https://www.faz.net/-gzg-9rojb

Labor Frankfurt : Zukunftslösungen aus der Mainmetropole

  • Aktualisiert am
Ein Experiment: Lastwagen mit Stromabnehmer
Ein Experiment: Lastwagen mit Stromabnehmer : Bild: Michael Kretzer

Mit Semmi auf Du und Du

Über die Schönheit der Bundeshauptstadt kann man mit Semmi nicht plaudern, darüber weiß er leider nichts. Aber wann der nächste Zug nach Stendal fährt, sagt Semmi auf die Minute genau. Gehört dem Roboter mit dem weißen Haupt die Zukunft an den Auskunftsschaltern der Deutschen Bahn? Kann sein, kann auch nicht sein. Derzeit wird Semmi am Berliner Hauptbahnhof getestet, und im Konzern heißt es, er komme bei den Fahrgästen gut an. Entwickelt wurde der Roboter mit Künstlicher Intelligenz in Frankfurt. Dort betreibt die Deutsche Bahn gleich zwei Entwicklungslabore, das eine oben im Silberturm, einst Sitz der Dresdner Bank, das andere an der Elbestraße, beide nahe am Hauptbahnhof. Im „Skydeck Accelerator“ im Silberturm geht es um innovative IT-Lösungen wie Semmi. Ist es sinnvoll, an Rolltreppen Mikrofone zu installieren, die schnarrende Geräusche melden, so dass der Reparaturtrupp schon ausrücken kann, bevor die Rolltreppe stillsteht? Lassen sich Zugbegleiter im Umgang mit dem neuen Rollstuhl-Lift im ICE 4 mit Hilfe einer virtuellen Brille schulen?

Das sind so die Fragen, an denen in dem einen Labor getüftelt wird. Im anderen, im Bahnjargon D-Lab genannt, geht es um die analoge Welt. Einen verrückten „Ideenzug“ haben sie gebaut, mit einem Fitnessstudio drin, einem Kinderabteil mit einer doppelstöckigen Spielwiese und einer Privatkabine, in der sich Fahrgäste im Massagesessel räkeln können. Wird es all das jemals in einem Zug geben? Vielleicht ja, vielleicht nein. Aber bei der Deutschen Bahn haben sie begriffen: Die Mitarbeiter müssen aus dem Alltag herausgenommen werden, um auf unkonventionelle Ideen zu kommen, sie müssen tüfteln dürfen, auch mit Lego-Steinen und Fischer-Technik, wie sie im „Skydeck Accelerator“ zu finden sind. Und unter 100 Ideen ist dann vielleicht eine, die dem Betrieb oder den Fahrgästen hilft. Dass die Deutsche Bahn besser werden muss, wissen sie hier alle. (mak.)

Laster an der Leitung

Fünf Kilometer vor Darmstadt tauchen sie plötzlich auf. Alle fünfzig Meter etwa steht ein Mast am Rand der Autobahn 5, 111 Masten sind es auf der einen Straßenseite, 112 in der Gegenrichtung nach Frankfurt. An ihren langen Auslegern hängen jeweils Oberleitungen, ganz so, als sollte hier, mitten auf der Straße, eine Straßenbahn verkehren. Doch dass hier bald Schienen verlegt werden, müssen weder Autofahrer noch Spediteure fürchten. Die jeweils fünf Kilometer langen Oberleitungen sind Teil eines bundesweit einmaligen Vorhabens, bei dem der Einsatz elektrischer Lastwagen getestet werden soll. Das Ziel dieses Projekts: den Ausstoß von Kohlendioxid im Schwerlastverkehr deutlich zu verringern, um die Erderwärmung zu verlangsamen. An mehrere Transporter wurden für diesen Versuch Stromabnehmer montiert, über die dann der Elektromotor direkt mit Energie versorgt werden kann. Auf diese Weise benötigen die Lastkraftwagen nur eine kleine Batterie für das letzte Stück von der Autobahnabfahrt zum Kunden. Tonnenschwere Akkus und entsprechend lange Ladezeiten, die eher für lange Strecken nötig wären, können sich die Spediteure damit sparen.

Auf vier Jahre ist der Testversuch angelegt, an dem sich fünf Unternehmen mit zusammen fünf Oberleitungs-Lastwagen beteiligen. Rund 15 Millionen Euro hat das Bundesumweltministerium dem Land Hessen dafür bereitgestellt. Unumstritten ist das Projekt nicht: Umweltpolitiker etwa hätten einen Ausbau der Schiene präferiert, und einige Hersteller glauben, dass eher die Brennstoffzelle oder Erdgas geeignete Antriebstechniken für Lastwagen sein werden. Doch die für den Straßenverkehr zuständige Landesbehörde Hessen Mobil betont, dass es ja gar nicht darum gehe, alle Autobahnen mit Oberleitungen auszustatten. Sie könnten sich aber zumindest auf vielfrequentierten Strecken für die kurze und mittlere Distanz lohnen. Und das lässt sich nun einmal am besten mit einem Versuch in der Praxis feststellen. (fahe.)

Weitere Themen

Klima-Aktivist nach Kollaps weiter im Hungerstreik Video-Seite öffnen

Für die Umwelt : Klima-Aktivist nach Kollaps weiter im Hungerstreik

Nicht nur für das Klima, auch für die Hungerstreikenden wird es langsam gefährlich. Am Dienstag musste einer von ihnen ins Krankenhaus gebracht werden, zuvor war er zusammengebrochen, Kreislaufprobleme. Mittlerweile sei er wieder im Camp und entschlossen, weiterzumachen. Eine Protestgruppe verlangt von den Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen ein öffentliches Gespräch zur Klimapolitik und verleiht ihrer Forderung mit einem Hungerstreik Nachdruck. Ein Aktivist musste nun vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden.

Topmeldungen

Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.
Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung

Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.