https://www.faz.net/-gzg-repc

Kartenzahlung : Plastik statt Bares

Reinschieben und zahlen: Wenn das Kleingeld fehlt, hilft die Geldkarte Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Park- und Fahrscheine ziehen per Handy, Zigaretten kaufen mit EC-Karte - das Bargeld bekommt zunehmend Konkurrenz. Bald kommen sogenannte kontaktlose Karten auf den deutschen Markt, denen zugetraut wird, das Bargeld weiter zu verdrängen.

          2 Min.

          Der Bankautomat macht’s möglich. Längst können Verbraucher an den Geräten nicht nur Geld ziehen, sondern auch den Geldkartenchip auf ihrer EC-Karte aufladen und frisches Geld für ihr Guthabenkarten-Handy (Prepaid) ordern. Nahezu alle Mobilfunkbetreiber haben inzwischen Kooperationen mit den Banken geschlossen. Diese bieten den Service gern an, weil sie damit vor allem junge Kunden – diese telefonieren vorzugsweise ohne festen Vertrag – an sich binden. Außerdem kassieren sie dafür von den Netzbetreibern Provision.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dank neuer Vorschriften für den Zigarettenverkauf erlebt auch die totgesagte EC-Karte mit Geldkartenfunktion, kurz Geldkarte, ein Comeback. Auf dem goldfarbenen Chip ist auch das Alter des Inhabers gespeichert. Wer Zigaretten aus dem Automaten ziehen will, muss vorher die Geldkarte einschieben, um zu beweisen, dass er mindestens 18 Jahre alt ist. Viele zahlen die Zigaretten dann gleich mit.

          Kontaktlose Karten sind im Kommen

          Beim Bundesverband deutscher Banken ist man zufrieden. Rund 52 Millionen Mal haben Verbraucher im vergangenen Jahr nach vorläufigen Schätzungen mit Geldkarte bezahlt. Das sei ein „ordentlicher“ Zuwachs im zweistelligen Bereich, sagt Kartenexperte Joachim Fontaine. Den Durchschnittsbetrag beziffert der Verband mit 2,80 Euro, die Zahl der Automaten und Terminals mit 400.000.

          Freilich, außer Zigaretten, Fahr- und Parkscheinen können sich Verbraucher mit der Geldkarte, auf die maximal 200 Euro geladen werden können, nicht viel kaufen. Im Supermarkt ist das Zahlungssystem gefloppt, und das werde auch so bleiben, meint Horst Rüter vom Handels-Forschungsinstitut EHI in Köln. „Die Geldkarte im Einzelhandel ist tot.“ Zwar hat sie den Vorteil, dass sie ohne Pin funktioniert, die Karte sei aber nur dann interessant, wenn der Verbraucher damit seine Fahrkarte ebenso wie die Zeitung und das Brötchen am Kiosk bezahlen könne. Leider sei versäumt worden, solch eine „Nutzungskette“ aufzubauen, meint Rüter.

          Schon eher sind es sogenannte kontaktlose Karten, denen zugetraut wird, das Bargeld in Deutschland weiter zu verdrängen. In London haben die Bezahlkarten, bei dem ein blitzschneller Schwenk über ein Lesegerät ausreicht, bereits Erfolg. Nach Plänen der Zahlkartenunternehmen Visa und Mastercard soll das System auch in Deutschland Fuß fassen. Händler müssten Rückgeld dann nicht mehr abzählen. Schnellrestaurants, Kinos und der öffentliche Nahverkehr könnten ihre Kosten senken. In New York etwa, weiß Zahlungsfachmann Rüter, ist schon jedes Taxi mit einem Pay-Pass-Gerät – so nennt Mastercard die Technologie für kontaktloses Zahlen – ausgestattet.

          Fahrschein aufs Handy laden

          Dass das Handy den Zahlungsmarkt revolutionieren wird, halten Branchenvertreter wegen der komplizierten Handhabung und regional unterschiedlichen Systeme eher für unwahrscheinlich, auch wenn erste Pilotversuche für den Fahr- und Parkscheinkauf via Handy inzwischen in den Regelbetrieb übergehen. So weitet der Rhein-Main-Verkehrsverbund Ende Februar das Handy-Ticket, das zunächst in Frankfurt erprobt wurde, auf das gesamte Verbundgebiet aus. Fortan kann sich auch der S-Bahn-Kunde in Darmstadt, wenn er sich dafür vorher im Internet registriert hat, den Fahrschein aufs Handy herunterladen.

          In Frankfurt soll dies besonders schnell gehen. Hier werden Automaten an belebten Haltestellen nachgerüstet mit der sogenannten NFC-Technologie. Diese ermöglicht, dass der Fahrgast sein Handy an einen Plastikknopf (Con-Tag) hält und sich das Programm automatisch öffnet. Statt neun sind nur noch drei Bedienschritte nötig.

          Handy-Parken ist bisher in Frankfurt im Gegensatz zu Darmstadt und Wiesbaden nicht möglich. „Wir halten nichts von lokalen Insellösungen“, heißt es im Verkehrsdezernat. Eine Stadt wie Frankfurt mit täglich wechselnden Besuchern brauche ein „interoperatives“ Programm. Das habe bisher noch keine Firma angeboten.

          Weitere Themen

          Lambada im Erdbeerfeld

          Selbst pflücken : Lambada im Erdbeerfeld

          Nur die Schönen kommen in die Schale, aber bitte nicht zu dekorativ: Geht es gut, wenn eine ungelernte Kraft beim Pflücken mitmacht?

          Vier Festnahmen bei Corona-Demonstration

          Frankfurt : Vier Festnahmen bei Corona-Demonstration

          In Hessen wurden am Wochenende keine relevanten Verstöße gegen die Corona-Vorgaben gemeldet. Trotzdem weist die Frankfurter Polizei immer wieder auf die Einhaltung der Beschränkungen hin.

          Topmeldungen

          Ausschreitungen in Amerika : Die Polizei wird der Lage nicht Herr

          In Atlanta verletzt ein Wurfgeschoss einen Polizisten. In New York fährt ein Polizei-SUV in eine Menschenmenge. In Richmond wird ein Brand gelegt. Präsident Trump setzt auf die Armee, um „Amerika wieder großartig zu machen“.
          Das ungarische Parlament in Budapest

          Sondervollmachten sollen enden : War Ungarns Weg das richtige Modell?

          Die Sondervollmachten für Viktor Orbán haben viel Kritik hervorgerufen. Nun sollen sie enden – aber viele der von der ungarischen Regierung erlassenen Verordnungen werden in Gesetze umgewandelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.