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Nach Verzicht in München : Kein Grund für Luftsprünge bei Fraport

Hat nun eine Drohkulisse weniger gegenüber Frankfurt: Lufthansa-Chef Carsten Spohr Bild: dpa

Auf dem Flughafen München soll es nun doch keine dritte Piste geben. Fraport sollte sich nicht zu sehr darüber freuen. Die wirklich heikle Konkurrenz für die Frankfurter wächst nicht in Bayern, sondern woanders heran.

          Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte hat Grund, den Freien Wählern in Bayern zu danken. Denn mit ihrer klaren Ablehnung einer dritten Piste für den Flughafen München, die sie nun auch bei der Regierungsbildung in Bayern mindestens für die Dauer der Legislaturperiode durchgesetzt haben, fehlt dem Frankfurter Hauptkunden Lufthansa nun eine gern genutzte Drohkulisse.

          Die demonstrative Spekulation von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass München mit einer dritten Bahn gleichziehen könnte, hat ihre für die Frankfurter beunruhigende Wirkung mit dem dramatischen Durchsacken der CSU verloren. Für die nächsten fünf Jahre ist erst einmal Schluss mit dem Projekt dritte Bahn – kein Bau und auch keine Planung. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass es sich die selbstbewussten Freien Wähler gefallen lassen werden, wenn die CSU schon einmal für die Zeit nach der neuen Koalition munter weiter für den Bau einer dritten Piste planen lässt.

          Vergleichsweise hohe Kosten

          Allzu große Freudensprünge sollten sich die Frankfurter dennoch nicht leisten: So sind die Klagen der Lufthansa über schlechte Pünktlichkeitswerte, mehr als unkomfortable Zustände bei den Kontrollen und vergleichsweise hohe Kosten, mit denen sie ihre Sympathie für München begründet, nicht aus der Luft gegriffen.

          Vor allem aber hat die Lufthansa mit ihrer neuen Strategie für ihre großen Drehkreuze Instrumente entwickelt, mit denen sie die knappe Kapazität in München vorerst noch gut kompensiert, ohne ihre Slots in Frankfurt aufzugeben: Sie verlagert große Flugzeuge mit maximaler Passagierkapazität von Frankfurt nach München, um die vorhandenen Slots, die Zeitfenster für Starts und Landungen, mit möglichst vielen Passagieren auszunutzen. Gleichzeitig verschiebt die Lufthansa kleineres Fluggerät nach Frankfurt.

          Dieses „Wachsen in der Röhre“ in München ist noch längst nicht an seine Grenzen gelangt. Die mit einem Aufschrei der Empörung in Frankfurt begleitete Verlagerung von fünf Airbus A380 zum vergangenen Sommerflugplan war nur ein erster Schritt. Momentan ist Frankfurt, was die Langstreckenverbindungen betrifft, allerdings noch deutlich vor München.

          Große Freude über die neue Zwangslage in München ist auch sonst nicht angebracht, denn die wirklich heikle Konkurrenz wächst ganz woanders heran: Der türkische Präsident Erdogan hat in Istanbul innerhalb von vier Jahren einen kompletten Flughafen bauen lassen, der gerade mit einer jährlichen Kapazität von 90 Millionen Passagieren in Betrieb geht. Im Endausbau werden es 200 Millionen Fluggäste im Jahr sein. Wo die wirklichen Herausforderungen für die deutsche Luftverkehrswirtschaft liegen, ist also klar.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

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