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Mehr Gewerbeflächen gefordert : Nur Wohngebiete reichen nicht

Neubaugebiet in Frankfurt: Unternehmen fordern neue Gewerbeflächen. Bild: dpa

Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin der Offenbacher IHK, beklagt fehlenden politischen Willen beim Ausbau von Gewerbeflächen. Dabei gebe es nur einen Weg.

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          Die Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum fehlt in keiner politischen Rede mehr. Dass aber auch Gewerbeflächen für kleinere und mittelständische Unternehmen längst knapp sind und so die Entwicklungsmöglichkeit dieser oft eigentümergeführten Häuser inzwischen teils stark eingeschränkt wird, hat die Politik und Verwaltung dagegen oft nicht ausreichend im Blick, wie Kirsten Schoder-Steinmüller, Präsidentin der Offenbacher Industrie- und Handelskammer (IHK), am Dienstag bei einer Veranstaltung des Hessischen Industrie- und Handelskammertages in Offenbach sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Wenn mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde, helfe das Mittelständlern zwar, weil die dringend gesuchten Fachkräfte ein Dach über dem Kopf brauchten. Aber die Unternehmen selbst benötigten mehr geeigneten Raum, um zu expandieren. Die Chefin eines metallverarbeitenden Familienbetriebs aus Langen sieht eine heikle Konkurrenz, weil derzeit vor allem neue Wohngebiete ausgewiesen würden – auf Kosten der verbliebenen Ressourcen, die als Gewerbe- und Industrieflächen geeignet wären.

          Schwierige Standortentwicklung

          Deshalb fordert Schoder-Steinmüller, die Baulandoffensive des Landes Hessen zu erweitern in Richtung gewerblich nutzbarer Flächen. Eine professionelle strategische Flächenplanung müsse Wohnareal wie auch Gewerbegrund gleichermaßen berücksichtigen. Vielfach würden von der Verwaltung Areale als freie Gewerbe- und Industrieflächen geführt, die tatsächlich mit einer Vielzahl von Nutzungshemmnissen – wie schwierigen Eigentumsverhältnissen und einer fehlenden Erschließung – belegt seien. Zudem fehle nicht selten der politische Wille, sagte Schoder-Steinmüller.

          Wie schwierig die Standortentwicklung in der Rhein-Main-Region für eine Spedition ist, schilderte am Dienstag Susanne von Verschuer, Geschäftsführerin der Spedition Fermont aus Frankfurt. Die Familie hat das Grundstück an der Rödelheimer Landstraße bereits verkauft und wird in spätestens drei Jahren den bisherigen Standort des 125 Jahre alten Unternehmens verlassen, weil in der Nachbarschaft Wohnhäuser gebaut werden sollen. Jahrelange Verhandlungen seien letztlich ohne Erfolg geblieben.

          „Die Stadt Frankfurt tut sich leider sehr schwer, adäquate Ersatzflächen anzubieten“, sagte die Speditonschefin. Bisweilen würden vollkommen ungeeignete Areale angeboten, die beispielsweise nicht einmal über eine geeignete Straßenanbindung verfügten. Dabei ist von Verschuer sicher, dass sich Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung in vielen Fällen durchaus verträglich mischen lasse. So würden beispielsweise auch die Lastwagen ihres Unternehmens nicht den ganzen Tag rund um den Firmensitz kreisen, sondern am Morgen auf Tour zu Kunden fahren.

          Auch der Gelnhäuser Baustoffhändler Thomas Hofacker sieht sich durch immer näher rückende Wohnbebauung unter Druck. Zum einen habe er kaum mehr Fläche, sein Geschäft auszuweiten, zum anderen müsse er immer mehr Geld für Schallschutzmaßnahmen ausgeben. Eigentlich sei ihm an einem guten Verhältnis mit den neuen Nachbarn gelegen. Das sei aber dann nicht zu erreichen, wenn die Kommune unvermittelt eine Genehmigung für einen Wohnbau erteile, der direkt an die Lagerflächen seines Unternehmens grenze. Der Konflikt werde so geschürt. Eine professionelle Flächenplanung der Kommune und eine intensive Kommunikation mit der Wirtschaft könne das verhindern, ist sich Hofacker sicher.

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