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Krise und Billig-Konkurrenz : Turbulenzen bei der Lufthansa

Über die Krise hinweg fliegen? Die Lufthansa in Turbulenzen. Bild: AFP

Gebeutelt von der Krise und der lange unterschätzten Billig-Konkurrenz, liegen bei der Lufthansa die Nerven blank. Die Erfolge des Ende 2010 scheidenden Vorstandschefs Wolfgang Mayrhuber drohen zu verblassen.

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          Der Schock hält an. Die Lufthansa als Billigfluglinie im Europaverkehr? Was der neue Vizevorstandsvorsitzende des Lufthansa-Konzerns unlängst den Lufthanseaten mit dieser Ansage zugefügt hat, würden Boxer wohl einen Jab nennen, eine abrupte Gerade mit der Führhand. Der Getroffene geht in der Regel nicht zu Boden, aber es schmerzt, und der Adrenalinspiegel steigt.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Die Linderungsversuche des bisher als aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber gehandelten Christoph Franz im Mitarbeitermagazin „Lufthanseat“ reichen offenbar nicht: „Es würden wohl nicht viele Lufthanseaten traurig sein, wenn Franz darüber stolpert“, heißt es vielmehr aus vorstandsnahen Kreisen in Frankfurt, während Franz davon berichtet, wie viel Zuspruch er im Hause erfahre.

          Carsten Spohr sei noch „zu jung“

          Unter Lufthanseaten gelten andere Vorstände als nicht weniger sachkundig – und als die bessere Wahl, was die Sensibilität für den Markenkern des Unternehmens betrifft, beispielsweise Stefan Lauer. Der Mann mit Frankfurter Wurzeln ist Arbeitsdirektor und zuständig für Verbund Airlines. Er sei bereit und in der Lage, ist aus der Nähe des Vorstands zu hören. Andere können sich Finanzvorstand Stephan Gemkow an der Spitze vorstellen, dem viele Mitarbeiter am Heimatflughafen höchste Kompetenz und eine ruhige Hand auch in schwierigen Phasen attestieren. Allerdings fehlt Gemkow die Hausmacht, wie es weiter heißt.

          Als „zu jung“ für die Poleposition gilt im Moment Lufthansa-Cargo-Chef Carsten Spohr, wenngleich er sich gerade größten Respekt in der Branche und bei den Mitarbeitern damit verdient, dass er die Frachttochter durch die Wirtschaftskrise mit noch nie dagewesenen Nachfrageeinbrüchen steuert.

          Offene strategische Überlegungen

          Franz, einst Mitglied jenes Sanierungsteams, mit dem sich Mayrhuber als Verantwortlicher seinen herausragenden Ruf als Manager erarbeitet hatte, hat Unterstützung von ganz oben. Er gilt als Wunschkandidat von Jürgen Weber. Gegen das Dafürhalten des Vorgängers von Mayrhuber und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden fällt nach wie vor keine wichtige Entscheidung im Konzern. „Weber zieht noch immer sämtliche Strippen“, heißt es im Lufthansa Aviation Center am Frankfurter Flughafen.

          Dass der Wunschkandidat allerdings unlängst seine strategischen Überlegungen weitgehend ohne Rücksicht auf den Markenkern der Lufthansa und offenbar ohne Absprache mit dem Vorstandsvorsitzenden öffentlich machte, dürfte auch seinen Förderer Weber kaum erfreut haben: Franz breitete im Interview seine Lowcost-Ideen aus, sprach von mehr und von dünneren Sitzen in den Jets, was die Passagiere gar nicht merkten, aber eine Ergebnisverbesserung von 100 Millionen Euro bedeuten könne, während fast zur selben Zeit ein Interview des Vorstandsvorsitzenden Mayrhuber in Druck ging, in dem er den Qualitäts- und den Premiumanspruch seines Hauses erneuerte. Aber auch er stellte das Sparziel von einer Milliarde Euro im Jahr des Programms Climb 2011 nicht in Frage, das die Lufthansa im Wettbewerb an der Spitze halten soll. Aber eben auch nicht den Kern der Marke Lufthansa als Qualitätsfluggesellschaft. Mayrhuber selbst soll nach dieser Frontalkollision zweier Vorstandseinlassungen zornig von einem GAU der Kommunikation gesprochen haben – vom größten anzunehmenden Unfall.

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