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IT-Chef für die Deutsche Bank : Leukerts Liverpool

War auf der Suche nach einer neuen Herausforderung: Bernd Leukert Bild: Frank Röth

Es geht um mehr als Sicherheit und Zuverlässigkeit: Die IT der Deutschen Bank muss moderner werden. Bernd Leukert kümmert sich – und bemüht den Vergleich mit Jürgen Klopp.

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          Manager von heute geben sich gerne kundennah, oft ohne Schlips, sie sprechen von ihren Hobbys, von Fußball. Nicht immer wirkt das echt, mitunter eher wie vom Pressestab verordnet. Bernd Leukert aber nimmt man ab, wenn er vorgibt, in der Deutschen Bank sein Liverpool zu sehen.

          Inken Schönauer
          (ins.), Wirtschaft

          Liverpool? Neulich zog er die Parallele zu Jürgen Klopp. Der deutsche Fußballtrainer heuerte nach erfolgreichen Jahren in Dortmund bekanntermaßen beim englischen FC Liverpool an – einem Verein, der zwar viel Tradition, aber in den vergangenen Jahren nicht allzu viel Erfolg vorweisen konnte. Nun ist eine deutsche Bank ganz sicher nicht mit so vielen Emotionen besetzt, aber man glaubt Leukert, wenn er sagt: „Bei meinem Abschied von SAP habe ich gesagt, dass ich mein Liverpool suche.“

          Praktisch sein gesamtes Berufsleben hat Leukert bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt vor nunmehr einem Jahr in Diensten von SAP verbracht, schaffte es bis in den Vorstand. Wahrscheinlich hätte er dort auch noch weitere 25 Jahre arbeiten können. Leukert aber suchte eine neue Herausforderung. Wer eine Baustelle sucht, wo von Grund auf Dinge verändert werden müssen, der ist bei der Deutschen Bank ganz sicher nicht falsch.

          Mehr als ein IT-Verantwortlicher

          Banken haben aber aufgrund ihrer Stellung im Wirtschaftskreislauf eine besondere Funktion: Über sie laufen in Millisekunden nicht nur Millionen Transaktionen, sondern auch Millionen Zahlungen in zig verschiedenen Währungen. Versagt die IT, können Kunden sehr schnell in sehr ernste Probleme geraten. Für sie ist nicht entscheidend, wie die IT einer Bank läuft. Wichtig ist, dass sie problemlos läuft.

          Allen Kundenwünschen in allen Geschäftsfeldern gerecht zu werden, das ist die große Kunst der IT – und ein Einfallstor für Schwächen. Systeme sind oft Jahrzehnte alt und neue Applikationen häufig nur oben drauf gesetzt. Dadurch ist ein schwer durchschaubares Dickicht entstanden, das den heutigen Anforderungen oft nicht mehr genügt. Kunden gehen kaum noch in eine Filiale, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Sie besuchen ihre Bank online. Auf dem Smartphone, dem Tablet oder am heimischen PC.

          Geschäftskunden stecken ihrerseits mitten in der Digitalisierung und brauchen einen Finanzdienstleister, der sich mindestens ebenso schnell an die neue Unternehmenswelt anpasst. Bernd Leukert fühlt sich aber nicht nur als IT-Verantwortlicher. Sein Titel im Vorstand beinhaltet die Worte Digitalisierung, Daten und Innovation. „Der Begriff IT“, sagt er, „wurde in der Vergangenheit als eine dezidierte Einheit wahrgenommen, die im Hintergrund dafür sorgt, dass die Drucker funktionieren, Netzwerkkabel richtig gesteckt sind und E-Mails versendet werden können.“ Das habe sich fundamental geändert. Technologie und Daten würden dafür sorgen, dass Kunden viel gezielter angesprochen und bedient werden könnten.

          Leukert ist übrigens nicht der Erste, der sich von außen kümmern soll. Mit der Amerikanerin Kim Hammonds hatte die Deutsche Bank vor einigen Jahren schon einmal eine IT-Verantwortliche, die aus einer anderen Industrie kam, sie arbeitete für Boeing. Gebracht hat das wenig. Leukert dagegen hat während seiner SAP-Zeit mit unzähligen Branchen versucht, deren Probleme zu lösen – die Finanzindustrie war eine von ihnen. Diese Kombination macht ihn für die Deutsche Bank wertvoll. Immerhin hatte ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender das Thema IT in der Deutschen Bank auch schon mal als „lausig“ bezeichnet. „Sie ist weitaus besser, als dieses Attribut suggerierte“, sagt indes Leukert. „Unsere Systeme sind sehr sicher und verlässlich.“ Das habe man gerade in der Corona-Krise gezeigt, als auf der ganzen Welt mehr als 60.000 Mitarbeiter stabil von zu Hause aus arbeiten konnten. Doch in der technologischen Zukunft des Bankgeschäfts, das ist klar, geht es um mehr als Sicherheit und Zuverlässigkeit.

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