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Immobilien in Frankfurt : „Leerstand teilweise hausgemacht“

In der Schnäppchenzone: Auch bei Peek & Cloppenburg an der Frankfurter Zeil können Kunden jetzt günstig einkaufen. Bild: Maximilian von Lachner

Der Makler Daniel Kroppmanns hält die Frankfurter Zeil nach wie vor für einen stabilen Standort. Im Gespräch verrät er, dass in anderen Lagen die Mietvorstellungen aber zu ambitioniert seien.

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          Bei den 440 Mitarbeitern von Karstadt gibt es immer noch ein Fünkchen Hoffnung, dass das Kaufhaus an der Zeil doch nicht schließen muss. Für wie wahrscheinlich halten Sie das?

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den Standort Frankfurt halte ich das für äußerst unwahrscheinlich.

          Der Konzern Karstadt-Kaufhof schließt mit Karstadt Sports und dem Warenhaus gleich zwei Häuser, die Esprit-Filiale steht auf der Abschussliste, Appelrath Cüpper befindet sich im Insolvenzverfahren. Muss man sich Sorgen um die Frankfurter Zeil machen?

          Es ist selbst für die Zeil schon ein Schuss ins Kontor, wenn so eine große Fläche wie die von Karstadt geschlossen wird, aber Frankfurt ist und bleibt ein gesunder, stabiler Standort. Es gibt immer noch neue Textilhändler und andere Konzepte, die nach Frankfurt möchten. Den ganz großen Leerstand, mit dem teilweise in anderen Städten zu rechnen ist, erwarten wir hier nicht.

          Was macht man mit den vielen tausend Quadratmetern, die jetzt frei werden?

          Am Ende des Tages geht es um eine vernünftige Nachnutzung und hierbei gibt es kein Schema F. Es gibt nur noch wenige Betreiber, die eine so große Fläche im Ganzen bespielen würden. Wahrscheinlich wird es daher zu einer Umnutzung kommen mit weniger Einzelhandel und kleineren Flächen. Ob es dann Büros in den oberen Geschossen werden oder eine Hotelnutzung, wird man sehen.

          Ist jetzt die Zeit für neue Sortimente in der Stadt?

          Möbel und Handwerkerbedarf sind sicherlich eine Option, setzen aber eine andere Miete voraus. Wir beobachten, dass vor allem die Discounter und Lebensmittler wieder zurück in zentrale Lagen wollen.

          Das Stuttgarter Kaufhaus Breuninger wurde ja immer mal als Kandidat für Frankfurt gehandelt.

          Ich glaube nicht, dass Breuninger sich in der aktuell schwierigen Marktsituation mit so einem Vorhaben beschäftigen würde. Die Erfahrungen, die Breuninger in Düsseldorf - in einer vergleichbaren Wettbewerbssituation - gesammelt hat, sprechen aus meiner Sicht eher nicht dafür.

          Die Zeil ist für Händler die teuerste Einkaufsstraße in Frankfurt. Rechnen Sie damit, dass dort die Mieten sinken werden?

          Die Mieten sind unter Druck, keine Frage. Eine kleinteilige Vermietung geht aber in der Regel mit höheren Mieten einher.

          Warum kommt der Einzelhandel in neuen Objekten nicht ans Laufen, etwa im Maro an der Neuen Rothofstraße oder im Flare of Frankfurt auf dem ehemaligen Rundschau-Gelände?

          Solche Lagen, in denen es noch keine eingelaufenen Wege und starken Passantenfrequenzen gibt, brauchen einfach ihre Zeit, um sich zu etablieren. Dazu passen dann häufig nicht die ambitionierten Mietvorstellungen der Investoren.

          Und dann lassen die Eigentümer die Geschäfte lieber leer stehen?

          Die Investorenbranche ist getrieben durch den hohen Geld- und Anlagendruck. Um den Renditeanforderungen gerecht zu werden, müssen hohe Mieten realisiert werden, die der Markt aktuell teilweise nicht hergibt. Daraus resultieren Wertberichtigungsprobleme, die hausgemacht sind.

          Wie geht es dem Maklerunternehmen Savills?

          Wir haben natürlich Rückgänge im Vermietungsgeschäft, verzeichnen aber auch tolle Erfolge. Zuletzt haben wir zwei Geschäftsabschlüsse auf der Goethestraße generieren können - kurz vor Corona an Falconeri und in der Corona-Hochphase an eine Luxusmarke, die wir noch nicht benennen können. Im Flare of Frankfurt stehen wir kurz vor Abschluss eines Mietvertrages mit einer tollen Elektroautomarke. Allerdings warten wir noch auf die Einwilligung von Seiten der Stadt. Das Straßenverkehrsamt hat Bedenken wegen der Bestückung der Fläche.

          Das klingt nach Verärgerung.

          Nein, aber wir würden uns da für alle Seiten mehr Dynamik und Verständnis wünschen, um den Einzelhandel in Frankfurt nachhaltig zu unterstützen. Die Fläche steht immerhin schon zwei Jahre leer.

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