neuen Möglichkeiten als Marketinginstrument zu nutzen. Dieter Schoenfeld, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Frankfurt-Hochtaunus-Maintaunus, hatte schon vor Wochen gesagt, er rate den Einzelhändlern im Umland, sich für einen Tag zu entscheiden, an dem dann alle Geschäfte eines Ortes abends länger geöffnet seien.

          Völlig unklar ist, ob die längere Öffnung am Abend eine spätere Öffnung der Geschäfte am Morgen nach sich zieht. Angeblich wird derlei in Kaufhäusern überlegt. Schon jetzt öffnen viele Geschäfte später als in früheren Jahren. So kann man in den großen Häusern an der Zeil erst von 9.30 Uhr an einkaufen. Das Nordwestzentrum öffnet sogar erst um 10 Uhr.

          Einen verkaufsoffenen Sonntag im Advent wird es nicht mehr geben. Hatte das frühere Bundesgesetz hier noch eine Lücke für den ersten Advent gelassen, so schließt das neue Landesgesetz, das die alte Regelung ablöst, derlei auch dann aus, wenn dieser Tag in den November fällt.

          Die neuen Öffnungszeiten

          Das neue Gesetz über Ladenöffnungszeiten soll am 1. Dezember in Kraft treten. Von diesem Tag an können Geschäfte in Hessen werktags ohne zeitliche Beschränkung öffnen, das heißt rund um die Uhr. Zudem ist es Städten und Gemeinden erlaubt, an vier Sonn- und Feiertagen im Jahr - zu Messen, Märkten oder größeren Festen - eine Öffnung bis maximal 20 Uhr und „außerhalb der Zeit des Hauptgottesdienstes“ zu ermöglichen. Ausgenommen davon sind jedoch die Adventssonntage, der erste und zweite Weihnachtstag, Karfreitag, die Osterfeiertage, die Pfingstfeiertage, Fronleichnam, der Volkstrauertag und der Totensonntag; an diesen Tagen müssen die Geschäfte grundsätzlich geschlossen bleiben. Am 24. und 31. Dezember haben Verkaufsstellen von 14 Uhr an geschlossen zu sein, wenn diese Tage auf Werktage fallen. Tankstellen und Kioske, Bäckereien und Geschäfte in Bahnhöfen und an Flughäfen dürfen auch sonn- und feiertags öffnen. Darüber hinaus können in Kur-, Ausflugs- und Wallfahrtsorten an bis zu 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr „Reisebedarf, Sportartikel, Devotionalien, Waren, die für diese Orte kennzeichnend sind, und Gegenstände des touristischen Bedarfs“ veräußert werden. Die Öffnungszeit darf dort an diesen Tagen allerdings maximal acht Stunden betragen. (ler.)

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