https://www.faz.net/-gzg-9913n

Kommentar : Wenigstens keine Cyberattacke

Rechenzentrum in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Für den Frankfurter Internetknoten-Betreiber De-Cix sind Datacenter essentiell. Dass er von dem Stromausfall bei Interxion in Mitleidenschaft gezogen worden ist, verstärkt die Peinlichkeit für den Rechenzentrums-Betreiber noch.

          Als ob ein Sportwagen in voller Fahrt auf der Autobahn alle vier Reifen verliert: Dieses Bild haben Verantwortliche des Frankfurter Rechenzentrums-Betreibers Interxion gewählt, um die Tragweite des stundenlangen Stromausfalls in einem seiner Datenzentren zu beschreiben. Das klingt nicht nur dramatisch, der Vorfall war es auch.

          Denn im Grunde darf der Energiefluss in einem Rechenzentrum nicht versiegen. Niemals. Die Firmen, die Flächen für die Hochleistungsrechner ihrer Kunden vermieten, bieten im Kern drei Leistungen an: Stromzufuhr, Kühlung der Computer und die Sicherheit vor Übergriffen aller Art. Und das alles rund um die Uhr das ganze Jahr hindurch.

          Peinlichkeit für Interxion

          Ein Stromausfall berührt folglich die Kernkompetenzen eines solchen Unternehmens, dessen Geschäftsmodell Co-Location genannt wird und das in den vergangenen Jahren in Frankfurt immer wichtiger geworden ist. Längst stellen nicht nur mehr Telekom-Konzerne, Banken und Internetunternehmen ihre Rechner in eigens dafür geplanten Gebäuden von Datacenter-Betreibern ab, auch Krankenhäuser, Händler und Mittelständler aller Art tun es ihnen gleich.

          Für den Frankfurter Internetknoten-Betreiber De-Cix sind Datacenter essentiell. Dass er von dem Stromausfall in Mitleidenschaft gezogen worden ist, Internetseiten seiner Kunden einige Zeit gestört waren und dies dem Vernehmen nach europaweit zu spüren war, verstärkt die Peinlichkeit für Interxion zusätzlich. Schmückt sich der Rechenzentrumsbetreiber doch gerne mit dem größten Netzknoten der Welt.

          Weshalb versagte die Notstromkette?

          Darauf wird er in Zukunft zwar nicht verzichten müssen. Denn das De-Cix-Management sieht Interxion aufgrund jahrelanger guter Zusammenarbeit weiter als verlässlichen Partner an. Auch hängt es die Frage der Regressansprüche nicht hoch. Doch muss Interxion einiges klären. Obenan steht die Frage, weshalb ein Transformator ausfiel. Wichtiger ist aber im Zweifel zu ergründen, wieso danach auch das komplette Notstromsystem versagt hat. Halten doch Datacenter-Betreiber genau für solche Fälle gigantische Schiffsdieselmotoren vor und testen sie jeden Monat. Zudem sollen Batterien im Zweifelsfall die Dieselaggregate zum Laufen bringen. So weit die Theorie.

          Eine gute Nachricht hat die Suche nach der Ursache hervorgebracht: Ein Cyberangriff oder eine andere Art von Sabotage hat den Stromausfall nicht verursacht. Immerhin.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Aufstieg nicht ausgeschlossen

          Frankfurts SPD-Chef Mike Josef : Aufstieg nicht ausgeschlossen

          2002 wählte er aufgrund seiner christlichen Prägung noch CSU-Kanzlerkandidat Stoiber. Heute ist Mike Josef Frankfurter Planungsdezernent und Hoffnungsträger der Sozialdemokratie. Welche Türen stehen ihm zukünftig noch offen?

          Lilien freuen sich auf Ausflug nach Osnabrück

          Zweite Liga : Lilien freuen sich auf Ausflug nach Osnabrück

          Zum Abschluss des dritten Zweitliga-Spieltags trifft Darmstadt 98 auf den VfL Osnabrück. Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis freut sich auf das Spiel. Er muss jedoch auf einige Spieler verzichten.

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.