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Live Entertainment Award : Kein Ende der Krise für die Veranstaltungsbranche

Die Sängerin Leony trat bei den Live Entertainment Awards (LEA) auf. Bild: Maximilian von Lachner

Bei der Preisverleihung in Frankfurt feiern sich Konzertagenturen, Manager und Spielstättenbetreiber. Dabei ist die Stimmung hinter den Bühnen schlecht – und die Branche verteilt Seitenhiebe an die Politik.

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          Das hat es in Frankfurt lange nicht mehr gegeben: Stars und Sternchen posieren auf dem roten Teppich. Je bekannter der Name, desto schneller klicken die Kameras der Fotografen. Ein Assistent drapiert das Haar der Tänzerin Motsi Mabuse über ihr pinkfarbenes Kleid. Sängerin Yvonne Catterfeld strahlt in die Kameras, beide Hände in die Hüfte gestützt. Für einen Moment lang scheint alles wieder so zu sein wie vor der Pandemie. Nichts erinnert mehr daran, dass vor einem Jahr unter der Kuppel der Festhalle die Frankfurter gegen das Coronavirus geimpft wurden. Trotzdem wollte hier am Mittwochabend keine Feierstimmung aufkommen. Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause wurden wieder die Life Entertainment Awards (LEA) verliehen. Seit 2006 werden mit dem Preis herausragende Leistungen in der Veranstaltungsbranche gewürdigt. Anstelle der Stars auf der Bühne stehen einen Abend lang Konzertagenturen, Manager und Spielstättenbetreiber im Fokus. Der LEA wird vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungsbranche und mehreren Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft initiiert. In der Jury sitzen Musikjournalisten und Branchenvertreter.

          Anna Schiller
          Volontärin.

          Bei Roland Kaiser wird das Blitzlichtgewitter besonders laut. Der Schlagersänger holt derzeit eine aufgrund der Pandemie verschobene Tournee nach. „Es fühlt sich grandios an, wieder auf der Bühne zu stehen“, sagt er. Am Mittwoch gewann er den LEA für die beste Tournee während der Pandemiejahre 2020 und 2021. Bis zu 5000 Zuschauer feierten auf einigen seiner Konzerte mit Hygienekonzept – das „machte Hoffnung“ in der Pandemie, begründete die Jury ihre Entscheidung. Das „vorpandemische Niveau“ werde die Branche aber nicht vor 2024 erreichen, sagt Kaiser. Den Preis in Form einer stilisierten Konzertkarte aus massiver Bronze nimmt er stellvertretend für die Konzertagentur Semmel Concerts Entertainment entgegen, die seine Auftritte in der Pandemie organisiert hat. „Die Branche hat zwei schwere Jahre hinter sich“, sagt Kaiser. Er wünsche allen eine schnelle Rückkehr zur Normalität.

          „Didi“ Hallervorden kritisierte den Umgang der Politik mit der Kulturbranche in der Pandemie.
          „Didi“ Hallervorden kritisierte den Umgang der Politik mit der Kulturbranche in der Pandemie. : Bild: Maximilian von Lachner

          Von Aufbruchstimmung nichts zu spüren

          Davon ist die Branche jedoch weit entfernt. Es herrscht noch immer Krisenmodus. „Wir freuen uns darauf, mit unserem Team einen schönen Abend zu verbringen, aber wir haben auch Sorgen“, sagt Oliver Hoppe vor der Preisverleihung. Hoppe ist Geschäftsführer der Konzertagentur Wizard Promotions. 2017 hat er den Posten von seinem Vater übernommen. Das Frankfurter Unternehmen betreut unter anderen die Deutschlandtourneen von Iron Maiden, Kiss und den Scorpions. „Von Aufbruchstimmung kann keine Rede sein“, sagt Hoppe. Die Krise sei für die Veranstaltungsbranche nicht vorbei, auch wenn derzeit viele Konzerte nachgeholt würden. Die Unternehmen sähen sich mit stark gestiegenen Preisen konfrontiert. 20 bis 30 Prozent teurer als geplant seien die nachgeholten Veranstaltungen. Hoppe zählt auf: Das Benzin für die Lastwagen, die das Equipment transportieren, die Mietpreise für Veranstaltungsorte, die Verpflegung der Mitarbeiter, die Löhne – die Kosten seien explodiert.

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