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Klaus Vornhusen : Diplomat der Schiene

Hessen-Chef der Deutschen Bahn: Klaus Vornhusen Bild: Wonge Bergmann

Die Deutsche Bahn sitzt in Berlin, aber einen Chef für Hessen hat sie auch. Seit fünf Jahren ist Klaus Vornhusen Konzernbevollmächtigter für das Bundesland – mit diplomatischem Geschick und Geduld.

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          Nein, eine Modelleisenbahn hatte er nicht in Kindertagen. Er fährt auch jetzt nicht immer nur mit dem Zug hierhin und dorthin. Ein Eisenbahner vom alten Schlag ist Klaus Vornhusen nicht, weder Ingenieur noch Beamter, eine Kombination, die die Bahn über Generationen prägte. Vornhusen, 48 Jahre alt, Diplom-Kaufmann, hat spät zur Eisenbahn gefunden, vor zehn Jahren, als er aus dem Stand Leiter der Konzernstrategie wurde, nach Stationen bei Infratest und Siemens. Und doch: Die Eisenbahn hat ihn gepackt, wie sie noch jeden gepackt hat. Als Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtiger der Deutschen Bahn AG für Hessen und die Region Mitte, im Anzug und mit Krawatte auf dem Bahnsteig des Frankfurter Hauptbahnhofs steht, strahlt er wie ein Junge neben dem mächtigen ICE, der gerade abfährt nach Wien, „pünktlich mit dem Zeigersprung“, wie er zufrieden verkündet.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Zeigersprung, das ist schon mitten in der Welt der Eisenbahn, denn nur bei ihren Uhren hält der Sekundenzeiger auf der Zwölf kurz inne. Vornhusen ist eben doch Eisenbahner durch und durch geworden, er schwärmt selbst vom Blick aus seinem Büro, von den Adlerwerken sieht er das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs und so auch, „wie bunt die Bahn geworden ist“, nicht nur die DB-Züge rauschen vorbei, auch die der Konkurrenz, selbst der TGV auf dem Weg nach Paris.

          Deutsche Bahn braucht Kaufleute

          So fügt es sich dann doch. Die Deutsche Bahn braucht immer noch Ingenieure, das haben die Pannen der vergangenen Jahre vorgeführt, aber eben auch Kaufleute wie Vornhusen, weil sie anders als früher im Wettbewerb steht. Und sie braucht sie nicht nur in der Zentrale. Seit fünf Jahren ist Vornhusen Vertreter des Konzernvorstands in Frankfurt.

          Es ist ein Amt mit einer großen Tradition. Das Bundesrepublik war einst in Bundesbahndirektionen aufgeteilt mit einem mächtigen Präsidenten an der Spitze; die Bundesbahndirektion Frankfurt war eine beeindruckende Behörde an der Friedrich-Ebert-Anlage. Doch seit 1994 sind die Direktionen Geschichte, 2007 wurde das Gebäude abgerissen.

          Gerangel um stets zu knappe Mittel

          Der Nachfolger der Präsidenten leitet keine Behörde mehr. Vornhusen hat nur vier Mitarbeiter. Denn die Deutsche Bahn ist anders strukturiert als die Deutsche Bundesbahn – vertikal statt regional. Nebeneinander stehen die Säulen für den Fern- und den Regionalverkehr, den Güterverkehr, das Gleisnetz und die Bahnhöfe. So ist es eine der Aufgaben des Konzernbevollmächtigten, dieses Nebeneinander zu einem sinnvollen Miteinander zu machen. Vornhusen nennt ein Beispiel: Die Eisenbahnstrecke nach Pfungstadt soll reaktiviert werden, so dass dort wieder Personenzüge rollen. Dafür ist die eine Tochtergesellschaft zuständig. Eine andere plant ein Elektronisches Stellwerk an der Bergstraße. Dort werden aber künftig die Weichen auf der Strecke nach Pfungstadt gestellt. Da achtet der Konzernbevollmächtigte darauf, dass beides gleichzeitig fertig wird.

          Eine andere Aufgabe liegt darin, die Interessen des Staatskonzerns gegenüber den Kunden zu vertreten. Vornhusen meint damit nicht den gemeinen Fahrgast, sondern die Gebietskörperschaften, die die DB beauftragen und dafür zahlen. Aus eigenem Antrieb betreibt der Konzern nur den Fernverkehr. Im Ballungsraum gibt der RMV vor, welche Züge fahren, weiter draußen das Land. Sodann ist Vornhusen auch Interessenvertreter innerhalb des Konzerns für Hessen. Denn natürlich gibt es ein Gerangel um die stets zu knappen Mittel.

          Für die Eisenbahn zu bauen ist hochkompliziert

          So kommt einiges zusammen. Im Moment hat der Manager viel mit der Neubaustrecke nach Mannheim zu tun. Es gelingt Vornhusen, darüber zu reden, ohne dass ihm irgendeine Ungeduld anzumerken ist, ohne dass er die Contenance verliert angesichts des endlosen Streits. Aber für die Eisenbahn zu bauen ist ohnedies hochkompliziert, weil so viele mitreden – erst über das Bauvorhaben an sich, dann über seine Finanzierung. Mehr noch als bei seinen anderen Aufgaben sind Vornhusens diplomatisches Geschick und Geduld gefragt. Er kann sogar darüber reden, dass der Bau eines Bahnübergangs schon einmal zehn Jahre dauert, ohne die Freundlichkeit zu verlieren. Das ist nicht jedem gegeben.

          Man könnte sagen, Vornhusen sitzt immer zwischen allen Stühlen, im Konzern wie in der Politik. Es lässt sich aber auch umgekehrt formulieren: Vornhusen ist immer mittendrin. Er sieht es eher so. Lakonisch fügt er hinzu, bei Großvorhaben komme es darauf an, die Planung sauber von einer Generation an die nächste weiterzureichen. So spricht einer, der sich an lange Zeiträume gewöhnt hat.

          Der Manager ist direkt dem Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube zugeordnet, „ich habe dieselbe Themenvielfalt wie Herr Grube“, sagt er, „nur auf Hessen beschränkt“. Mit seiner Familie lebt er in Bad Homburg, er drängt sich nicht in die Öffentlichkeit, ist aber mit seinen sachlichen Beiträgen vertreten, wo er gebraucht wird. „Man muss das Bohren dicker Bretter akzeptieren“, sagt er. Und wirkt nicht so, als ob er darunter leidet.

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