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: Krankenhäuser wollen mit Outsourcing sparen

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          3 Min.

          Erik Schmoock überlegt sich das immer ganz genau. Das Waschen der Wäsche, die in den Rhein-Main-Kliniken in Wiesbaden anfällt, hat der Geschäftsleiter zum Beispiel an ein anderes Unternehmen vergeben, weil das günstiger ist, als wenn es vom eigenen Personal erledigt wird. Doch in die Küchen der drei Häuser des Unternehmens läßt er keinen Fremden hinein. "Wir bieten Hotelstandard", sagt Schmoock. "Das kann ein Caterer nicht leisten." Bei der Wartung der technischen Anlagen ist der Chef nicht weniger wählerisch. Aber nach einigem Abwägen hat er sich doch entschieden, diese Arbeit zu vergeben. Und der Profiteur des Wiesbadener Outsourcings ist in der Region kein Unbekannter: Die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, die sich indes einen Namen in einer ganz anderen Branche gemacht hat. Seit der Hoechst-Konzern zerschlagen wurde und auf dem Gelände des Stammwerks im Frankfurter Westen eine Vielzahl von Unternehmen tätig ist, fällt Infraserv als sogenanntem Industrieparkbetreiber die Aufgabe zu, mit seinen 2000 Mitarbeitern für die Ver- und Entsorgung der Anlagen auf dem weitläufigen Gelände zu sorgen und sich bei Bedarf auch um die Unterhaltung der Gebäude zu kümmern. Ein Aufgabenkreis, mit dem Infraserv, seinerseits weitgehend im Besitz verschiedener Hoechst-Nachfolgegesellschaften, im vergangenen Jahr einen Umsatz in Höhe von 900 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

          Doch auf Dauer will sich das Unternehmen keineswegs auf Zuarbeiten für andere Firmen auf dem Werksgelände beschränken. Vor allem in der Logistik ist die GmbH auch in anderen Orten der Region wie Wiesbaden und Offenbach engagiert. Als besondere Wachstumsbranche hat Infraserv aber den Gesundheitsmarkt ausgemacht - einerseits, weil der Kostendruck dort steigt, andererseits, weil in die Branche immer mehr Wettbewerb einzieht. "Die Erwartungshaltung ist groß", sagt Armin Hermann, Manager Health Care bei dem Frankfurter Unternehmen.

          Wie sehr die Industrie und die Gesundheitsbranche nach wie vor fremdeln, zeigte sich auch im Falle der Rhein-Main-Kliniken. Zunächst hatte Infraserv lediglich den bescheidenen Auftrag, das Wiesbadener Unternehmen in Sachen Wartung der technischen Anlagen zu beraten. Dann kam ein Auftrag hinzu, die Modernisierung von Patientenzimmern zu begleiten. Erst jetzt verständigten sich beide Seiten darauf, daß Infraserv die gesamte Wartung und Instandhaltung der technischen Anlagen übernimmt.

          Die Rhein-Main-Kliniken sind ein privat geführter Verbund von drei Häusern mit zusammen 650 Betten, die sich vor allem auf die Rehabilitation von Patienten spezialisiert haben. Nur ungefähr ein halbes Dutzend Hausmeister beschäftigt das Unternehmen selbst. Sie sind nur für kleinere Reparaturen zuständig. Größere Arbeiten wie die Wartung der Aufzüge übernimmt jetzt Infraserv.

          Die Einsparungen beziffert Hermann mit 20 Prozent. Kliniken-Chef Schmoock ist etwas vorsichtiger und spricht von 15 Prozent. Die Begründung ist aber auf beiden Seiten gleich. Der Infraserv-Manager sagt, während technische Arbeiten für einen Krankenhausbetreiber nicht zum Kerngeschäft zählten, sei ein Unternehmen, das einen Industriepark versorge, ständig damit befaßt. "Wir sparen Kosten, personellen Aufwand und erhalten qualitativ hochwertige Dienstleistungen", lobt wiederum Schmoock, der es außerdem gut findet, daß er bei der Wartung nicht mehr mit vielen verschiedenen Unternehmen zusammenarbeiten muß.

          Infraserv hofft angesichts des gewaltigen Kostendrucks, der auf allen Krankenhäusern lastet, auf weitere Aufträge. In kleinerem Umfang ist das Unternehmen schon für die Uniklinik Mainz tätig, das Klinikum Offenbach und Nordwestkrankenhaus in Frankfurt. Das Ziel ist, sich in Krankenhäusern nicht nur um die Technik zu kümmern, sondern auch um die Grünanlagen und vielleicht sogar um die Reinigung der Räume. "Das soll ein bißchen mehr Schwung kriegen", sagt Hermann über den Unternehmensteil, für den er zuständig ist.

          Mit seinem Engagement dringt Infraserv freilich in einen hart umkämpften Markt vor. Erheblich weiter als Infraserv ist beispielsweise die Wisag des Frankfurter Unternehmers Claus Wisser. Sie erwirtschaftet in Kliniken und Altenheimen bereits zwischen 15 und 20 Millionen Euro Umsatz, zu ihren Kunden zählen das Rote-Kreuz-Krankenhaus in Frankfurt, das Alice-Hospital in Darmstadt und sogar eine Klinik auf Helgoland. Infraserv und Wisag haben sich allerdings aus ganz verschiedenen Richtungen dem Gesundheitsmarkt genähert: Der Industrieparkbetreiber bietet zunächst technische Dienstleistungen an, die Kompetenz der Wisag lag zunächst nur in der Reinigung der Gebäude. Wie der Geschäftsführer der Wisag Service Holding, Bernd Jacke, sagt, beginnen die Krankenhäuser erst in jüngerer Zeit mit dem Outsourcing technischer Aufgaben. Auch zur Übernahme solcher Tätigkeiten sei die Firma bereit. Jacke spricht ebenso wie Hermann von Infraserv von einer Wachstumsbranche. Der gesamte Facilitity-Management-Markt im deutschen Gesundheitwesen hat Jacke zufolge ein Volumen von 4,3 Milliarden Euro.

          Was die Krankenhäuser ausschreiben, ist indes von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Jacke weiß von Unternehmen zu berichten, die sogar die Patiententransporte innerhalb des Hauses outgesourct haben, um dabei zu sparen. Doch man muß genau aufpassen. In den drei Wiesbadener Kliniken, die Schmoock leitet, putzt zwar seit geraumer Zeit eine Fremdfirma die Flure und Büros. Nicht aber die Patientenzimmer, die mit Betten, Schränken, medizinischen Geräten und was sonst noch vollgestellt sind. Bei einer Fremdfirma müsse man ja praktisch das Umstellen jedes Mülleimers extra bezahlen, sagt Schmoock. "Das machen wir dann lieber selbst - das ist günstiger." Manfred Köhler

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