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On-Demand-Verkehr : SIGGI holt die Kunden ab

  • -Aktualisiert am

„On Demand“: Der RMV wirbt mit einem neuen Beförderungskonzept um Kunden. Bild: Lando Hass

Künftig holt SIGGI die Nahverkehrskunden in Kelsterbach vor dem Haus ab. Das On-Demand-Angebot soll bald auf den Kreis ausgeweitet werden. Eine gute Resonanz ist wichtig, denn die Finanzierung erweist sich für die Kommunen als schwierig.

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          Sind Verbindungen von Tür zu Tür der Nahverkehr der Zukunft? Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat in seinem Gebiet mehrere Modellversuche begonnen, um genau das auszuprobieren. Damit soll die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden und dem Individualverkehr sehr nahe kommen.

          Wer von A nach B möchte, fordert über den sogenannten On-Demand-Verkehr (auf Anforderung) über eine App ein Fahrzeug an. Der Kunde soll maximal 15 Minuten warten müssen, bis er, womöglich alleine, oder aber auch mit anderen, die den gleichen Weg haben, seine Fahrt antreten kann. Die virtuellen Haltestellen sind so angelegt, dass die Busse immer in unmittelbarer Nähe der eigenen Haustür halten.

          Finanzierungsprobleme und gute Resonanz

          Doch über den Modellversuchen, die irgendwann in den Normalverkehr übergehen sollen, schwebt das Damoklesschwert der Finanzierung. Deshalb gab es beim ersten Modellversuch im Kreis Groß-Gerau, der nun in Kelsterbach begonnen hat, von Landrat Thomas Will (SPD) die Forderung an Land und Bund, neue Angebote künftig im Sinn der Verkehrswende besser zu fördern und auch den On-Demand-Verkehr finanziell abzusichern, denn die Kommunen seien an ihren Grenzen angelangt. Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) hofft auf eine gute Resonanz während des Modellversuchs. Die kleinen Elektrobusse seien deutlich umweltfreundlicher als die großen Busse, die oft mit nur wenigen Passagieren an Bord in der Stadt unterwegs seien.

          Zweifel, dass das neue Angebot von der Bevölkerung angenommen wird, gibt es kaum. Denn in den sieben Modellversuchen des RMV wurden bisher mehr als 270.000 Fahrgäste registriert. Bei der Nutzerbewertung habe das Angebot 4,9 von fünf möglichen Punkten erreicht, heißt es vom RMV. Für den RMV soll das Fahren auf Bestellung dauerhaft ein drittes Standbein werden. Bisher hat der Verkehrsverbund mit seinen Modellversuchen das größte On-Demand-Netzwerk Deutschlands geschaffen.

          Wenn der Versuch in Kelsterbach ein Erfolg wird, soll es nach den Worten von Landrat Thomas Will in allen Kommunen des Kreises derartige Angebote geben. Um die Verkehrswende zu schaffen, müsse die Infrastruktur stimmen, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs müsse barrierefrei sein und die Vernetzung zwischen den Nahverkehrsangeboten müsse besser funktionieren. Dazu gehörten auch einheitliche Fahrkarten, mit denen man quer durch die Republik reisen könne, ohne überall dort, wo ein anderer Verkehrsverbund zuständig sei, neue Fahrkarten zu anderen Tarifen kaufen zu müssen.

          Teurer als Busfahren, aber billiger als das Taxi

          In Kelsterbach gehen vier Elektrofahrzeuge an den Start, eines davon wird noch behindertengerecht umgebaut. Sie nennen sich SIGGI-Liner und bilden damit die Buchstaben auf den KfZ-Kennzeichen ab. Wer das Angebot nutzen will, muss sich zunächst eine speziell von der Deutsche-Bahn-Tochter „ioki“ entwickelte App auf sein Mobiltelefon laden, was die Nutzung des On-Demand-Shuttles für ältere Menschen, die sich damit nicht so gut auskennen, schwierig macht. Über diese App werden die Fahrzeuge geordert. Ein Algorithmus ermittelt, ob auf der angeforderten Strecke weitere Fahrtwünsche mit gleichem Ziel angemeldet wurden, so dass es auch zu Fahrgemeinschaften kommen kann.

          Bezahlt wird ebenfalls über die App, wobei Inhaber einer RMV-Fahrkarte für Kelsterbach einen Euro pro Fahrt bezahlen. Wer keine RMV-Karte, zum Beispiel eine Wochen- oder Monatskarte für Busse oder Bahn hat, muss 3,35 Euro pro Fahrt zahlen. Das ist zwar teurer als die Fahrt mit dem regulären Bus, aber deutlich preiswerter als ein Taxi.

          „SIGGI“ fährt vom 4. Oktober an sonntags bis donnerstags von 9 Uhr bis 24 Uhr sowie freitags, samstags und vor Feiertagen von 9 Uhr bis 2 Uhr in der Nacht. Betrieben werden die Kleinbusse im Auftrag der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft (LNG) des Kreises Groß-Gerau, die, eine entsprechende Finanzierung und eine entsprechende Nachfrage vorausgesetzt, das Angebot nach und nach auf den gesamten Landkreis ausweiten will, wie Geschäftsführer Christian Sommer sagte.

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