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IHK-Jahresempfang in Frankfurt : Zeichen von Verbundenheit

Blicken zuversichtlich ins Jahr: Georg Lackner, bis vor kurzem Manager des Nordwestzentrums, und Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Bild: Wonge Bergmann

Der neue IHK-Präsident Caspar begrüßt den Frankfurter Oberbürgermeister Feldmann auf bemerkenswerte Weise. Und der Ministerpräsident hebt beim Jahresempfang der Kammer ausdrücklich einen Offenbacher hervor.

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          Volker Bouffier ist zweifellos schon auf vielen Neujahrsempfängen gewesen. Das laufe so ab, warnt er daher die rund 1800 Gäste zu Beginn des IHK-Jahresempfangs an diesem Dienstagabend: Erst werde in Reden das vergangene Jahr detailliert aufbereitet, um dann nach einer Stunde sich dem nächsten zu widmen. Diesmal hätten die Organisatoren auf Kürze gedrängt, erzählt der hessische Ministerpräsident, sie hätten ihm daher nur zehn Minuten gegeben. „Na, schauen wir mal.“

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Helmut Fricke

          Redaktionsfotograf.

          Tatsächlich gilt der Redeteil des IHK-Empfangs nicht als der kürzeste im Vergleich der Neujahrsempfänge in der Region. Aber es gibt erstens so viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu begrüßen wie nirgendwo sonst, repräsentiert die Kammer doch nach eigener Aussage rund 50 Prozent der hessischen Wirtschaftskraft. Außer Bouffier (CDU) sind unter anderem Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen), mehrere Bundestagsabgeordnete und ein Viertel des Landtags gekommen. Unter den Unternehmenschefs ist Börse-Chef Theodor Weimer der prominenteste Vertreter, aber nicht der einzige. Auch viele Ehemalige waren zu sehen, etwa der frühere Ministerpräsident und Bilfinger-Vorstandsvorsitzende Roland Koch und die Alt-Chefs der Deutschen Bank, Hilmar Kopper und Jürgen Fitschen.

          „Nein, nicht was Sie denken“

          Zudem haben hier auch viele einiges zu sagen, neben Bouffier, der die Zeitvorgabe um gut zehn Minuten überschreitet, auch der neue IHK-Präsident Ulrich Caspar und als Hauptredner der Ökonom Michael Voigtländer. Fast hätte man auf den Beitrag von Oberbürgermeister Peter Feldmann verzichten müssen, berichtet Caspar. „Nein, nicht was Sie denken“, lächelt er anspielungsreich. Feldmann habe nur eigentlich schon nach Davos aufbrechen wollen. „Aber es hätte ja dann sein können, dass es keine Rede gegeben hätte, aber eine veröffentlicht worden wäre, das wollten wir ja auch nicht.“ Es ist für einen neuen Kammerpräsidenten eine bemerkenswerte Art, nicht nur einen Gast, sondern auch einen Oberbürgermeister damit zu begrüßen, ihn an seine Verfehlungen zu erinnern.

          Der nutzt seine knappe halbe Redestunde vor allem, um für einen Verbleib der Autoschau in Frankfurt zu werben. Auch er, versuchte er zu versichern, sei von klein auf ein Fan der Messe und von Autos gewesen. Für ihn sei es nur logisch, dass sie abermals nach Frankfurt komme. Das sei auch aus einem marktwirtschaftlichen Grund gerechtfertigt: „Die Messe ist die einzige, die ohne Staatsknete profitabel arbeitet.“ Feldmann ist ihr Aufsichtsratschef. Er wird am Freitagmorgen zu der Delegation gehören, die in Berlin beim Autoherstellerverband für den Standort Frankfurt vorsprechen.

          Ein Offenbacher für Frankfurt

          „Ihr müsst einen tollen Eindruck machen“, gibt ihnen Bouffier auf, der ebenfalls kräftig für den Messeverbleib in Frankfurt wirbt und darauf hinweist, dass die Landesregierung von Al-Wazir vertreten werde. Dass ein bekennender Offenbacher wie Al-Wazir sich für Frankfurt einsetze, sehe er als Zeichen höchster regionaler Verbundenheit.

          Auch Michael Voigtländer, Ökonom beim arbeitgebernaher Institut der deutschen Wirtschaft Köln, kommt nicht am Thema Verkehr vorbei, obwohl er eigentlich über den Wohnungsmarkt und die Gefahren durch einen „Mietstopp“ sprechen wollte. Ihn beunruhige, wenn er etwa die Plakate bei Fridays-for-Future-Demonstrationen sehe, auf denen das Ende des Kapitalismus gefordert werde. „Nutzt man marktkonforme Instrumente, lassen sich Marktwirtschaft und Umweltschutz sehr gut miteinander verbinden.“

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