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International Bankers Forum : „Erklären Sie das mal den normalen Menschen“

  • -Aktualisiert am

Wolken über dem Bankenviertel: Doch irgendwo spielt einer Klavier. Bild: Claus Setzer

Seit 25 Jahren versammelt Nader Maleki im International Bankers Forum die Frankfurter Finanzwelt. Zum Jubiläum traf man sich zum Klavierkonzert im Hermann-Josef-Abs-Saal und gedachte alter Zeiten – vor den großen Krisen.

          Schumanns Große Klaviersonate zieht sich ungefähr eine halbe Stunde. Geradezu virtuos zaubert Amir Tebenikhin, Träger des diesjährigen Pianistenpreises, das Wechselbad aus wilden, schnelle Passagen und langsam in sich gekehrten Melodien aus dem großen Konzertflügel im Hermann-Josef-Abs-Saal. Als gelte es, das Auf und Ab an den Finanzmärkten in Töne zu fassen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ach ja, die Finanzmärkte. Gut 300 Banker und andere Vertreter des Finanzplatzes haben sich am Mittwochvormittag in der guten Stube der Deutschen Bank an der Junghofstraße versammelt, Emmerich Müller und Gerhard Wiesheu vom Bankhaus Metzler ebenso wie Carl Heinz Daube von der Bundesfinanzagentur und Stefan Winter von der UBS. Von Krise ist hier kaum etwas zu spüren. Draußen sackt der Dax von 6080 auf 6020 Punkte, drinnen lauschen alle Tebenikhin. Erst als der Pianist nach der dritten kurzen Pause immer noch nicht die Hände von der Tastatur nimmt, fangen einige an, nervös auf den Sitzen herumzuwackeln und in ihre Blackberrys zu schauen.

          Politik sei immer wieder auf fachlichen Rat angewiesen

          25 Jahre International Bankers Forum gilt es zu feiern, einen Verein, den Nader Maleki einst gemeinsam mit Alfred Herrhausen und anderen Bankern großer Frankfurter Häuser ins Leben rief, um die verschiedenen Akteure des Finanzplatzes miteinander zu vernetzen. Und so blickt man viel zurück an diesem Vormittag, in jene Zeiten, als es die Deutsche Mark noch gab und heiß über Sinn und Unsinn einer Währungsunion diskutiert wurde. Als das Forum erstmals die Leiter des damals gerade aufkommenden Derivategeschäfts auf ein Podium setzte, um zu diskutieren, ob diese Finanzinnovation eine Zukunft habe.

          Erst Volker Bouffier (CDU) wendet den Blick in seiner Gastrede auf die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten, verteidigt die derzeit vielgescholtene Politik und gibt gleichsam den Vermittler zwischen Finanzwelt und „den normalen Menschen“. Der hessische Ministerpräsident weist darauf hin, dass die Politik immer wieder auf den fachlichen Rat der Finanzwelt angewiesen sei. Und dass es daher gut wäre, man bekäme nur einen Ratschlag und nicht 20 verschiedene Wünsche, damit die Politik selbst konsequent handeln könne. Für diesen Dialog seien Einrichtungen wie das Bankers Forum sehr wichtig. Als Beispiel nennt Bouffier die immer wieder diskutierte Finanztransaktionssteuer. Er sehe viele gute Argumente, die für so eine Steuer sprächen, aber er habe auch verstanden, dass eine solche Steuer, würde sie nur in Deutschland eingeführt, „zwar viel Applaus vom breiten Publikum einbrächte“, aber letztlich nur Geschäft und damit auch Arbeitsplätze von Frankfurt anderswohin verlagern würde.

          Um große Namen kommt auch Nader Maleki nicht herum

          Das „derzeit wohlfeile Banker-Bashing“ liege ihm selbst fern, sagt Bouffier. So begnügt er sich mit einer Bestandsaufnahme dessen, was derzeit die „normalen Menschen“ alles verwirre. Ratingagenturen und ihre Macht über ganze Staaten zum Beispiel. Was von Ratings zu halten sei, habe ja kürzlich der Tumult um die Helaba beim Bankenstresstest gezeigt. Die Landesbank sei seit Jahrzehnten gut mit den Stillen Einlagen des Landes Hessen gefahren. „Und dann kommt plötzlich ein Gremium, das niemand gewählt hat, und sagt: Wir akzeptieren das nicht. Und dann müssen sie ein ganze Wochenende darauf hoffen, dass die Finanzmärkte dem nicht zu viel Glauben schenken. Wer glaubt, so etwas schaffe Vertrauen, der muss sich mal mit den normalen Menschen unterhalten.“

          Für diese „normalen Menschen“ sei es im Moment fast unmöglich, die Wirren an den Finanzmärkten zu verstehen. Sie verhielten sich intuitiv richtig, weil sie nicht etwa auf die Banken rennten und ihr Geld abhöben. „Aber was an den Börsen passiert, dass da Milliarden innerhalb weniger Tage verbrannt werden, ist mit keiner Logik nachzuvollziehen“, findet Bouffier. Und kommt so schließlich zu dem in Frankfurter Festreden unweigerlichen Goethe-Zitat: Wer zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist, mehret das Übel.

          Um große Namen kommt auch Nader Maleki nicht herum, obwohl er versichert, Namedropping sei nicht seine Art. Microsoft-Gründer Bill Gates und der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke seien auf seine Einladung ebenso nach Frankfurt gekommen wie Nobelpreisträger Muhammad Yunus und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Und wenn er im November wieder zum European Banking Congress und der darum entstandenen Euro Finance Week lade, stünden auch wieder große Redner auf dem Programm. Der neue Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe schon zugesagt.

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