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Industrie : Konkurrenten trotz Namensgleichheit

22.000 Menschen arbeiten im Industriepark Höchst Bild:

Wenn es die Hoechst AG noch gäbe, zählten sie zur selben Familie. Heute arbeiten die Industrieparks in Frankfurt-Höchst und in Wiesbaden gänzlich getrennt voneinander. Einer von beiden wird der Standort der neuen Ticona-Fabrik.

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          Wenn es die Hoechst AG noch gäbe, zählten sie zur selben Familie. Doch der Chemie- und Arzneimittelriese gehört längst der Vergangenheit an, und so arbeiten die Industrieparks in Frankfurt-Höchst und in Wiesbaden seit zehn Jahren gänzlich getrennt voneinander. Dass die Betreiber der Industrieparks jeweils den Namen Infraserv tragen, darf darüber nicht hinwegtäuschen. Beide stehen in Konkurrenz zueinander. Das gilt auch und gerade mit Blick auf die in der Region mit Spannung erwartete Antwort auf die Frage, wer den Zuschlag für die neue Fabrik des noch in Kelsterbach beheimateten Kunststoffherstellers Ticona erhalten wird – Höchst oder Wiesbaden. Zwischen beiden Industrieparks will die Ticona-Mutter Celanese bis spätestens Ende Juni den aus ihrer Sicht am besten passenden Standort wählen (siehe auch: Ticona bleibt in der Rhein-Main-Region).

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG ging 1997 aus dem Standortservice des Stammwerks des Frankfurter Konzerns hervor. Im selben Jahr wurde auch die Infraserv GmbH & Co. Wiesbaden KG ins Leben gerufen. Zudem gibt es in Deutschland noch zwei weitere Industrieparkbetreiber: Infraserv Knapsack nahe Köln und Infraserv Gendorf bei Burghausen. Auch diese beiden gehen auf ehemalige Hoechst-Werke zurück, die im Zuge der Aufspaltung des Konzerns mehrere Eigentümer erhielten. Industrieparkbetreiber kümmern sich unter anderem um Energieversorgung und Entsorgung, Gewässer- und Schallschutz und Fragen der Arbeitsmedizin, sie entwickeln Flächen und betreuen Gebäude auf ihrem Gelände. Infraserv Höchst bietet zudem mit Provadis eine Weiterbildungseinrichtung, an die eine Hochschule angeschlossen ist.

          Größe und Struktur

          Die beiden Industrieparks in Höchst und Wiesbaden lassen sich miteinander kaum vergleichen. Dies gilt sowohl für die Größe als auch für die Struktur: Höchst misst 460 Hektar, während Wiesbaden auf 100 Hektar kommt. Auf dem Gelände im Frankfurter Westen arbeiten gut 22.000 Menschen bei mehr als 80 Unternehmen, in dem Industriepark in der Landeshauptstadt rund 6200 Männer und Frauen bei 18 Firmen. Infraserv Wiesbaden hat sich ausdrücklich auf industriell tätige mittelständische Unternehmen ausgerichtet, wobei Michael Behling als Mitglied der Geschäftsleitung zugesteht, zuletzt auch Mietverträge mit Dienstleistern und mit Behörden abgeschlossen zu haben. So hat das Statistische Bundesamt einen Ableger im Industriepark Kalle-Albert, wie das Gelände heißt. Auch befinden sich dort Teile der Zentrale der börsennotierten SGL Carbon AG.

          Auf dem Areal im Westen Frankfurts, dessen Betreiber zuletzt mit 824 Millionen Euro fünfmal so viel im Jahr umgesetzt hat wie der Wiesbadener Mitbewerber, sind dagegen außer kleineren und mittleren Betrieben nicht zuletzt Weltkonzerne mit größeren Einheiten vertreten; so beschäftigt allein der Arzneimittelhersteller Sanofi-Aventis dort mehr als 8000 Mitarbeiter.

          Übung im Kostensenken

          Beide Industrieparks sind über die Schiene, die Straße und das Wasser erreichbar; das Höchster Gelände liegt am Main, das Wiesbadener am Rhein, wobei beide über eigene Häfen verfügen. Der von der Ticona benötigte Rohstoff Methanol wird weder da noch dort hergestellt, muss mithin so oder so herbeigeschafft werden – egal, wer den Zuschlag erhält. Gemeinsam ist Infraserv Höchst und Infraserv Wiesbaden ebenso, die Chemiekonzerne Clariant und Celanese als Gesellschafter zu haben. Wobei die Celanese einschließlich ihrer Tochtergesellschaft Nutrinova in Frankfurt auf gut 31 Prozent kommt und in Wiesbaden auf knapp acht Prozent. Bei den übrigen Anteilseignern gibt es keinerlei Überschneidungen.

          Dass die Höhe der Anteile von Celanese einen wesentlichen Einfluss auf die Standortwahl haben könnte, gilt mit der Angelegenheit vertrauten Personen als abwegig. Entscheidend werden die Versorgungssicherheit, der Service und die Preise sein, die für die Dienste zu zahlen sind – vor allem die Preise, wie es heißt. Da fügt es sich, dass beide Industrieparkbetreiber sich seit geraumer Zeit im Kostensenken üben.

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