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Kraftwerk : Unklarheit über Eon-Pläne in Großkrotzenburg

Ob der neue Kraftwerksblock in Großkrotzenburg gebaut wird, ist unklar. Bild: Anna Jockisch

Die Pläne des Eon-Konzerns für Großkrotzenburg sind unklar. Der Konzern hat am Donnerstag nicht mehr zu seiner Aussage vom Mittwoch gestanden, wonach der neue Kraftwerksblock in Großkrotzenburg womöglich später oder überhaupt nicht gebaut werde.

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          Die Pläne des Eon-Konzerns für Großkrotzenburg sind unklar. Der Konzern hat am Donnerstag nicht mehr zu seiner Aussage vom Mittwoch gestanden, wonach der neue Kraftwerksblock in Großkrotzenburg womöglich später oder überhaupt nicht gebaut werde. Bei der bekanntgegebenen Überprüfung des milliardenschweren Investitionsvorhabens gehe es lediglich um eine Optimierung der Baukosten, hieß es. Man halte aber an diesem Projekt fest, äußerte ein Sprecher, nachdem es noch am Vortag auf Anfrage dieser Zeitung geheißen hatte, der Bau der Anlagen werde noch einmal grundsätzlich überprüft – und dies könne zum Ergebnis haben, dass das Kohlekraftwerk wie geplant erweitert werde, zu einem späteren Zeitpunkt oder auch gar nicht.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Schon im März hatte Eon in Unterlagen für Analysten und Investoren eine tabellarische Übersicht veröffentlicht, in der bei den 19 Kraftwerksprojekten des Konzerns in Europa nur für zwölf ein Jahr der Inbetriebnahme genannt wurde, während sich bei sieben lediglich der Vermerk „unter review“ fand. Dazu zählte auch das als Staudinger firmierende Projekt in Großkrotzenburg, wo ein neuer Block mit einer Leistung von 1100 Megawatt entstehen soll.

          Unruhe in der Hessischen Landesregierung

          Die Äußerungen eines Konzernsprechers vom Mittwoch führten am Donnerstag zu beträchtlicher Unruhe in der Hessischen Landesregierung. „Wir wollen unverzüglich wissen, ob es sich bei den heutigen Einlassungen um ,schlichtes Dahergerede‘ handelt oder um die ernsthafte neue Position des Unternehmens“, teilten Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) und Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) mit. „Es muss umgehend Klarheit geschaffen werden.“ Die beiden Minister wiesen darauf hin, dass die Landesregierung alles getan habe, das Projekt zügig voranzutreiben.

          Die am Mittwoch bekanntgewordenen Zweifel dürften auch deshalb so viel Aufmerksamkeit gefunden haben, weil sie zur Nachrichtenlage der vergangenen Tage passen. Zu Wochenbeginn hatte der dänische Energiekonzern Dong Energy bekanntgegeben, dass er auf den Bau eines Kohlekraftwerks in Emden verzichte. Am Dienstag hatte der Aachener Stadtwerke-Verbund Trianel mitgeteilt, komme es zu einer Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken in Deutschland, seien Investitionen in konventionelle Kraftwerke in Milliardenhöhe gefährdet. Der Verbund plant den Bau eines Kohlekraftwerks in Krefeld mit 750 Megawatt Leistung.

          Auch das geplante Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue steht auf der Kippe

          Der Essener Evonik-Konzern hat den Bau eines Kohlekraftwerks in Herne auf unbestimmte Zeit verschoben und treibt ein Vorhaben in Lünen nicht weiter voran. Auch aus dem Plan, auf der Ingelheimer Aue in Mainz ein Kohlekraftwerk zu bauen, wird womöglich nichts; hier waren Finanzierungsschwierigkeiten als Grund genannt worden. Dass der Eon-Konzern bei einem halbfertigen Kohlekraftwerk in Datteln nicht vorankommt, liegt allerdings am juristischen Sieg der Gegner.

          Umweltexperten argumentieren, angesichts des billigen Stroms aus abgeschriebenen Kernkraftwerken lohne sich der Bau von Anlagen, die Strom aus Kohle erzeugen, schlichtweg nicht. Die Investitionen sind beträchtlich; Eon spricht beim neuen Block 6 in Großkrotzenburg von 1,2 Milliarden Euro. Das Raumordnungsverfahren wurde im Juni abgeschlossen, derzeit läuft noch das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren. Eine Sprecherin des Eon-Standorts Großkrotzenburg bezeichnete den Plan einer Inbetriebnahme 2013 am Donnerstag als ambitioniert. Von dem Vorhaben, den neuen Kraftwerksblock schon 2012 in Betrieb zu nehmen, habe man sich wegen des Raumordnungsverfahrens, das zunächst nicht geplant gewesen war, ohnedies längst verabschiedet. Nach Darstellung des Konzerns wird der neue Kraftwerksblock weitaus umweltfreundlicher Strom produzieren.

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