https://www.faz.net/-gzg-a1v6p

Interxion im Traditionsbau : Milliardeninvestition in größten Internetknoten der Welt

Ein neues Rechenzentrum im Neckermann-Areal – kein planungsrechtlich einfaches Gebiet, zum Beispiel in Sachen Denkmalschutz. Bild: Simulation Interxion

Interxion will eine Milliarde Euro in den größten Internetknoten der Welt investieren. Das niederländische Unternehmen betreibt schon 15 Rechenzentren in Frankfurt. Dort wird ein lange ungenutztes Traditionsgelände wiederbelebt.

          4 Min.

          Sein Vater, erzählt Jens Prautzsch, war einst ein Neckermann, er habe im Einkauf in der Konzernzentrale des Versandhändlers gearbeitet, der einmal der größte Europas war – und der vor acht Jahren und zwei Wochen pleiteging. Nun sorgt ausgerechnet Prautzsch junior dafür, dass es für das riesige Areal im Frankfurter Osten eine Zukunft geben wird. Denn Jens Prautzsch, der nun Deutschland-Geschäftsführer des niederländischen Unternehmens Interxion ist, plant auf dem Gelände ein riesiges neues Rechenzentrum und will dort mehr als eine Milliarde Euro investieren.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Unternehmen erwirbt dafür knapp elf Hektar der insgesamt 24 Hektar großen Neckermann-Fläche, gemunkelt wird von einem Kaufpreis von 160 Millionen Euro. Der türkische Sinpas-Konzern, der das gesamte Areal nach der Neckermann-Insolvenz übernommen hatte, soll damals 50 bis 60 Millionen gezahlt haben.

          Einen „Glücksfall für die Stadt“ nennt der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Entscheidung von Interxion. Denn das Unternehmen erwirbt nicht nur die Fläche. Der Investor will auch die denkmalgeschützten Gebäude dort erhalten, insbesondere das sogenannte Eiermann-Gebäude, die frühere Neckermann-Zentrale, und das Kesselhaus mit dem Kraftwerk. Interxion habe auch deshalb die Zustimmung der Stadt erhalten, weil es diese Gebäude nicht abreißen wolle, sagte Josef am Donnerstag.

          15 Rechenzentren allein in Frankfurt

          Seit Dezember 2012 ist die ehemalige Zentrale des früheren Versandhauses frei. Große Teile des 24 Hektar großen Geländes stehen bis heute leer, etwa die Hälfte der Fläche hatten meist kleine Unternehmen belegt, zu den größten Nutzern gehören die Logistiker DB Schenker und BLGLogistics. Zeitweise wurden zweieinhalb Etagen im denkmalgeschützten Hauptgebäude nach 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Von der großen Vergangenheit ist nur noch ein Werbebanner für Neckermann.de geblieben, die Marke gehört nun dem Otto-Konzern aus Hamburg. Dass nun gerade ein Rechenzentrumsbetreiber die Neckermann-Fläche übernimmt, ist bezeichnend. Zu den Kunden von Interxion (ausgesprochen: Interaction) gehören nicht nur Banken und Industrie-Unternehmen, sondern auch Konzerne wie Amazon, die Versandhändler des Internetzeitalters. Frankfurt ist einer der großen Internetknoten, über dessen Rechner digitale Bestellungen aus aller Welt geleitet werden. 15 Rechenzentren betreibt allein Interxion in Frankfurt, dazu kommen noch einmal ähnlich viele der Konkurrenz, etwa E-Shelter und Equinix – so viele wie an keinem anderen Standort auf dem Globus.

          Die Zukunft des Neckermann-Gebäudes als Simulation

          Das Neckermann-Areal sei „kein planungsrechtlich einfaches Gebiet“, sagte Planungsdezernent Josef. So ist eben der Denkmalschutz zu beachten – die 300 Meter lange Konzernzentrale von Neckermann war in den fünfziger Jahren von Egon Eiermann entworfen worden, die außen liegenden Treppenhäuser und Schächte machten es unverwechselbar. Das Gebäude ist zwar riesig, die Etagen sind aber vergleichsweise niedrig, damit konnten nur wenige Interessenten etwas anfangen.

          Auch die Nachbarschaft erschwert eine Weiternutzung. Weil direkt nebenan das Chemiewerk von Allessa steht, war etwa Wohnungsbau rechtlich kaum möglich. Hochhäuser will die Stadt an dieser Stelle nicht, wie Josef sagte. Und aus der Industrie habe es zwar einige Anfragen gegeben, die meisten aber hätten die bestehenden Gebäude abreißen wollen.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Topmeldungen

          Regierungsveranstaltung gekapert: Oppositionsanhänger am Donnerstagebend in Minsk.

          Opposition in Belarus : Weiße Armbänder sind ihr Zeichen

          Zehntausende Belarussen wollen eine Veränderung und haben sich der Opposition angeschlossen. Doch Präsident Lukaschenka scheut nicht vor Repressionen zurück. Kann die Aufbruchstimmung bei der Wahl am Sonntag trotzdem zum Sieg führen?
          Die amerikanische Schriftstellerin Lily Brett

          Amerika in der Krise : Wie New York unter Trump und Corona leidet

          Donald Trump hat einen Grausamkeitskoeffizienten, der den größten Diktatoren zum Neid gereichen könnte, schreibt die Schriftstellerin Lily Brett. Über die Hoffnung der Amerikaner auf eine gerechtere Zukunft.

          FC Bayern trifft auf Barcelona : „Das kann ein Problem sein“

          Der souveräne Sieg über Chelsea ist schnell abgehakt in München. Das Duell mit Barcelona beim Finalturnier elektrisiert die Bayern. Doch nicht nur Lionel Messi macht Sorgen. Auch ein wichtiger Münchner Spieler humpelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.