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: Infraserv schafft Sprung über Milliarden-Hürde

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"Etwas vollmundig" hat Dieter Kreuziger, wie er rückblickend meint, vor einem Jahr angekündigt, die Infraserv Höchst GmbH werde 2003 erstmals eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. Un doch hat Kreuziger den Mund seinerzeit keineswegs zu voll genommen.

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          "Etwas vollmundig" hat Dieter Kreuziger, wie er rückblickend meint, vor einem Jahr angekündigt, die Infraserv Höchst GmbH werde 2003 erstmals eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. Un doch hat Kreuziger den Mund seinerzeit keineswegs zu voll genommen. Denn der von ihm geführte Betreiber des Industrieparks Höchst im Westen Frankfurts wird bis Jahresende tatsächlich diese "magische" Hürde nehmen. Und im nächsten Jahr soll die Infraserv weiter wachsen. Mit einer Reihe von Projekten, die sich in Millioneninvestitionen widerspiegeln, sowie einem neuen Beteiligungsmodell zur Ansiedlung junger Unternehmen, will der Industrieparkbetreiber dieses Ziel erreichen, wie sein Geschäftsführer am Dienstag abend bei einem Pressegespräch zum Jahresabschluß sagte.

          Widrige Einflüsse im Zuge der geplanten Übernahme von Infraserv-Gesellschafter Celanese AG durch einen amerikanischen Finanzinvestor sieht Kreuziger nach eigenen Worten nicht. Für das erste Viertel des Jahres 2004 plant Kreuziger, mit der neuen Unternehmensstrategie an die Öffentlichkeit treten zu können. Diese müsse zuvor noch von den Gesellschaftern genehmigt werden: "Wir hoffen, von ihnen das ,Go!' zu bekommen."

          Doch trägt nicht allein Infraserv dazu bei, das ehemalige Stammgelände der Hoechst AG weiterzuentwickeln. Im laufenden Jahr sind dort 390 Millionen Euro in neue Anlagen investiert worden `- trotz einer nach wie vor schleppenden Chemiekonjunktur. Zum Vergleich: Zu besten Hoechst-Zeiten waren es nie mehr als umgerechnet 250 Millionen Euro innerhalb von zwölf Monaten. Vor allem die aus dem traditionsreichen Frankfurter Chemie- und Pharmakonzern hervorgegangene Aventis Pharma Deutschland hat seit Jahresbeginn zum wiederholten Male als Großinvestor verantwortlich gezeichnet.

          Die Infraserv wird nach Angaben ihres Geschäftsführers bis Jahresende Erlöse in Höhe von etwa 1,005 Milliarden Euro erzielen; das sind knapp 8,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr oder 0,5 Prozent mehr, als der eigene Plan vorsieht. In diese Zahlen eingerechnet sind Umsätze, die die Infraserv mit Tochtergesellschaften erwirtschaftet. Ohne diese Erlöse läge der Gesamtumsatz unter der Milliardengrenze, führte Kreuziger aus. Unter dem Strich schreibe der Industrieparkbetreiber schwarze Zahlen. Das Unternehmen versorgt die zirka 80 Unternehmen im Industriepark Höchst mit Energie und Logistikdienstleistungen, kümmert sich um Bau und Pflege von Gebäuden und Abwasserentsorgung sowie die fachliche Qualifikation von Mitarbeitern. Das nicht näher bezifferte Geschäftsergebnis liege über dem Gewinn des Vorjahres, jedoch unter Plan: "Das Ergebnisziel wurde wegen Preisdrucks und außerplanmäßiger Belastungen verfehlt, obwohl gegenüber dem Vorjahr die Rentabilität verbessert werden konnte", so Kreuziger.

          Im nächsten Jahr will die Infraserv Marktanteile im Industriepark mit seinen mehr als 80 Unternehmen zurückgewinnen und das Geschäft mit Kunden außerhalb des eigenen Standorts vorantreiben, zu dem unter anderem der Bau des Frankfurter Innovationstentrums Biotechnologie (FIZ) zählt. Einen "Schub" erwartet Kreuziger bei Infraserv Logistics. Diese Tochtergesellschaft habe "schöne Projekte akquiriert". Darunter sei eine erstklassige Adresse, "um die uns jeder beneidet". Um welches Unternehmen es sich handele, dürfe er indes noch nicht verraten. Um den Industriepark weiterzuentwickeln, hat Infraserv in diesem Jahr Investitionen im Volumen von 49 Millionen Euro auf den Weg gebracht, darunter die Energieanbindung an eine neue Anlage von Aventis, eine neue Gasturbine und der Bau einer Abwurfgrube zum Lagern und Mischen von Klärschlämmen. Damit soll die Leistungsfähigkeit der Verbrennungsanlage weiter verbessert werden. "Besonders stolz" äußerte sich Kreuziger über die Abwasservorbehandlungsanlage, mit der Methangas gewonnen werde, das einen Gasgenerator antreibt und so zur Stromproduktion genutzt werde. Da es sich um Strom aus erneuerbaren Energien handele, erhalte Infraserv staatliche Zuschüsse.

          Dieses Konzept solle weiterentwickelt und vermarktet werden. Im nächsten Jahr will Infraserv laut Kreuziger etwa 70 Millionen Euro investieren. Im Oktober nächsten Jahres soll das bedeutendste Logistik-Projekt, der 13 Millionen Euro teure sogenannte Trimodal-Port, mit einem verlängerten sogenannten Ausziehgleis, einem 40-Tonnen-Kran und einem neuen Gebäude fertiggestellt sein. Um junge Unternehmen für den Industriepark Höchst zu gewinnen, wird Infraserv ein neues Beteiligungsmodell anbieten. Der Grundsatz ist einfach: "Dienstleistung für Kapital" lautet er. Vor allem Unternehmen aus den Branchen Chemie und Pharma, Agro und Biotechnologie, denen es an Eigenkapital mangelt und die Wagniskapital benötigen, hat Infraserv im Blick. Der Industrieparkbetreiber will Firmen dieser Sparten für bis zu zwei Jahren die Miete für Labors und andere Räume stunden - und im Gegenzug Anteile an der jeweiligen Firma erwerben.

          Für die jungen Unternehmen entstünden keine Nachteile, obwohl Infraserv durchaus "egoistisch" sei und zusätzliche Umsätze erzielen wolle. Denn der Industrieparkbetreiber habe ein Interesse daran, daß sich seine Beteiligungen gut entwickelten. Und: "Damit intensivieren wir die Netzwerke im Industriepark. Nicht selten ist die Zusammenarbeit von jungen innovativen Firmen und etablierten Unternehmen extrem fruchtbar." Kreuziger hofft, mit dem Beteiligungsmodell "die Keime für den Industriepark von morgen" zu setzen. THORSTEN WINTER

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