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Frankfurter Start-up : Die Hafermilch vom Eintracht-Torhüter

Gründer: Der Frankfurter Schlüsselspieler Kevin Trapp Bild: picture alliance / Laci Perenyi

Das Start-up Mølk will mit seinen Hafergetränken auch Kuhmilchfans überzeugen. Zu den fünf Gründern gehört Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt.

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          Wer auf pflanzliche Milchalternativen umsteigen möchte, hat es eigentlich leicht: etwas Hafer einweichen, mit Wasser und einer Prise Salz mixen, das Ergebnis durch ein Tuch filtern – fertig ist das milchähnliche Hafergetränk. Der Geschmack wird eingefleischte Kuhmilchtrinker jedoch selten überzeugen.

          Sara Wagener
          Volontärin

          Das Frankfurter Start-up Mølk will genau diese Skeptiker gewinnen, mit Hafergetränken, die den Kaffeegeschmack nicht stören und sich wie Kuhmilch für Cappuccino und Latte Art aufschäumen lassen. Das Unternehmen verkauft zwei Sorten von Haferdrinks, die Variante „Barista“, die sich zum Milchaufschäumen für Latte macchiato oder Cappuccino eignet, und eine „Pure“. Der Verkauf läuft über Supermärkte, die eigene Website, den Lieferdienst Gorillas und ein Gastronomieportal. Wie hoch der Umsatz ist, möchte das Unternehmen nicht mitteilen, derzeit würden aber Investoren gesucht.

          Zu wenig Hafermilch während der Pandemie

          Die Idee zu Mølk wurde aus der Not heraus geboren, wie Managerin Melis Schäfer erklärt. Zwei Mitglieder des Gründerteams, Luel Mulugeta und Guy Leon Lamaye, betreiben eine Restaurant- und Cafékette in Frankfurt und hatten während des ersten Pandemiejahres Schwierigkeiten, genug Hafermilch für ihre Geschäfte zu bekommen. Im Freundeskreis fanden sich dann drei Mitstreiter, die sich mit Produktentwicklung und Design auskennen – und Kaffee mögen. Seitdem sind sechs weitere Mitarbeiter dazugestoßen.

          Hafermilch-Fan: Mølk-Mitgründer und Eintracht-Star Kevin Trapp bringt seine eigene Marke heraus.
          Hafermilch-Fan: Mølk-Mitgründer und Eintracht-Star Kevin Trapp bringt seine eigene Marke heraus. : Bild: Moelk

          Einer dieser Mitstreiter aus dem Freundeskreis ist Kevin Trapp, Torwart von Eintracht Frankfurt. Über ihn kommen nun Kontakte zu Influencern und Werbepartnern zustande, außerdem haben Ernährungsexperten der Eintracht mit auf die Zutaten der „Pure“ geschaut. Schäfer betont, dass Trapp wie alle anderen Gründer und Mitarbeiter im Unternehmen mitarbeite.

          Das Team hat sich nach eigener Aussage für Hafergetränke – die im Handel nicht „Milch“ heißen dürfen – entschieden, weil sie diese schlicht lieber mögen als andere pflanzliche Milchalternativen. Hafer ist zudem robust, braucht weniger Energie und Wasser als Soja, Mandeln oder Reis und wächst in Europa gut. Im Moment kommt der Hafer für Mølk hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich, er wird nach der Ernte in der Nähe von München und in Dänemark zum Getränk verarbeitet. In Zukunft sollen Anbau und Produktion ganz nach Dänemark ziehen. Damit würden die Wege verkürzt, die Treibhausgas-Bilanz verbessert und die Transportkosten gesenkt.

          Wettbewerbsvorteil: deutsches Startup

          Wie andere pflanzliche Milchsorten ist auch Mølk teurer als Kuhmilch, im Webshop kosten die Getränke je Liter zwischen 1,89 Euro und 2,19 Euro. Dabei könnte jeder in der eigenen Küche ein Hafergetränk für wenige Cent selbst herstellen. Schäfer erklärt die Preishöhe mit dem Anspruch, einen angenehmen Geschmack zu erzielen, guten „Barista“-Schaum zu erzeugen und in der „Pure“ wenige gesunde Zutaten zu verarbeiten. Mølk solle Kuhmilchtrinker überzeugen, dafür sei eben ein ausgefeiltes Rezept und viel Entwicklungsaufwand nötig.

          Für die Zukunft wolle das Unternehmen dem Hafer treu bleiben, Soja- oder Mandelgetränke seien nicht abzusehen. Auf Lebensmittel sei das Start-up aber nicht festgelegt. So sei ein Einstieg in die Modewelt vorstellbar. Insgesamt solle mit Mølk ein „Universum“ geschaffen werden, in dem die Kundschaft nicht nur ein Produkt, sondern das Lebensgefühl kauft. Dafür könnte das Design der Milchkartons auf Merchandiseartikel übertragen werden. Im Sommer gab es mit einem Pop-up-Laden an der Goethestraße in Frankfurt einen Einblick in dieses „Lebensgefühl“.

          Mit ihrer Hafermilch wird sich das Start-up besonders gegen die großen Konkurrenten Oatly und Alpro durchsetzen müssen – Marktführer Oatly kam 2021 auf einen Umsatz von 643 Millionen US-Dollar, unter anderem durch eine Kooperation mit der Kaffeehauskette Starbucks. Die Mølk-Gründer meinen jedoch, dass sie beim Werben um deutsche Kundschaft im Vorteil seien: Schließlich sind sie, im Gegensatz zu anderen Herstellern, ein eigenständiges Start-up aus Deutschland.

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