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Galeria Karstadt Kaufhof : Abstieg auf Raten

Lukrativ auf der Frankfurter Zeil? Karstadt Kaufhof rechnet mit hohen Umsatzeinbußen. Bild: dpa

Karstadt Kaufhof will an vielen Orten seine Filialen schließen. Nicht nur die Corona-Krise, sondern auch fehlende Investitionen in die Modernisierung lassen die Warenhauskette straucheln. Für die verbliebenen Häuser sind nun neue Ideen gefragt.

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          Karstadt und Kaufhof sind mehr als einfach nur zwei Warenhäuser. Viele Menschen sind mit diesen beiden Marken aufgewachsen, haben dort nicht nur Hemden und Hosen, sondern vom Koffer über den Verlobungsring, den Teddy, das Fastnachtskostüm, die Stereoanlage bis hin zum Porzellanservice alles gekauft. Dass nun an vielen Standorten Filialen verschwinden, ist vor allem für die Mitarbeiter und deren Familien ein Trauerspiel. Aber es ist auch ein Signal für den Wandel, der sich wegen neuer Einkaufsgewohnheiten in Innenstädten vollzieht.

          Wer nun die Corona-Krise vorschiebt oder einfach nur mit dem Finger auf Amazon und die „neue“ Konkurrenz im Internet zeigt, um die Schließung von vier Standorten mit über 450 Mitarbeitern allein im Rhein-Main-Gebiet zu erklären, macht es sich zu einfach. Sicher, ein Warenhaus lukrativ zu führen ist keine einfache Aufgabe. Doch im Management hat es über Jahre hinweg an Strategien gefehlt, die Warenhäuser so zeitgemäß weiterzuentwickeln, dass sie gegen die global agierende Konkurrenz bestehen. Zudem waren einige Standorte, etwa der von Karstadt in Mainz, seit langem sanierungsbedürftig.

          Nötig und lukrativ zu betreiben

          Natürlich ist die Frage berechtigt, ob an der Frankfurter Zeil oder in der Mainzer City wirklich zwei Kaufhäuser dieser Größenordnung nötig und lukrativ zu betreiben sind. Demgegenüber aber steht das Versäumnis, den über Generationen etablierten Marken eigenständige Profile zu verpassen, um so den jahrzehntelang aufgebauten Vorsprung am Markt zu nutzen. Stattdessen wurden Investitionen in Gebäude und Konzepte systematisch vernachlässigt.

          Bezahlen müssen dafür vor allem die Mitarbeiter, die zum Teil ihr ganzes Berufsleben dort verbracht haben. Ganz zu schweigen von den kaum absehbaren Folgeeffekten. Denn wenn große Warenhäuser in Einkaufszentren und Innenstädten schließen, gehen dort Magneten verloren, derentwegen die Menschen überhaupt kommen – und dann auch in kleineren Läden ihr Geld ausgeben. Insofern sind große, moderne Häuser Leuchttürme, die eine Strahlkraft ausüben, von der eine ganze Stadt profitiert – und umgekehrt sind geschlossene Filialen, deren Renovierung und Neuvermietung sich unter Umständen lange hinzieht, für die Attraktivität von Einkaufsmeilen eine Last.

          Für die verbliebenen Häuser von Karstadt und Kaufhof sind nun endlich neue Ideen gefragt. Sonst sind die aktuellen Schließungen nur der Anfang vom Ende.

          Daniel Schleidt
          Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

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