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Rapsanbau auf dem Rückzug : Klimawandel auf dem Acker

Augenschmaus: Der gelbe Raps bestimmt vielerorts - so wie hier in der Wetterau - das Landschaftsbild weniger als noch vor wenigen Jahren Bild: Wolfgang Eilmes

Raps verliert in Rhein-Main und andernorts in Hessen an Bedeutung. Diese Talfahrt ist aus mehreren Gründen unerfreulich. Und zwar nicht nur, weil Raps gut Soja aus dem ehemaligen Regenwald ersetzen kann.

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          Raps verliert in Rhein-Main und andernorts in Hessen an Bedeutung. Diesen Schluss lässt nicht nur der flüchtige Blick über die Kulturlandschaft zu. Die Zahlen zu Anbauflächen und Erträgen sind eindeutig. Diese Talfahrt ist aus mehreren Gründen unerfreulich. Dabei spielt der Klimawandel ebenso eine Rolle wie eine gesunde Fruchtfolge auf den Äckern und der Soja-Anbau mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Südamerika, die Raps in der Viehhaltung vielfach ersetzen können.

          Bis ins vergangene Jahr hinein gehörte Raps zu den wichtigsten Pflanzen auf den Äckern in Hessen. Nur der Weizen als mit Abstand wichtigste Anbaukultur in der heimischen Landwirtschaft und Gerste wuchsen auf mehr Hektar als die Ölsaat mit den gelben Blüten. Vor drei Jahren wuchs diese Ölsaat noch auf 61 000 Hektar, in diesem Jahr belegt sie jedoch nur 36 300 Hektar. Die Trockenheit im August ließ es Bauern vielerorts sinnlos erscheinen, Raps auszubringen. Im Zweifel vertrocknete die Saat im Staub.

          Ackerbohnen von geringer Bedeutung

          Die Erträge gehen ebenfalls deutlich zurück. Im Vergleich zu dem sehr guten Rapsjahr 2014 ernteten Landwirte in Rhein-Main zuletzt im Mittel ein Drittel weniger. 2019 könnte es wegen der mit viel Sonne gepaarten Trockenheit im April noch schlimmer kommen, sofern es nicht rasch viel regnet und es bis zur Ernte weitere ergiebige Regenfälle gibt, wie es beim Lobbyverband Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen heißt. Der Klimawandel schlage auf den Äckern durch, gekennzeichnet durch eine Reihe auffallend warmer Jahre.

          Der Rückgang des Rapsanbaus erschwert eine vernünftige Fruchtfolge. Der wechselnde Anbau von Blatt- und Halmfrüchten hemmt die Ausbreitung schädlicher Pilze und unerwünschter Insekten. Bauern können zu Zuckerrüben oder Mais als Blattfrüchte greifen. Die süßen Rüben bedingen jedoch eine Zuckerfabrik als Abnehmer – nur sinkt die Zahl dieser Betriebe. Überdies steht der Zuckerpreis unter Druck. Wer Mais anbaut, braucht eine Biogasanlage in der Nähe oder Rinder als Nutzer. Und Ackerbohnen sowie Erbsen spielen als weitere Optionen bisher nur eine untergeordnete Rolle.

          Raps „fast alternativlos“

          Raps gilt daher als Blattfrucht vielfach als erste Wahl. Sogar „fast alternativlos“ ist er aus Sicht des Lobbyverbands. Er kann zu Speiseöl und Biodiesel verarbeitet werden. Rapsschrot gilt als gutes Eiweißfutter für Rinder, Schweine und auch Geflügel. Raps ist billiger als Soja aus dem ehemaligen Regenwald und zudem in der Regel gentechnisch nicht verändert. Viele Milchprodukte tragen das Gütesiegel „Ohne Gentechnik“, weil die Kühe Rapsschrot statt Soja gefressen haben. Da sehen die gelben Felder gleich noch hübscher aus.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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