https://www.faz.net/-gzg-9e42s

Hessens IG-Metall-Chef : „Motiv des Handelns von PSA bei Opel erschließt sich mir nicht“

Unzufrieden mit der Opel-Mutter PSAl: Hessens IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger Bild: Wolfgang Eilmes

Bei Opel sorgt der Plan für die Auslagerung von Teilen des Entwicklungszentrums für Wirbel. Hessens IG-Metall-Chef fordert im Interview nicht nur offene und faire Verhandlungen über die Zukunft des Autobauers.

          Am Mittwoch hat das Management von Opel den Arbeitnehmervertretern ein Gespräch über eine mögliche Auslagerung von Teilen des Entwicklungszentrums an einen Dienstleister angeboten. Danach sagten Sie, die Opel-Mutter PSA habe noch große Probleme mit der deutschen Mitbestimmung. Was stört Sie?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Motiv für das Handeln von PSA und Opel in den vergangenen Monaten erschließt sich mir nicht. Aber ich habe die Hoffnung, dass wir nach der Ankündigung des Vorstandschefs Herrn Tavarez von vorgestern einen neuen Weg finden und in Zukunft fair, offen und transparent über die Gestaltung der Zukunft von Opel verhandeln und entscheiden können. So sehen es die Mitbestimmungsregeln ja auch vor. Als PSA im vergangenen Jahr Opel übernommen hat, wusste PSA durchaus, welche Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter es in Deutschland gibt und dass bei Opel selbstbewusste Betriebsräte und eine starke IG Metall vorhanden sind.

          Wie stellt sich die IG Metall zu einer möglichen Auslagerung von Teilen des Entwicklungszentrum?

          Wir werden das Konzept, das PSA und Opel am Mittwoch angekündigt haben, sehr kritisch prüfen. Ziel ist die umfassende Beantwortung der Fragen, die die Beschäftigten und die Betriebsräte haben, um danach in die Verhandlungen eintreten zu können.

          Welche Bedingungen stellen Sie mit Blick darauf?

          Wir fordern vor allem Sicherheit: Sicherheit der Arbeitsplätze im Entwicklungszentrum, auch derer, die möglicherweise an einen strategischen Partner gehen. Wir haben im Zukunftstarifvertrag einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Sommer 2023 vereinbart, das muss auch für eine mögliche neue Gesellschaft gelten. Wir haben dort weiterhin die Entgelte und Arbeitszeiten für die Opel-Beschäftigten vereinbart, auch diese Regelungen müssen übernommen werden. Und schließlich wollen wir Sicherheit dafür, dass Opel auch nach einem möglichen Teil-Verkauf des Entwicklungszentrums eine eigenständige Marke mit eigenständiger Entwicklung bleibt.

          Worauf kommt es den Arbeitnehmervertretern besonders an?

          Neben dem, was ich eben bereits aufgezählt habe, sollte endlich Ruhe bei Opel einkehren, damit die Beschäftigten das tun können, was sie wollen, nämlich Autos entwickeln, bauen und verkaufen.

          Seit der Übernahme hat es immer wieder Ärger zwischen Management und Betriebsräten gegeben. Zum Halbjahr hat Opel aber auch einen als überraschend hoch eingestuften Gewinn gemacht. Kann eine Auslagerung nicht auch Chancen bieten, wenn die Opel-Entwickler nicht nur für Auto, sondern auch für Bahn und Energie arbeiten sollten?

          Ja, das hört sich auf den ersten Blick gut an, aber wir müssen das genau prüfen. Es ist ja nicht so, dass man dort nicht auf Konkurrenten stoßen würde, die bisher diese Entwicklungsarbeiten geleistet haben. Von daher bitte ich Sie hier um Geduld, die Frage nach Chancen und Risiken können wir erst nach einer eingehenden Prüfung wirklich beantworten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel-1-Legende : Niki Lauda ist tot

          Niki Lauda ist gestorben: Der Österreicher wurde 70 Jahre alt. Nicht nur als Rennfahrer in der Formel 1 feierte er Erfolge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.