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Kreditinstitute : Eigentümer sieht viele Interessenten für BHF-Bank

Die Gerüchteküche brodelt: Wohin führt der Weg der BHF-Bank? Bild: Wolfgang Eilmes

Schon lange nicht mehr waren die Gerüchte um einen Verkauf der BHF-Bank durch den heutigen Eigentümer, die Privatbank Sal. Oppenheim, so laut wie dieser Tage. In Finanzkreisen werden schon die üblichen Verdächtigen gehandelt, wenn es um den Kauf einer Bank geht.

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          Wenn Dietmar Schmid an die Zeit zurückdenkt, als die BHF-Bank Teil des niederländischen Finanzkonzerns ING war, verdunkelt sich noch heute seine Miene. Die Löwen, Markenzeichen der ING, hat er auf dem Fensterbrett seines Vorstandsbüros im Bankturm an der Bockenheimer Landstraße aufgestellt – als „Trophäen“, wie er sagt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vielleicht steht dort auch bald das Familienwappen der Oppenheims. Denn schon lange nicht mehr waren die Gerüchte um einen Verkauf der BHF-Bank durch den heutigen Eigentümer, die Privatbank Sal. Oppenheim, die seit zwei Jahren in Luxemburg sitzt, so laut wie dieser Tage. Die offizielle Sprachregelung lautet: Es gibt keine Entscheidung für einen Verkauf der BHF-Bank. Doch ein richtiges Dementi sieht anders aus.

          Eine Vielzahl von Angeboten?

          Ausgelöst hat das Rätselraten um die Zukunft des Hauses auch niemand Geringeres als der Sprecher der Gesellschafter von Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, der zugleich Vorstandssprecher der BHF ist. Anfang März ließ er verlauten: „Seit 2005 sind wiederholt Interessenten auf uns zugekommen. Entsprechend unserer unternehmerischen Verantwortung hören wir zu und wägen ab.“

          Eine Zeitung zitierte ihn gestern mit den Worten, es gebe eine Vielzahl von Anfragen. Um einen besseren Überblick über die Anfragen zu bekommen, die allerdings alle von außen herangetragen werden, lässt sie Sal. Oppenheim vom Bankhaus Rothschild als externer Stelle sammeln, wie es aus dem Haus weiter heißt. Ein Mandat, Käufer für die Bank zu suchen, gebe es aber nicht.

          Die üblichen Verdächtigen

          Die Spekulationen sind aber angestoßen, und inzwischen kursieren in Finanzkreisen eine ganze Reihe von Namen, die als mögliche Kaufinteressenten gelten. Einige können schon fast als die üblichen Verdächtigen bezeichnet werden, die immer wieder genannt werden, wenn es irgendwo eine Bank zu kaufen gibt: Die spanische Santander Bank zum Beispiel, die bislang recht stark durch die Krise geht und der immer wieder Ambitionen nachgesagt werden, größer in den deutschen Markt einzusteigen.

          Der Finanzinvestor Lone Star, der jüngst bei der leckgeschlagenen Mittelstandsbank IKB den Zuschlag bekommen hat. Arabische Investoren waren auch schon im Gespräch. Und ein hoher UBS-Manager hat ebenfalls jüngst geäußert, dass man sich die BHF zwar ansehe, sie aber eigentlich nicht zu der Schweizer Bank passe. Offiziell bestätigt wird derzeit aber nichts.

          BHF-Bank steht durchaus gut da

          Ein Sprecher der BHF-Bank, der in Krockows Worten ebenfalls noch keine Verkaufsabsicht erkennen will, kommentiert die Gerüchte lediglich mit dem Satz, wenn man höre, welche Interessenten angeblich die BHF kaufen wollten, habe man schon manchmal das Gefühl, „da wackelt der Schwanz mit dem Hund“.

          Den Zahlen nach, die der Sprecher einige Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2008 aus dem Haus vermeldet, steht die BHF-Bank derzeit durchaus gut da. Die neuen Gelder von Kunden oder Neukunden habe man im Krisenjahr 2008 auf 4,3 Milliarden Euro vervierfachen können, die Bilanzsumme liege ungefähr auf dem Niveau des Vorjahrs. 2007 hatte sie bei 19 Milliarden Euro gelegen. Das Mutterhaus Sal. Oppenheim gab die Bilanzsumme des ganzen Konzerns im Sommer 2008 mit 38 Milliarden Euro an.

          Technisch nicht schwer von der Mutter zu trennen

          Auch bei der Mitarbeiterzahl habe sich nicht viel verändert, sagt der BHF-Sprecher. Rund 700 der konzernweit 2000 Mitarbeiter sitzen demnach in Frankfurt, entweder in der Zentrale an der Bockenheimer Landstraße oder in der Niederlassung an der Neuen Mainzer Straße. Hier hat auch die Tochtergesellschaft Frankfurt-Trust ihren Sitz, die Fondsprodukte für private und institutionelle Anleger anbietet.

          Technisch dürfte die BHF nicht allzu schwer von der Mutter zu trennen sein. Auf eine Integration der Frankfurter in den Konzern hat Sal. Oppenheim weitgehend verzichtet. Zu gut sei die Marke BHF in der gehobenen Klientel etabliert, heißt es. Den Namen verschwinden zu lassen sei weniger profitabel, als die zwei Banken parallel unter einem Dach bestehen zu lassen.

          Drastische Sparkur gab es 2002

          Die BHF-Bank hat tiefe Wurzeln in Frankfurt. 1970 ging sie aus der Fusion der 1854 gegründeten Frankfurter Bank mit der Berliner Handels-Gesellschaft hervor. 1995 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgeformt, die die niederländische ING 1998 erst zu rund einem Drittel und schließlich komplett übernahm.

          Schmids Abneigung gegenüber den ehemaligen Eignern ist verständlich. Denn die deutsch-holländische Ehe sah kaum glückliche Tage. Denn anstatt die BHF mit einer klaren Strategie zu führen, drohte das Traditionshaus zur bloßen Filiale zu verkommen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse sackten immer weiter ab, begleitet von Querelen in der Geschäftsführung. 2002 wurde die BHF schließlich einer drastischen Sparkur unterzogen, jede sechste Stelle wurde gestrichen.

          Sal. Oppenheim kam da Ende 2004 wie ein rettender Ritter daher. Als die Privatbankiers, deren Firmensitz damals noch Köln war, die BHF übernahmen, entstand mit einer Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro die größte unabhängige Privatbank-Gruppe in Europa. Der damalige Kaufpreis soll bei rund 600 Millionen Euro gelegen haben. Heute scheint ein Verkaufspreis von einer Milliarde realistisch – aber auch der besteht bislang nur in der Gerüchteküche.

          Die Gerüchte um einen geplanten Verkauf der BHF-Bank reißen nicht ab. Durch wenig beherzte Dementis des Eigentümers werden sie eher befeuert. Es wäre ein weiteres Kapitel in der bewegten Geschichte der Traditionsbank.
          Von Tim Kanning

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