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Kreditinstitute : Lockerungsübungen beim Sparkassenverband

Gerhard Grandke, neuer Chef des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Der neue Chef Gerhard Grandke verkündet keinen Richtungswechsel beim Sparkassenverband Hessen-Thüringen. Aber er äußert sich bei seiner ersten Pressekonferenz weniger dogmatisch als sein Vorgänger Gregor Böhmer.

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          Was wird aus der Helaba, wenn es tatsächlich zu der allseits erwarteten Konsolidierung der Landesbanken in Deutschland kommen sollte? Wie werden sich die Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet in Zukunft aufstellen? Das sidn wohl die beiden wichtigsten Fragen, mit denen sich die jeweiligen Präsidenten des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen in Zeiten wie diesen befassen müssen – das galt für Gregor Böhmer, der Ende Februar in den Ruhestand getreten ist, genauso wie es auf seinen Nachfolger Gerhard Grandke zutrifft, der sich bei der Vorlage der Zahlen von 2008 erstmals der Presse stellte.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch auch wenn Grandke, dem aufgrund seiner Erfahrungen in der Politik auf dem schwierigen Posten allerhand zugetraut wird, noch nichts über seine eigenen Vorstellungen verriet – er ließ doch eine neue Offenheit bei der Suche nach Lösungen erkennen. So verzichtete er etwa auf die vertraute Kritik an jedweder Überlegung, die Helaba könne weitere Sparkassen übernehmen. Böhmer hatte sich stets gegen derlei Vertikalisierung ausgesprochen. Grandke beließ es in diesem Punkt diplomatisch bei dem Hinweis, die Frankfurter Sparkasse jedenfalls sei seinerzeit mit Zustimmung der Verbandsversammlung an die Helaba gegangen.

          Konservatives Risikoprofil

          Auch bei der Frage nach der Zukunft der Helaba selbst zeigte sich Grandke flexibel. Vor Jahresfrist hatte Böhmer noch die Absage an Gespräche mit der West LB knapp mit dem Hinweis auf die öffentliche Berichterstattung über das schon damals schwer angeschlagene Düsseldorf Haus begründet. Solchermaßen abgekanzelt wurde ein solches Modell von Grandke nicht. Er verwies bloß auf die Beschlusslage des Sparkassenverbands vom Februar 2008, wonach ein Zusammengehen mit einem anderen Kreditinstitut auf jeden Fall mit einem Mehrwert verbunden sein müsse und dabei das konservative Risikoprofil der Helaba nicht aufgegeben werden dürfe. Wie auch Böhmer vor Jahresfrist hob Grandke hervor, es bestehe keinerlei Druck für die Helaba. Generell gestalte sich die notwendige Konsolidierung der Landesbanken als ausgesprochen zäh.

          Die neue Offenheit exerzierte Grandke auch bei einer Frage, mit der er schon länger befasst ist. Im Zuge der Übernahme der Frankfurter Sparkasse durch die Helaba 2005 war vereinbart worden, binnen fünf Jahren solle die Gemengelage der Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet bereinigt werden. Er selbst, so berichtete Grandke, habe dies damals – als Vertreter der Sparkasse Offenbach – beantragt. Nun neigt sich die Frist dem Ende zu, ohne dass auch nur der Ansatz einer Lösung zu erkennen wäre. In seinem neuen Amt sprach Grandke unverblümt von einem Bohren dicker Bretter, vergleichbar einer Neuordnung der Rhein-Main-Region insgesamt.

          Die Bereinigung der Gemengelage könnte Teil einer Neuordnung der Sparkassen in der Region sein, deren Erträge unterdurchschnittlich sind. Das Ziel einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit hat der Verband Grandke zufolge nicht aufgegeben, will es aber in Zukunft als nicht weniger wichtig ansehen, dass die Häuser Marktanteile gewinnen und bei der Kundenzufriedenheit gut abschneiden.

          Kein Institut in den roten Zahlen

          Im zu Ende gegangenen Jahr haben auch die 50 Sparkassen in Hessen und Thüringen unter der Krise gelitten; der Jahresüberschuss aller Häuser zusammen sank um ein Drittel. Mit Null, geschweige denn mit roten Zahlen habe kein Haus abgeschnitten, hieß es. Die Kreditinstitute litten weniger im laufenden Geschäft als vielmehr wie nahezu alle Banken unter den Abschreibungen auf Wertpapiere – verbunden mit der Hoffnung, dass dadurch stille Reserven gebildet wurden. Der Bewertungsbedarf im Kreditgeschäft hingegen sei niedrig geblieben. Das Kernkapital konnte auf 5,4 Milliarden Euro erhöht werden, als Kernkapitalquote werden 10,8 Prozent genannt. Alles in allem hätten sich die Sparkassen der beiden Bundesländer achtbar geschlagen, befand Grandke. Die Bilanzsumme der 50 Häuser gab er mit 114 Milliarden Euro an. Das Ziel im laufenden Jahr sei es, das Betriebsergebnis zu halten oder sogar leicht zu verbessern.

          Der Verbandspräsident beklagte sich darüber, dass der Rettungsschirm des Staates zu Wettbewerbsverzerrungen führe. En passant teilte die Verbandsspitze noch mit, dass sie mit der Übernahme der Naspa Dublin nur Risiken von maximal 100 Millionen Euro übernommen habe. Es sehe so aus, dass man damit hinkomme. Doch andernfalls müsse die Naspa selbst dafür aufkommen, hieß es.

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