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„Jahrhundertprojekt“ : Zur Grundsteinlegung viel Lob für Ticona-Belegschaft

In etwa so groß wie 14 Fußballfelder ist die Fläche, auf der das neue Ticona-Werk im Industriepark Frankfurt-Höchst errichtet wird. Bild: Julia Zimmermann

Dergleichen geschieht im Deutschland dieser Tage höchst selten: Der Kunststoffhersteller Ticona zieht im Industriepark Frankfurt-Höchst ein neues Werk hoch. Zur Grundsteinlegung für das „Jahrhundertprojekt“ reiste eigens die Chefin aus Amerika an - und lobte Mitarbeiter und Standort.

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          Ein Stein ist nicht unbedingt ein Stein. Bisweilen besteht er aus Glas – so wie der Grundstein für das neue Werk des Chemieunternehmens Ticona, der im Industriepark Höchst gelegt wurde. Wenn er dereinst einmal wieder ausgegraben werden sollte, werden in dem zylindrischen Gefäß außer den Ausgaben dreier Zeitungen vom Tage auch der Bauplan und ungezählte Pellets zu finden sein – Teile aus jenem Kunststoff namens Hostaform, den die Tochtergesellschaft des amerikanischen Chemiekonzern Celanese Corporation seit 45 Jahren in Kelsterbach herstellt. Da aber das Ticona-Werk der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens im Weg ist, wird sich der Kunststoffhersteller aus Kelsterbach zurückziehen und die Produktion auf das Stammgelände der früheren Hoechst AG verlagern. Dies hatte Ticona im Juli 2007 bekannt gegeben.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Höchster Industriepark hatte sich in einem Wettbewerb gegen eine Reihe von Standorten durchgesetzt und zuletzt das ebenfalls früher zu Hoechst zählende Kalle-Albert-Gelände in Wiesbaden ausgestochen. Die Standortentscheidung hat Aktionäre von Celanese mehrfach nach dem Warum fragen lassen, wie die eigens aus Amerika angereiste Ticona-Chefin Sandra Beach Lin sagte. Nach ihren Worten haben vier Gründe den Ausschlag gegeben. Die Kelsterbacher Anlagen haben demnach maßgeblichen Anteil daran, dass es Ticona mit Hostaform zum Marktführer in der Welt gebracht hat. „Das bedeutet insbesondere auch, dass wir hier international wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen vorfinden und für uns schaffen schaffen konnten“, hob Beach Lin hervor.

          „Know-how und Arbeitsethos sichern“

          Zweitens steht der Umzug für Kontinuität in der Kundenbeziehung. Dabei überzeugt Höchst den Chemiekonzern, der am Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst beteiligt ist, „weil wir hier einen professionell betriebenen Chemiestandort vorfinden“. Und Infraserv hat, wie Beach Lin weiter sagte, ein „kluges Management-Team“. Nicht zuletzt lobte die Ticona-Chefin die Belegschaft, die sich massiv für einen Umzug nach Höchst starkgemacht hatte: „Es ist uns wichtig, das Know-how und das Arbeitsethos unserer Kelsterbacher Mitarbeiter zu erhalten.“

          Beach Lin nickte angesichts dessen zustimmend, als der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) meinte, die Mitarbeiter seien ein wesentlicher Grund für die Standortwahl gewesen. Es stelle sich die Frage, wie die Belegschaft hätte motiviert werden sollen, wenn das Unternehmen ihnen keine Perspektive im Rhein-Main-Gebiet gegeben hätte – und was dies wiederum für die Produktion in der Übergangsphase bedeutet hätte, sagte Koch weiter, der von einem guten Tag für die Region sprach. Koch erinnerte an die eigene Rolle als Moderator zwischen Celanese und der Fraport AG.

          670 Millionen Euro als Ablösesumme

          Der Flughafenbetreiber hatte sich nach monatelangen Verhandlungen bereit erklärt, für den Umzug und die damit einhergehende Beseitigung einer Hürde vor dem Bau der Landebahn 670 Millionen Euro zu zahlen. Genau diese Summe werden laut Ticona der Neubau in Höchst und der Abriss in Kelsterbach verschlingen. Wieviel davon auf das von Ticona als „Jahrhundertprojekt“ gefeierte Vorhaben in Höchst entfällt, behält das Chemieunternehmen für sich.

          Bis Mitte 2011, wenn die Landebahn in Betrieb gehen soll, will Ticona das neue Werk fertig gestellt und die Abläufe auf das übliche Niveau gebracht haben. Im neuen Werk werden 380 Mitarbeiter tätig sein, 100 weniger als bisher; jeweils 50 Stellen entfallen in der Produktion sowie in der Energieversorgung, die künftig von Infraserv übernommen wird. Schon 2010 sollen beide Fabriken parallel Kunststoffe herstellen, die von Autobauern wie Opel und Arzneimittelherstellern wie Boehringer Ingelheim, Glaxo-Smith-Kline und Novo Nordisk gleichermaßen verwendet werden.

          Der Kunststoffhersteller Ticona wird die Produktion bis 2011 von Kelsterbach nach Höchst verlagern. Zur Grundsteinlegung reiste die Chefin eigens aus Amerika an – und lobte Mitarbeiter wie Standort.

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