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Kommentar : Kämpfen

Wird er den Finanzplatz Frankfurt stärken? Reto Francioni Bild: dpa/dpaweb

Die Deutsche Börse und Euronext verhandeln um eine mögliche Fusion. Für den Finanzplatz Frankfurt stellt sich die Frage: Was ist wichtiger, der Standort der Hauptverwaltung oder der juristische Sitz?

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          Als Rolf Breuer, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, vor zwei Jahren öffentlich zu äußern wagte, man solle nicht meinen, bei grenzüberschreitenden Fusionen zwischen deutschen und ausländischen Unternehmen werde in Zukunft Deutschland oft Sitz der neuen Gesellschaft werden, bezog er dafür in den Medien erheblich Prügel. Jetzt scheint so ein Fall vor der Tür zu stehen.

          Noch ist alles etwas wage, was die mögliche Fusion zwischen der Deutschen Börse und der Fünfländerbörse Euronext in Paris betrifft. Zu oft schon sind in Frankfurt Börsenfusionen geplant worden, als daß man jeden Versuch in diese Richtung schon für so gut wie gelungen halten würde.

          Gleichwohl scheinen die Gespräche sehr ernsthaft betrieben zu werden, nicht zuletzt wohl auf Druck der Aktionäre beider Börsen, bei denen es sich teilweise um dieselben Hedge-Fonds handelt. Sie scheinen sich für die Kursentwicklung ihrer Aktien von einem Zusammengehen dieser beiden Börsen mehr zu versprechen als seinerzeit von einer Fusion Frankfurt-London. Und es klingt so, als ob die Deutsche Börse den juristischen Sitz des neuen Unternehmens ebenso in die Verhandlungsmasse einbringen will wie den Namen „Deutsche Börse“, nicht aber den Standort der Hauptverwaltung.

          Standortfrage

          Für den Finanzplatz Frankfurt stellt sich die Frage: Was ist bei dieser Fusion wichtig, damit die positiven Auswirkungen, die der Sitz der Börse am Main von altersher gehabt hat, erhalten bleiben, ja vielleicht sogar verstärkt werden? Oder, knapper: Was ist wichtiger, der Standort der Hauptverwaltung oder der juristische Sitz? Man kann sich der Antwort nur annähern. Wenn sich Wirtschaftsgeographen ganz grundsätzlich mit der Frage der räumlichen Ansiedlung von Unternehmen befassen, stellen sie immer die Bedeutung der Nähe der Entscheider heraus.

          Die Verantwortlichen in einem Unternehmen investierten eher in der Nähe der Zentrale als in der Peripherie. Und wo eine Zentrale sei, da siedelten sich tendenziell auch eher andere Unternehmen an. Das würde dafür sprechen, daß der Standort der Zentrale, der nach den Plänen der Deutschen Börse Frankfurt sein soll, wichtiger ist als der juristische Sitz.

          Allerdings kommt bei einer Börse, bei der das regulatorische Umfeld eine wichtige Rolle spielt, ein andere Faktor hinzu. Der juristische Sitz wäre dann von hoher Bedeutung, wenn er entscheidet, nach den Spielregeln welchen Landes künftig an der dann möglicherweise wichtigsten Börse Europas gehandelt wird. Da könnten Weichen gestellt werden. In diesem Sinne wäre es für den Finanzplatz nicht gut, wenn die Deutsche Börse den Sitz vorschnell preisgibt - statt zu kämpfen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

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