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IAA in Frankfurt : Krise des Konzepts Publikumsmesse

Krise des Konzepts: Die IAA in Frankfurt hatte in diesem weniger Zuschauer als früher. Bild: Lucas Bäuml

Der Einbruch der Besucherzahlen der IAA ist kein Erfolg der Demonstranten. Die Hersteller investieren die Millionenkosten für einen Auftritt lieber anders. Doch Frankfurt hätte durch einen Wegzug weitaus mehr zu verlieren.

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          Im Netz waren die Triumphschreie nicht zu überlesen. „Hoffentlich die letzte IAA“ jubelten Fridays-for-Future-Schüler auf Twitter, andere rechneten vor: „Fast drei Mal so viele Menschen bundesweit wie bei der IAA.“ Doch die Krise der IAA ist kein Erfolg der Demonstranten und Blockierer. Am ersten Wochenende der Messe kamen trotz Großprotesten 110.000 Besucher, und am zweiten, protestfreien Wochenende waren es 150.000.

          Dass es gleichwohl weniger waren als jemals zuvor, wird die Autohersteller nicht wirklich treffen. Sie ringen zwar mit dem Umstieg auf alternative Antriebe. Aber sie verkaufen allein in Deutschland noch immer jährlich mehr als 3,4 Millionen Neuwagen, und der Absatz wächst von Jahr zu Jahr. Die große Mehrheit der Bevölkerung will weiter Auto fahren statt auf Bus, Bahn oder Rad umzusteigen – auch wenn dies aus ökologischen Gründen geboten wäre.

          Der Einbruch der Besucherzahlen ist vor allem ein Zeichen für eine Krise des Konzepts Publikumsmesse. Die Hersteller investieren die Millionenkosten für einen Auftritt in Frankfurt lieber in Online-Konfiguratoren oder in Modelltouren zu ihren Händlern. Wer sich über ein Fahrzeug informieren will, muss nicht mehr zu einer Ausstellung reisen. Auch die Auto-Salons in Paris, Genf und Detroit kämpfen mit Herstellerabsagen und Besucherrückgängen.

          Krisentreffen geplant

          Dass die Stadt Frankfurt die IAA nun mit Hilfe eines Krisentreffens retten möchte, ist daher zu loben. Und auch, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann sich daran erinnert hat, dass er nicht nur für die Fridays-for-Future-Schüler zuständig ist, sondern auch für das Wohlergehen der Messegesellschaft, deren Aufsichtsrat er vorsitzt.

          Frankfurt hätte durch einen Niedergang oder Wegzug der IAA weitaus mehr zu verlieren als die Autoindustrie. Nicht nur verlöre sie ihr wichtigstes Aushängeschild als Messestandort. Als Haupteigner der Messegesellschaft käme sie der Verlust ihres wichtigsten Mieters teuer zu stehen. Und auch die Hotels und Restaurants hätten künftige Hunderttausende Gäste weniger und könnten weniger Gewerbesteuern überweisen. Um all dies abzuwenden, dürfte ein kurzfristig anberaumtes es Gespräch im Römer nicht ausreichen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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