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Konjunktur : Handwerk fordert Reformen und hofft auf Konjunkturbelebung

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Das Handwerk in Hessen mit seinen 61.500 Betrieben erwartet dieses Jahr nur eine schwache Konjunkturerholung und einer Stagnation des Umsatzes. Steuer- und Arbeitsmarktreformen müßten zügiger vorankommen, heißt es.

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          Das Handwerk in Hessen mit seinen rund 61.500 Betrieben erwartet in diesem Jahr nur kleine Schritte der Konjunkturerholung. Nach einem Umsatzrückgang von etwa einem Prozent 2004 sei lediglich mit einer Abschwächung des Rückgangs zu rechnen, sagte der Präsident des Hessischen Handwerkstages (HHT), Jürgen Heyne, am Dienstag in Wiesbaden. Als Voraussetzung für eine Belebung nannte Heyne unter anderem ein Anziehen der Binnenkonjunktur. Auch müßten Steuer- und Arbeitsmarktreformen zügiger vorankommen.

          Für viele Betriebe ist es nach Ansicht Heynes schwierig geworden, Kredite zu bekommen. Nach einer von den Kammern erstmals durchgeführten Umfrage unter mehr als 1.000 hessischen Betrieben im Herbst 2004 hatten 40,1 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten mit Banken Verhandlungen über Kredite oder Bürgschaften geführt. In 21,1 Prozent der Fälle wurden die Anträge abgelehnt. Mehr als die Hälfte der Kreditablehnungen begründeten die Banken mit einer zu geringen Eigenkapitalquote oder unzureichenden Sicherheiten.

          „Zuviele unqualifizierte Handwerker“

          Einerseits seien die Banken im Zuge der geplanten „Basel II“- Regelung, nach der sie verstärkt auf die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden achten müssen, zunehmend vorsichtig bei der Kreditvergabe. Andererseits lasse die wirtschaftliche Lage den Unternehmen kaum Luft zur Eigenkapitalstärkung. Die Umfrage zeigt nach Worten von Heynes aber auch, dass die Betriebe oft keine Rückmeldungen von den Banken erhielten, warum sie die Kredite nicht bekämen. Die Kreditinstitute seien jedoch mit Basel II auch zu mehr Transparenz aufgefordert.

          Kritisch schätzt der HHT den Boom der Neugründungen nach dem Wegfall der Meisterpflicht für eine Reihe von Handwerksberufen ein. Von 2.804 neuen Betrieben in Hessen 2004 - ein Plus von 4,8 Prozent - sind nach HHT-Angaben 85 Prozent ohne Qualifizierung gegründet worden. „Da hat die Regierung einen Jahrhundertfehler begangen“, sagte Heyne. Ohne Ausbildung und Erfahrung sehe er für die Zukunft von Handwerksunternehmen wenig Hoffnung. Sorge bereiten dem HHT zudem die Ein-Euro-Jobs. Wenn Handwerksarbeiten darunter fielen, drohe der zweite Arbeitsmarkt die Jobs auf dem ersten zu gefährden.

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