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175 Jahre Carl Friederichs : Kutschen mit und ohne Motor

  • -Aktualisiert am

Handarbeit: Carl Friederichs ist auf Karosseriebau spezialisiert. Bild: Unternehmen

Von gepanzerten Luxuslimousinen für reiche Scheichs bis zweckmäßige Busse für Gefängnis-Verbrecher: Nischenfahrzeuge sind das Geschäft des Fahrzeugbauers Carl Friederichs - seit 175 Jahren.

          Es ist die Nische. Die hat die Carl Friederichs GmbH aus eigener Sicht immer wieder gesucht, gefunden und 175 Jahre bestehen lassen. So weit das Erfolgsrezept des Karosserie- und Fahrzeugbauers aus Frankfurt, in dem Henrik Schepler und Stephan Berger die Geschäfte leiten. Beide haben sich ebenfalls spezialisiert: Berger übernimmt alles rund um Reparatur und Lackierung von Autos, Schepler kümmert sich um Spezialkarosserien; dabei rüstet die Firma Autos je nach Bedarf um. „Alles, was nicht ab Werk kommt, bauen wir um“, sagt Schepler. Das gilt in erster Linie für Nutzfahrzeuge. Mithin: eine Nische.

          Letztlich rollen Geldtransporter, Krankenwagen, gepanzerte Limousinen, Gefängnisbusse des Landes Hessen, Kühlwagen, Feuerwehrautos, Luxus-Nightliner aus der Halle. Die Liste ließe sich noch verlängern.

          Luxuskarosserien gegen Fließband

          Gegründet hat Heinrich Ludwig Friederichs die Firma am 1. Juli 1840 in Frankfurt. Doch das erste Automobil mit Verbrennungsmotor hat Carl Benz erst 1886 gebaut. Was war also davor? Als Tiere noch für Pferdestärken standen, baute der Betrieb Kutschen, darunter pompöse für russische Fürsten oder Handelsherren mit dickem Geldpolster. Seit Erfindung des Automobils orientierte sich die Firma Friederichs, die von 1876 an der Sohn und Namensgeber Carl führte, um. Kutschen wurden mühevoll motorisiert.

          Als später Fahrzeuggestelle in Fließbandarbeit entstanden, brauchte die Firma wieder eine neue Nische. Diesmal verdient sie ihr Geld mit dem Bau von Luxuskarosserien für die Fahrzeuggestelle ab Werk. Darunter Einzelanfertigungen für Maybach, Benz und Mercedes.

          18 Millionen Euro Umsatz im Jahr

          Kunden mit Geld hat die Friederichs GmbH nach wie vor: Für das Sicherheitsbedürfnis von Königen, Scheichs und der Bundesregierung baut sie gepanzerte Limousinen. Auch die OSZE-Beobachter in der Ukraine fuhren VW-Modelle, die das Frankfurter Unternehmen umgebaut hat. Auch Wladimir Putin, Angela Merkel und die frühere Königin Beatrix haben schon Autos genutzt, an die Friederichs-Mitarbeiter Hand angelegt hatten.

          Mit 123 Mitarbeitern erwirtschaftet der Karosseriespezialist einen Umsatz von 18 Millionen Euro im Jahr. Jedoch ist die Firmenstruktur eine besondere. Alleiniger Gesellschafter ist eine Stiftung, die der letzte Chef aus der Familie Friederichs 1991 gegründet hat. An die Heinz und Gisela Friederichs Stiftung geht die Hälfte des Gewinns, die andere Hälfte verbleibt im Betrieb für Investitionen.

          So wandern jedes Jahr rund 400.000 Euro an die Stiftung, die das Geld Frankfurter Bürgern, der Nachwuchs- und Kunstförderung, zum Beispiel der Städel-Kunstsammlung oder Kunsthochschule in Offenbach widmet. Am Umsatz tragen beide Zweige, Reparatur wie Spezialumbau, zu gleichen Teilen bei. In der Werkstatt durchlaufen jede Woche ungefähr 70 bis 80 Fahrzeuge eine Reparatur. Auch wenn Stephan Berger der „liebste Kunde der private Kunde ist“, kommen die meisten Wagen mittlerweile von Leasing-Firmen.

          In Sachen Spezialbau lassen bei Friederichs Kunden aus aller Welt ihre Wagen panzern, 90 bis 95 Prozent der Aufträge kommen aus dem Ausland, schätzt Schepler; derzeit vor allem Afrika und Naher Osten. Diese Bunker auf Rädern müssen einiges aushalten. Schwer gepanzert gegen Granaten oder einen Bombeneinschlag, wiegen die Autos mit Rüstung einige Tonnen mehr. Zum Test feuert auch schon einmal das Beschussamt mit Kriegswaffen und Handgranaten auf die Karosserie. Das Beschussamt, das viele Waffen von A nach B bringen muss, hat dafür übrigens einen speziellen Waffentransporter. Auch umgebaut von der Firma Friederichs.

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