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Kinderspiel des Jahres 2017 : Eiskalt durch die Pinguin-Schule

Ausgezeichnet: Wer gut Schnippen kann, der hat bei dem Kinderspiel des Jahres gute Chancen auf den Sieg. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Spieleverlag Amigo in Dietzenbach hat mit „Icecool“ das Kinderspiel des Jahres 2017 entwickelt. Der Weg von der Idee zum fertigen Produkt ist in der Branche weit.

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          Wer gut mit den Fingern schnippen kann, der hat einen klaren Vorteil. Schließlich gilt es, kleine Pinguinfiguren, die sich wie Stehaufmännchen von selbst immer wieder aufrichten, durch fünf eisblau kolorierte Schulräume zu befördern und beim Schnippen die kleinen Öffnungen in den Wänden zu treffen. „Icecool“ heißt das Spiel; der Name spielt auf die Lebensumstände echter Pinguine an. Wer das Wort laut ausspricht, bemerkt, dass man es auch als „Ice School“ verstehen kann. Rutscht der geschnippte Pinguin in den nächsten Raum, bekommt der jeweilige Spieler einen Fisch und eine Fischkarte mit Siegpunkten als Belohnung. Ein Pinguin stellt den Hausmeister dar, der die herumlaufenden Schüler fangen will. Trifft der Spieler, der den Hausmeister-Part übernommen hat, beim Schnippen einen der anderen Pinguine, so muss dieser seinen Schülerausweis abgeben; er bleibt aber im Spiel.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Kinderspiel des Jahres 2017: Mit diesem Titel darf sich „Icecool“ schmücken. Den begehrten Titel vergab die mit Spiel-Experten besetzte Jury vor wenigen Tagen. Darüber freuen kann sich der Spieleverlag namens Amigo Spiel und Freizeit GmbH in Dietzenbach, der „Icecool“ herausbrachte. Man habe gleich den Eindruck gehabt, „dass dieses Spiel etwas Besonderes ist“, sagte Uwe Mölter von der Amigo-Spieleredaktion, der dort für „Icecool“ zuständig ist. Diese Art von Spiel mit 3D-Effekt samt Schnippen und Fangen habe es vorher so noch nicht gegeben. Vier Autoren aus Lettland hatten die Idee. Über den lettischen Brettspiel-Verlag Brain Games, der mit Amigo zusammenarbeitet, kam die Verbindung zustande.

          Ein Entscheidungsgremium hat das letzte Wort

          1980 wurde Amigo gegründet, seit 1996 ist das Unternehmen in Dietzenbach zu Hause. Mit den Vertriebsrechten für das Kartenspiel „Uno“ wurde der Verlag bekannt. Spiele für Kinder von vier Jahren an, klassische Familienspiele für Spieler von acht Jahren an, dazu Karten- und Würfelspiele gehören zu den Stärken des Unternehmens, das knapp 60 Mitarbeiter hat und auf einen Jahresumsatz von etwa 30 Millionen Euro kommt. „Halli Galli“, „Elfenland“, „Heimlich & Co.“ und „Hugo, das Schlossgespenst“: Sie alle stammen von Amigo. „Heimlich & Co.“ wurde 1986, „Café International“ 1989 und „Elfenland“ 1998 als Spiel des Jahres ausgezeichnet. Fast 2000 Artikel hat das Unternehmen im Programm, davon 150 bis 200 eigene Spiele. Jährlich kommen etwa 20 Neuheiten heraus.

          Um die 1000 Spielvorschläge gehen jährlich in Dietzenbach ein. Am Anfang stehe eine Anleitung, erklärt Bernd Keller, der Leiter der Spieleredaktion. Wenn ein Spiel in Frage komme, fordere man einen Prototyp zum Testen an. Die allermeisten Vorschläge lehne man jedoch ab. Manchmal gebe es schon ähnliche Produkte auf dem Markt. Manche Idee passe auch gerade nicht ins Programm. Alles, was jetzt eintreffe, habe erst ab 2019 eine Chance, veröffentlicht zu werden, sagt Keller. Wenn das Spiel die Tester fessele und eine Idee bei ihnen ankomme, „ist das schon einmal ein gutes Zeichen“. Ein Entscheidungsgremium hat das letzte Wort; dort probieren auch die Chefs jedes Spiel aus, bevor es ins Programm aufgenommen wird.

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          Eine Handvoll Autoren könne davon leben, neue Spiele zu erfinden, so Keller. Andere blieben in ihrem regulären Job und dächten sich nebenbei welche aus. Die größte Gruppe bildeten Menschen, die alle paar Jahre die Idee zu einem neuen Spiel hätten. Die fünf Mitglieder der Amigo-Redaktion spielten nicht nur beruflich, sondern auch viel in ihrer Freizeit, verrät Keller, der seit fast 20 Jahren bei Amigo tätig ist. Er hatte früher einen Taxibetrieb in Frankfurt. In der Redaktion gibt es aber auch einen Theologen, einen Tierarzt und einen Bauingenieur. Mölter ist 64 Jahre alt und seit 25 Jahren bei Amigo. Er studierte Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Spiel, war Radiojournalist und hatte ein Spielegeschäft: „Der rote Faden meines Lebens ist das Spiel.“

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