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Kunststofffabrik : Ticona feiert neues Werk und lobt Standort

Wachstum im Sinn: Zwei von 320 Mitarbeitern des Kunststoffherstellers Ticona im neuen Werk in Frankfurt-Höchst Bild: Frank Röth

Der Kunststoffhersteller Ticona hat in Frankfurt sein neues Werk in Betrieb genommen - nach nicht einmal drei Jahren Bauzeit. Es ist das größte seiner Art weltweit.

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          Was David Weidman in diesem Augenblick wohl denken mag? Vielleicht glaubt der Vorstandsvorsitzende des Celanese-Konzerns einfach an einen Übersetzungsfehler während der Rede von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zur Inbetriebnahme des Ticona-Werks im Industriepark Höchst. Jedenfalls regt Weidman sich nicht nach der Bemerkung Bouffiers, ob der Bau der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens tatsächlich die Verlagerung des Werks der Celanese-Tochter von Kelsterbach nach Höchst nötig gemacht habe, wolle er dahingestellt sein lassen. Vielleicht denkt sich der Amerikaner auch: Ist jetzt ohnehin egal.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn Tatsache ist: Flughafenbetreiber Fraport hat Celanese 670 Millionen Euro für den Entschluss gezahlt, den alten Standort zugunsten der Nordwestlandebahn zu verlassen. Darauf hatten sich beide Konzerne im November 2006 nach Verhandlungen geeinigt. Zuvor waren Schornsteine und Fackeln in Kelsterbach, mit denen die Ticona überschüssiges Gas verbrannt hat, als sogenannte Flughindernisse eingestuft worden. Diese Aufbauten sind seit dem Sommer beseitigt worden, gleichzeitig hat die Ticona ist neues Werk im Frankfurter Westen hochgefahren, nach nicht einmal drei Jahren Bauzeit.

          Ein „aufkommensneutraler Betrag“

          Wie viel die Fabrik gekostet hat, behält der Konzern für sich. Die 670 Millionen Euro gelten als „aufkommensneutraler Betrag“ für die Verlagerung; außer dem Neubau umfasst das Großprojekt auch den Abriss des alten Werks einschließlich des Abbaus der unterirdischen Anlagen mit ungezählten Kilometern von Rohren und Leitungen.

          Die aus acht Teilen bestehende Fabrik im Süden des Industrieparks preist Weidman als einen „Meilenstein für Celanese und Ticona“. Es sei die weltweit größte und leistungsfähigste Anlage ihrer Art. Wie in Kelsterbach stellt Ticona fortan auf dem Stammgelände der ehemaligen Hoechst AG einen Kunststoff her, der in Autotanks ebenso verbaut wird wie in Backformen, Brühsystemen von Kaffeeautomaten oder auch in sogenannten Pens, mit denen sich Zuckerkranke ihr Insulin spritzen.

          Der Celanese-Chef will, wie er an diesem Montag in Höchst sagt, den Neubau als Beleg für das nachhaltige und erfolgreiche Engagement des Konzerns im Rhein-Main-Gebiet verstanden wissen. „In dieser Region sind viele unserer Kunden, und hier leben unsere Mitarbeiter.“ Vor allem den Beschäftigten zollt Weidman großes Lob. Der Umzug habe allen Beteiligten sehr viel abverlangt.

          Andauernder Rückbau in Kelsterbach

          Schließlich hat die Ticona ihr neues Werk gebaut und hochgefahren, während das alte noch unter Volllast lief – und das mit nur einer Belegschaft. 320 Beschäftigte arbeiten fortan im neuen Werk. Das sind etwa 120 weniger als in Kelsterbach. Der Unterschied erklärt sich vor allem daraus, dass die Ticona früher für Energie- und Rohstoffversorgung sowie Abfallbeseitigung selbst sorgte, nun jedoch auf die Dienste des Industrieparkbetreibers Infraserv zurückgreift. Zudem bleiben rund 50 Mitarbeiter in Kelsterbach und begleiten den sogenannten Rückbau, der im Lauf des Jahres 2013 abgeschlossen werden soll.

          Doch richten sich die Blicke an diesem Tag auf die neue Anlage: „Mit dem heutigen Tag erreichen wir ein sehr hoch gestecktes Ziel“, sagt Ticona-Chef Michael Stubblefield. „Besonders stolz“ ist er auf die Sicherheitsbilanz in Höchst. Obwohl zeitweise mehr als 1200 Arbeiter auf der Baustelle waren und sieben verschiedene Sprachen gesprochen wurden, hat es mehr als drei Millionen unfallfreie Arbeitsstunden gegeben, wie er berichtet. Dieses Maß an Sicherheit setze einen neuen Standard für die chemische Industrie.

          Hoffnung auf Wachstum - und viele Steuern

          Die neue Fabrik könne bis zu 140.000 Tonnen technische Kunststoffe im Jahr ausstoßen – 30.000 mehr als die alte. „Dieser Standort im Industriepark unterstützt unser Wachstum und unsere Innovationsziele, außerdem eröffnet er Ticona Möglichkeiten, die in dieser Form an anderen Standorten nicht realisierbar wären.“

          Dergleichen hört auch Bouffier gern, der die Inbetriebnahme einen Tag der Freude für Land und Stadt nennt. Weidman vor Augen sagt er: „Ich wünsche, dass die Unternehmensentwicklung permanent nach oben geht – und dass Sie viele Steuern zahlen, denn das brauchen wir auch.“ thorsten winter

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