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Kunsthandel und Corona : Auktionen funktionieren auch online

Vielfältiges Angebot: Bei Döbritz an der Frankfurter Braubachstraße stehen Kunst und Antiquitäten für die Auktion bereit. Bild: Lucas Bäuml

Versteigerungen finden in Zeiten der Pandemie selbstverständlich ohne Bieter im Saal statt. Das verändert das Geschäft zwar, macht es aber nicht unbedingt schlechter.

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          Dunkler Anzug, weißes Hemd, Manschettenknöpfe, edle Seidenkrawatte und Einstecktuch: Michael Arnold sieht so aus, wie man ihn kennt, wenn er ans Auktionspult tritt. Doch an diesem Samstag steht er nicht, sondern nimmt auf einem Stuhl Platz, vor ihm ein Laptop und der fast leere Saal. Statt der üblichen mehr als 150 Interessenten sitzen dort nur einige Mitarbeiter, die Kontakt zu Bietern am Telefon halten. Und dennoch ist die Schmuckauktion, bei der mehr als 700 Positionen zum Aufruf stehen, an diesem Tag gut besucht. Denn einige hundert Interessenten verfolgen die Versteigerung des Frankfurter Auktionshauses Arnold über Lot-Tissimo im Internet am Bildschirm – vermutlich meist in Freizeitkleidung, leger auf dem Sofa.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie sehen den Auktionator, das aufgerufene Stück und das jeweils nächste fällige Gebot. Ohrgehänge, Broschen, Ketten, Armbänder und immer wieder Ringe und Uhren kommen zum Aufruf, aber auch Diamanten, Rubine und andere Edelsteine. Arnold geht zügig durch den Katalog, immer wieder wechseln sich schriftliche Gebote mit telefonischen und digitalen ab. Ein Schluck Kaffee, Wasser oder ein Bonbon müssen reichen, um die Stimme von 10 bis kurz vor 18 Uhr geschmeidig zu halten. Für viele Stücke liegen schriftliche Gebote vor, die nicht überboten werden. Sie gehen schnell weg. Bietergefechte sind selten, ein paar Mal kommt Leben in den Saal mit den großen Fenstern und Blick in die Bäume des Anlagenrings, wenn ein Mitarbeiter einen eifrigen Interessenten am Telefon hat, der im Wechsel mit Online-Bietern den Preis treibt – bis Arnold nach den Worten „zum Ersten, zum Zweitern, zum Dritten“ seinen Hammer fallen lässt.

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