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Inneneinrichtung : Möbel nach Maß

Diese Schrankwand passt Bild: F.A.Z. - Claus Setzer

Sonderwünsche kann der Möbelfilialist nicht erfüllen. Wer einen Tisch oder ein Regal nach Maß sucht, muss zum Spezialisten gehen. In Rhein-Main gibt es ein vielfältiges Angebot.

          3 Min.

          Es ist ein bisschen aus dem Bewusstsein gerückt, das Möbelstück, das sich der Verbraucher nach eigenen Vorstellungen bauen lassen kann. Dabei war es früher die Regel, dass man zum Schreiner ging und sich Tisch und Bett tischlern ließ, auf dass sie „für ein ganzes Leben“ hielten. Die Menschen hatten keine andere Wahl, denn große Möbelhäuser gab es nicht. Der Handel entwickelte sich erst mit der Nachfrage nach dem Krieg.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Individuelle Wünsche, nicht selten bedingt durch Platzmangel in kleinen Wohnungen, ungenutzte Winkel und Dachschrägen, gibt es auch heute. Viele Verbraucher wissen jedoch nicht, dass es einen Markt für Maßanfertigung gibt, bedauern Vertreter der Branche. Viele seien erstaunt: „Wie, das geht?“

          Maßnehmen an Ort und Stelle

          Der Markt – dazu gehört die kleine Zwei-Mann-Schreinerei wie etwa die von Uwe Schaffrath in Kelkheim, ebenso etwas breiter aufgestellte Werkstätten wie die Schreinerei Kalbfuss in Reichelsheim in der Wetterau oder die Innconcept Einrichtung GmbH in Griesheim. Beide planen und bauen mit einem Team von jeweils knapp zehn Leuten unter anderem Einbauschränke und Regalsysteme für Privat- und Geschäftskunden. Preislich sehen sich beide Firmen auf dem Niveau vergleichbarer Qualität im Möbelhandel. „Wir sind absolut wettbewerbsfähig“, sagt Tischlermeister Gerhard Kalbfuss. Die Beratung, die Zeichnung, das Maßnehmen an Ort und Stelle – eine Dienstleistung, die Verbraucher unter Umständen vom Gang zum Möbelbauer abhält – würden in der Regel nicht in Rechnung gestellt. Andere Anbieter rechnen sie bei Auftrag an.

          Möbel nach Maß gibt es auch bei angesehenen Einrichtungshäusern wie dem der Familie Stelzer in der Möbelstadt Kelkheim, dem ältesten Möbelhaus am Ort, mit 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Unabhängig von Material und Möbelstück – „unsere Kunden kriegen fast alles, was bei uns im Verkaufsraum steht, auch auf Maß“, sagt Innenarchitektin Claudia Will. Enge Beziehungen zum Hersteller und die angegliederte Schreinerei machen es möglich.

          Dabei sieht sich das Möbelhaus, das auch die komplette Innenausstattung vom Fußboden über die Wandgestaltung bis zur Beleuchtung plant, nicht nur im Hochpreissegment. „Wer eine Küche sucht und nur ein Budget von 3000 Euro zur Verfügung hat, bekommt bei uns auch ein Angebot“, sagt die Innenarchitektin.

          Günstige Angebote bei Möbelum

          Weniger gehoben, dafür für Verbraucher mit kleinerem Portemonnaie interessant sind die auf Holz spezialisierten Möbelwerkstätten Holzconnection und Möbelum. Beide fertigen in Deutschland und betreiben – mit unterschiedlichen Angeboten – Filialen in Frankfurt: Holzconnection an der Fahrgasse in der Innenstadt, Möbelum an der Wächtersbacher Straße in Bergen-Enkheim.

          Die Kompetenz bei Möbelum liegt bei Küchen, Holzconnection baut seit 24 Jahren Regale, Schränke, Tische und Betten. Diese gibt es in allen vom Kunden gewünschten Maßen, auch Matratzen. In Frankfurt kaufe „zu 90 Prozent das Nordend“ bei Holzconnection ein, sagt Kaufmann Otto Lang. „Die lassen alles bei uns machen.“ Ein Schreiner übernehme den Einbau von Regalen und Schränken.

          Möbelum, die größere der beiden Ketten, ist sehr günstig. Wer etwa einen Tisch nach Maß sucht, findet dort das beste Angebot. Der Preis für einen Esstisch aus massiver Eiche, ein Meter in der Länge, 70 Zentimeter in der Breite, mit vier Zentimeter dicker Platte, durchgehender Lamelle und Tischbeinen, die 7,5 mal 7,5 Zentimeter im Durchmesser sind, liegt auf Anfrage bei 405 Euro. Ein von den Vorgaben her vergleichbarer Eiche-Tisch käme bei Holzconnection auf 787 Euro.

          Traum-Tisch aus dem Internet

          Seinen Traum-Tisch kann sich der Kunde inzwischen auch im Internet zusammenstellen. „Masstisch“ heißt das noch junge Düsseldorfer Unternehmen, das auch dank seines ausgeklügelten und benutzerfreundlichen Internetauftritts (www.masstisch.de) inzwischen sehr erfolgreich ist. Der Kunde kann aus 16 Holzsorten und einer Modellpalette von 18 Tischen auswählen, die so klangvolle Namen tragen wie Managua, Bamaco oder Cayenne. Änderungen – preislich wie optisch – werden sofort virtuell dargestellt. Dazu gibt es Empfehlungen für Proportionen und Beinprofile. Holzmuster werden auf Wunsch verschickt.

          Jedes Maß ist möglich. „Nur halbe Zentimeter machen wir nicht“, sagt Geschäftsführer Christian Füg. Auch aus dem Rhein-Main-Gebiet gebe es viele Bestellungen. Die meisten Kunden seien zufrieden mit dem Resultat der Online-Order. Bei den Preisen sei „Masstisch“ – gefertigt wird in einer Schreinerei in Polen – günstiger als der Möbelhandel. Unser Wunschtisch, Modell Managua, Eiche geölt, ein Meter mal 70 Zentimeter, kommt nach der Online-Berechnung auf 541 Euro. Für die Lieferung nach Frankfurt kämen noch 140 Euro hinzu.

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