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Kreditinstitute : Die Banken verdienen wieder

3,8 Milliarden Euro Jahresüberschuß: die Deutsche Bank Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die schlimmsten Jahre liegen hinter den Banken und Sparkassen der Region. Im vergangenen Jahren haben alle wieder verdient - die einen wenigstens etwas, andere richtig viel.

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          Vorbei die Zeit, als die kleine Naspa in Wiesbaden mehr Gewinn machte als die große Commerzbank im ihrem grandiosen Wolkenkratzer in Frankfurt. Die Verhältnisse bei den Banken sind wieder geradegerückt. „Wer 2005 nichts verdient hat, war selbst schuld“, heißt es am Finanzplatz. Mittlerweile haben die meisten Institute ihre Bilanzen vorgelegt. Viele verzeichnen darin Rekordgewinne. Vor allem die Provisionserträge sprudelten dank des wieder lebhafteren Wertpapiergeschäfts. Wer trotz allem noch zurückstecken mußte, litt meist unter hausgemachten Schwierigkeiten.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nach absoluten Zahlen liegt am Finanzplatz beim Jahresüberschuß die Deutsche Bank mit 3,8 Milliarden Euro auf Platz eins - weit vor der Dresdner Bank mit 1,7 Milliarden Euro, in denen zudem erhebliche außerordentliche Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen und dem Abbau von Risikovorsorge für das Kreditgeschäft stecken. Auf Platz drei lag die Commerzbank mit 1,2 Milliarden Euro, die auch nicht frei sind von Sondererträgen.

          Kleine Volksbanken ganz groß

          Bei der Effizienz bleiben die deutschen Großbanken immer noch hinter der internationalen Konkurrenz zurück. Bei der Kosten-Ertrags-Quote, aus der sich ablesen läßt, wie hoch die Kosten je Euro Ertrag sind, schnitt die Commerzbank mit 67,1 als Sieger vor der Deutschen Bank (74,7) und der Dresdner Bank (89,4) ab. Bei der Eigenkapitalrendite (die angibt, wieviel Ertrag je Einheit eingesetzten Kapitals eine Bank erwirtschaftet) lag die Deutsche Bank mit 12,5 Prozent nach Steuern vor Commerzbank mit 9,2 Prozent und Dresdner Bank mit 9 Prozent.

          Bei den genossenschaftlichen Instituten ragte die Frankfurter Volksbank mit einem Ergebnis vor Steuern von 127,3 Millionen Euro weit heraus - als erste Volksbank überhaupt kam sie damit über 100 Millionen Euro. Allerdings steckt darin der außerordentliche Ertrag aus der Übertragung von Anteilen an der DZ-Bank an zwei Holdings in Höhe von 70,2 Millionen Euro. Ertragsstark ist weiterhin auch die Wiesbadener Volksbank mit einem Ergebnis vor Bewertung in Höhe von 39,6 Millionen Euro; weil Wiesbaden als Wohnstadt sehr begehrt ist, mußte Volksbankchef Rolf Hildner kaum Wertberichtigungen für Immobilienkredite vornehmen.

          Bei der Ertragsstärke kommen auch einige kleine Volksbanken groß heraus: Die Volksbank Griesheim etwa, die fast ein bißchen wie eine Direktbank arbeitet, lag mit einem Betriebsergebnis in Höhe von 1,7 Prozent der Bilanzsumme in der Spitzenliga der Region. Die kleine Volksbank von Frankfurt-Höchst hingegen mußte wegen hoher Wertberichtigungen im Kreditgeschäft einen Einbruch beim Jahresergebnis um 20 Prozent hinnehmen.

          Sparkassen arbeiten sich empor

          In Mainz ist es so, daß die Volksbank stärker ist als die Sparkasse. Jeder zweite Gewerbetreibende der Stadt ist dort Kunde. Bei der Bilanzsumme liegt das genossenschaftliche Institut sogar auf Platz drei hinter Berlin und Frankfurt. Beim Ertrag hat es allerdings noch an den Folgen der Übernahme der angeschlagenen Raiffeisen-Volksbank Mainz zu knabbern - und bekommt in diesem Zusammenhang Geld aus dem Sicherungsfonds der Branche.

          „Shooting Star“ der Finanzwirtschaft ist die Direktbank ING-Diba. Mit fünf Millionen Kunden sieht sie sich mittlerweile auf Platz drei im Privatkundengeschäft nach Postbank und Deutscher Bank. Beim Ertrag hingegen liegt sie zumindest bislang noch viel weiter hinten - vor Steuern blieb ein Ergebnis von 269 Millionen Euro (plus 156 Prozent). Steuern soll die Bank so gut wie keine gezahlt haben, weil die Muttergesellschaft ING Verluste aus der zwischenzeitlichen Beteiligung an der BHF-Bank mit den Diba-Gewinnen verrechnen konnte.

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