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Josef Ackermann : Verlängerung für die Reizfigur

Drei Jahre länger als gedacht Chef der Deutschen Bank: Josef Ackermann Bild: ddp

Die Deutsche Bank ist zurück in der Gewinnzone. Ihr Chef Josef Ackermann sieht sein Vertrauen ins Investmentbanking bestätigt. Gehasst und geliebt, bleibt er drei weitere Jahre Deutschlands Ober-Banker. Was er vermisst, ist Dank für den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland.

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          Josef Ackermann ist wie ausgetauscht. Vor zwei Monaten noch, als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank die Jahreszahlen des größten deutschen Kreditinstituts vorstellte, sah er um Jahre gealtert aus. Tiefe Furchen im fahlgrauen Gesicht, selten ein angedeutetes Lächeln, umrahmt von Charts und Kurven, die alle nach unten zeigten. So sah Krise aus. Gestern nun das Gegenteil: Kleine Lachfältchen im gesund gebräunten Gesicht, immer wieder ein breites Strahlen. Viele der Pfeile auf den Overhead-Projektionen hinter ihm gehen wieder nach oben.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ackermann soll bleiben. Bis 2013 hat der Aufsichtsrat am Montagabend seinen Vertrag verlängert. Anders als von ihm selbst geplant, wird Ackermann nicht zur Hauptversammlung im Mai 2010 in den Ruhestand wechseln, sondern noch weitere drei Jahre die Geschicke des Hauses leiten. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig hatte die Entscheidung mit den Worten begründet: „Herr Dr. Ackermann hat die Bank strategisch gut aufgestellt und erfolgreich durch die Krise geführt.“ Das klingt, als sei die Bankenkrise schon durchgestanden. Ackermann relativiert das zwar auf der Pressekonferenz - Banken, die viele Konsumenten- und Firmenkredite ausgegeben haben, dürften in der Rezession noch Schwierigkeiten bekommen -, aber einen Vorsteuergewinn von 1,8 Milliarden Euro kann er immerhin schon wieder präsentieren.

          „Investmentbanking ist überhaupt nicht tot“

          Ausgerechnet das vielfach totgesagte Investmentbanking hat die schnelle Wende ermöglicht. Allein die Abteilung „Sales & Trading“, die die Bank im letzten Quartal 2008 tief ins Minus gezogen hatte, erwirtschaftete in den ersten drei Monaten dieses Jahres vier Milliarden Euro. „Investmentbanking ist überhaupt nicht tot“, sagt Ackermann, denn: „Die Welt steht überhaupt nicht mehr still.“ China und andere Schwellenländer wüchsen nach wie vor, viele Unternehmen begäben Anleihen und stünden vor größeren Übernahmen, einige Banken und Staaten bereiteten größere Kapitalmaßnahmen vor. Hinzu komme, dass die Konkurrenz im internationalen Investmentbanking deutlich kleiner geworden sei, da viele der Wettbewerber entweder vom Markt verschwunden, mit Übernahmen beschäftigt oder vom Staat mitbestimmt seien. „Es bieten sich große Chancen für diejenigen, die über eine intakte Plattform verfügen“, so Ackermanns Fazit, der die Deutsche Bank in den sieben Jahren an der Spitze des Hauses zu dem gemacht hat, als das er sie nach wie vor sieht: „Eine international führende Investmentbank mit einem starken Privatkundengeschäft.“

          Als Hauptgrund für seine Entscheidung, doch noch drei Jahre länger zu bleiben als geplant, nennt Ackermann immer wieder die Bestätigung durch seine Mitarbeiter. Viele hätten ihre Wünsche geäußert, dass er bleibt. „Alle haben spontan angerufen und mir zur Entscheidung des Aufsichtsrats gratuliert“, sagt er und meint damit seine Vorstandskollegen - die ebenfalls allesamt zugesagt hätten, weiter im Team zu bleiben. Auch „prominente Politiker“ hätten bei ihm angerufen oder Kurzmitteilungen mit dem Handy geschickt. „Das hat mich sehr gefreut.“

          Ackermann weiß um seine umstrittene Stellung in der Öffentlichkeit. Zumindest auf der Pressekonferenz zeigt er sich durchaus in der Lage, all die Schelte, die er immer wieder einstecken muss, gelassen zu nehmen. Er könne unterscheiden zwischen Wahlkampfrhetorik von Politikern und dem, was die Menschen tatsächlich über ihn dächten. „Es werden sich sicher viele freuen, dass ich noch vier Jahre bleibe“, sagt er verschmitzt. „Dann haben sie jemanden, den sie angreifen können.“

          Doch auch seine Enttäuschung kann Deutschlands Ober-Banker nicht verbergen. Er würde sich schon freuen, wenn die Deutsche Bank in ihrem Heimatmarkt ähnlich viel gelobt würde für ihre Arbeit wie im internationalen Umfeld. Und wenn in der öffentlichen Debatte das Investmentbanking nicht so sehr geschmäht würde. Eine Deutsche Bank, die sich nur auf Privat- und Geschäftskunden konzentrieren würde, hätte nicht derart schnell aus der Verlustzone auf 1,8 Milliarden Euro Gewinn springen können.

          „Dank wäre schön“

          Auch seine Vorgabe von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern, die in der Debatte um die Ursachen der Finanzkrise zum Inbegriff der Gier der Banker geworden ist, verteidigt er noch mal (siehe Kasten). Im ersten Quartal hat die Bank das selbstgesteckte Ziel erreicht - dass das nur mit überhöhtem Risiko möglich sei, habe sich nach der Umstellung des Geschäftsmodells als Falschaussage erwiesen, meint Ackermann. Nur eine gute Ertragslage erlaube es der Bank, Risiken zu tragen - und Arbeitsplätze zu sichern.

          Tatsächlich hat die Deutsche Bank bislang auf einen größeren Stellenabbau in Deutschland - anders als in London und New York - verzichtet. Auf der Pressekonferenz wird bekräftigt, dass in Deutschland weiter keine betriebsbedingten Kündigungen anstünden. „Es wäre schön, wenn man mal ein Danke dafür bekäme“, findet Ackermann.

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