https://www.faz.net/-gzg-wfqh

Immobilienkredite : „Wir verkaufen unsere Kunden nicht“

Neubauten wie hier in Dortelweil bei Frankfurt werden zumeist zu einem ordentlichen Teil mit Krediten finanziert Bild: Dieter Rüchel

Berichte über den Verkauf von Baukrediten sorgen für Aufregung. Volksbanken und Sparkassen in der Rhein-Main-Region versichern aber, dass sie keine ordnungsgemäß bedienten Baukredite weiterveräußern. Die Verbraucherzentrale bleibt dennoch skeptisch.

          3 Min.

          Das Eigenheim ist längst bezogen, der Kredit zum großen Teil abbezahlt. Und plötzlich heißt es: Zwangsversteigerung. Ein Bericht, der Mitte Januar im Fernsehen lief, hat viele Hausbesitzer aufgeschreckt. Ordnungsgemäß bediente Immobilienkredite seien von Sparkassen an Finanzinvestoren verkauft worden, hieß es. Diese wollten per Zwangsversteigerung möglichst schnell Kapital daraus schlagen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat inzwischen eine einstweilige Verfügung gegen den Bericht erreicht, einiges wurde offenbar falsch dargestellt. Doch die Verunsicherung bei Kreditnehmern ist ungebrochen.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und auch Christiane Kienitz, Baufinanzierungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hessen, kann den vielen Besorgten, die sie derzeit anrufen, keine Entwarnung geben. Zwar sei ihr kein derartiger Fall im Rhein-Main-Gebiet bekannt, aber: „Es gibt eine Gesetzeslücke.“ Das Problem: Ein Baukreditvertrag besteht aus der Darlehensforderung, die nach und nach vom Kunden getilgt wird, und der Grundschuld, die als Sicherung für die Bank in voller Höhe bestehen bleibt, bis der Kredit voll abbezahlt ist. Einige Bankhäuser sind offenbar der Rechtsauffassung, dass sie beides unabhängig voneinander weiterverkaufen können, zum Beispiel auch an Finanzinvestoren. Die könnten dann über die drastische Maßnahme der Zwangsversteigerung die Grundschuld vom Hauseigentümer einfordern.

          „Ein Kredit ist bei uns eine Lebenspartnerschaft“

          Volksbanken und Sparkassen in der Region versichern, dass sie selbst auf Weiterveräußerungen von Krediten an Dritte verzichtet hätten und dies auch nicht planten. Hans-Joachim Tonnellier hatte bereits vor einigen Wochen versichert, dass seine Frankfurter Volksbank keine Kredite weiterverkaufe. „Ein Kredit ist bei uns eine Lebenspartnerschaft“, so Tonnellier nicht ohne Pathos. Eva Wunsch-Weber, Leiterin des Dezernats für Grundsatzfragen in dem Haus, fügt hinzu, dass ein Weiterverkauf überhaupt nur möglich sei, wenn eine entsprechende Klausel im Kreditvertrag dies erlaube. Aus den Verträgen der Frankfurter Volksbank sei der entsprechende Passus allerdings schon vor einigen Jahren gestrichen worden. Auch wenn ein Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten geraten sollte, wird laut Wunsch-Weber erst nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht. Im äußersten Fall würde auch eine Zwangsversteigerung „im Haus geklärt“.

          Ähnlich äußert sich der Leiter der Kreditabteilung der Wiesbadener Volksbank, Hanns-Joachim Pfahl. „Wir geben den Kunden auch eine schriftliche Bestätigung, dass wir den Kredit nicht weiterverkaufen.“ Nach seinen Angaben hat es Weiterveräußerungen von Krediten nur „in Ausnahmefällen bei Gewerbeimmobilien außerhalb unseres Geschäftsgebietes“ gegeben. Die Wiesbadener überlegten sogar schon, ob sie nicht mit der Sicherheit werben sollten, die sie nach eigener Ansicht von der privaten Konkurrenz abheben.

          Die Commerzbank hat jüngst angekündigt, für die Garantie, dass ein Kredit über die gesamte Laufzeit bei der Bank bleibt, einen Aufpreis von 0,1 bis 0,2 Prozent im Jahr zu verlangen. Nach Angaben der Bank hat eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest in ihrem Auftrag ergeben, dass fast 80 Prozent der Befragten Interesse an einer garantierten Nichtveräußerung hätten. Nur jeder Fünfte hätte kein Problem damit, wenn sein Kredit an einen Dritten weiterverkauft würde.

          „Kredit mit Hypothek anstelle einer Grundschuld besichern“

          Auch bei den Beratern der Naspa gehen derzeit viele besorgte Anrufe ein. Doch auch hier gibt eine Sprecherin, nahezu wortgleich mit ihren Kollegen von Frankfurter Sparkasse und Taunussparkasse, Entwarnung: „Wir verkaufen keine privaten Immobilienfinanzierungen und das haben wir auch nie getan.“

          Verbraucherschützerin Kienitz kann ihren Anrufern derzeit nur zu höchster Vorsicht raten. Sie hofft auf den Gesetzgeber, der derzeit in Berlin über klarere Regeln für Kreditverkäufe diskutiert. Kienitz empfiehlt, den Kredit mit einer Hypothek anstelle einer Grundschuld zu besichern, da diese automatisch mit der Tilgung schrumpfe. Bei bestehenden Finanzierungen könnten Kunden versuchen, die Grundschuld um die bisher gezahlte Tilgung herunterschreiben zu lassen. Vor allem sollte man aber nicht in Panik verfallen und Kreditverträge abschließen, die zwar Sicherheit bieten, aber dafür unsinnig teuer sind. „Die Kunden sollten ihre Bank auf jeden Fall nerven und löchern, wenn ihnen irgendwas unklar ist.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schnelle Produktion: Ein Brückenträger für Genua, geschweißt in der Werft, montiert auf der Baustelle

          Brücken vom Dock : Wie Italiens Werften Brücken bauen

          Deutschland hat stillgelegte Werften und kaputte Brücken. Was man daraus machen kann, zeigt Italien in vorbildlicher Manier. Der Schiffsbaukonzern Fincantieri denkt die Stahlverarbeitung breiter.