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Industriepark Höchst : "Uns ist jedes neue Unternehmen willkommen"

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Infraserv-Chef Kreuziger: 89 Hektar frei im Industriepark Höchst Bild:

Der Betreiber des Industrieparks Höchst, Infraserv, soll effizienter und kostengünstiger arbeiten. Im F.A.Z.-Interview sagt Infraserv-Chef Kreuziger, wie er diese Vorgaben erfüllen will. Und er äußert sich die zu der Frage, ob für das Unternehmen Ticona Platz in Höchst wäre.

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          Die Infraserv-Gesellschafter Aventis, Celanese und Clariant haben Ihnen gerade ihre Erwartungen für die mittelfristige Entwicklung der Infraserv dargelegt. Wie sehen diese im einzelnen aus?

          Unser Gesellschafter erwarten, daß wir so effizient wie möglich arbeiten, der Standort für andere Firmen so attraktiv wie möglich ist und das in der Gesellschaft eingesetzte Kapital angemessen verzinst wird. Dabei geht es in erster Linie nicht um die Ertragskraft, sondern um Effizienz und Attraktivität.

          Woran fehlt es Infraserv denn, um ausreichend effizient zu sein?

          Es geht darum, konsequent weiterzuentwickeln, was wir erfolgreich in der Vergangenheit aufgebaut haben. Das heißt: dort, wo wir nicht im Wettbewerb mit anderen Unternehmen stehen, so günstig wie möglich Leistungen anzubieten und ansonsten mit absolut wettbewerbsgerechten Preisen aufzutreten. Und selbstverständlich wollen wir weitere Unternehmen ermuntern, im Industriepark Höchst zu investieren.

          Wie wollen Sie Unternehmen gewinnen?

          Indem wir "best in class" bei den Leistungen sind und attraktive Preise anbieten. Und da haben wir schon einiges zu bieten. Mit Blick auf die Bereitstellung von Energie etwa, die ja einen wesentlichen Teil der Produktionskosten ausmacht, liegen wir im Industrievergleich in Deutschland im unteren Drittel, gehören also zu den günstigsten Anbietern. Dies ist auch wichtig für unser Ziel, durch Kunden am Standort zu wachsen. Wenn Firmen im Industriepark weiter investieren, können wir zusätzliche Dienstleistungen erbringen. Das hat in der Vergangenheit sehr gut funktioniert, und wir setzen das fort.

          In jüngster Zeit ist ins Gespräch gebracht worden, das zu Celanese gehörende Chemieunternehmen Ticona, das als Hindernis beim Ausbau des Frankfurter Flughafens gilt, im Industriepark anzusiedeln. Würde Ticona zum Industriepark passen?

          Uns ist jedes neue Unternehmen willkommen, das zu unserer Leistungspalette paßt. Für produzierende Unternehmen aus dem Chemie-, Biotechnologie- und Life-Science-Bereich können wir alle erforderlichen Leistungen anbieten.

          Hätten Sie denn Platz für ein Unternehmen dieser Größe?

          Es gibt insgesamt 89 Hektar voll erschlossene Freiflächen im Industriepark.

          Infraserv will auch im direkten Umfeld wachsen. Was heißt das?

          Ganz einfach: Alles, was zum Beispiel im Umkreis von 150 Kilometern vom Industriepark liegt, ist Markt für technische Dienstleistungen, wie wir sie erbringen. Und in diesem Markt wollen wir wachsen.

          Es geht also um Auftraggeber, zu denen Infraserv-Mitarbeiter fahren, um Anlagen aufzubauen oder solche zu reparieren?

          Genau, es geht um Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sowie um Spezialdienstleistungen wie Prozeßleittechnik. Das ist unsere Stärke, da sehen wir Chancen.

          Infraserv soll aber nicht nur wachsen, sondern auch innerhalb der nächsten drei Jahre die Kostenbasis um 55 Millionen Euro senken. Bedeutet das Arbeitsplatzabbau?

          Wir streben mit Sicherheit keinen Arbeitsplatzabbau an. Dienstleistungen werden nun einmal von Menschen erbracht. Es wäre verkehrt, mit dem Vorsatz, Wachstum zu erwirtschaften und "best in class" zu werden, in den Markt zu gehen und gleichzeitig Personal abbauen zu wollen. Damit würde man nur Kompetenz verlieren. Die Effizienz läßt sich steigern, indem Prozesse noch besser organisiert werden. Dadurch kann man Mitarbeiter freibekommen und dort einsetzen, wo sie zur Wertschöpfung mehr beitragen können. Kosten können beispielsweise gesenkt werden, wenn der Primärenergieeinsatz besser genutzt wird, indem wir die Abwärme aus der Stromproduktion nutzen, um Dampf preiswert herzustellen.

          Dient diesem Ziel zum Beispiel die Gasturbine, die demnächst in Betrieb genommen wird?

          Richtig. Diese Turbine führt zur Effizienzsteigerung. Damit wird Dampf im Industriepark günstiger, was wiederum die von den Standortunternehmen zu tragenden Kosten senkt. In der Folge verbessert dies die Attraktivität des Standorts.

          Im vergangenen Jahr hat Infraserv die Umsatz-Milliarde erreicht, wobei die mit Tochtergesellschaften erzielten Erlöse eingerechnet wurden. Haben Sie für dieses Jahr wieder ein Umsatzziel?

          Wir werden in 2004 weniger Umsatz erzielen. Das hat einerseits statistische Gründe. Andererseits werden wir für zwei Jahre eine Umschichtung bei den Umsätzen sehen. Denn wir bauen die Arbeitsgebiete aus, die gute Ergebnisse liefern. Umgekehrt bauen wir jene zurück, bei denen die Deckungsbeiträge weniger gut sind.

          Werden Sie zum Jahresende eher weniger oder mehr Mitarbeiter beschäftigen?

          Die Mitarbeiterzahl wird sich nicht wesentlich ändern. Vielleicht liegt sie zum Jahresende etwas niedriger, da einige Altersteilzeitverträge wirksam werden und die auf diese Weise frei werdenden Stellen zunächst nicht wieder besetzt werden.

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