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Regen und Regulierung : Immer mehr Bauern in Hessen geben auf

Dunkle Wolken: Der viele Regen hat dafür gesorgt, dass die Ernte in Hessen weniger gut ausgefallen ist, als erwartet. Bild: dpa

Für Bäcker, Brauer und Viehhalter liefern Hessens Bauern so viel Getreide wie in den vergangenen Jahren, doch der viele Regen hat die Hoffnung auf eine gute Ernte zunichte gemacht.

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          Der Mai war zwar kühl und nass, was dem Sprichwort zufolge den Bauern Scheun’ und Fass füllen soll, doch es
          fehlte die Sonne im Juni und Juli, um die Regel tatsächlich mit Leben zu erfüllen. Der Hessische Bauernverband rechnet jedenfalls mit einem eher durchschnittlichen Erntejahr. „Von einer Rekordernte, die zunächst möglich schien, sind wir weit entfernt“, sagte der Bauernpräsident Karsten Schmal am Mittwoch bei der Präsentation des vorläufigen Ernteberichts auf dem Hof des Frankfurter Kreislandwirts und Saatguterzeugers Matthias Mehl. Der Verband rechne mit rund zwei Millionen Tonnen Getreide, nach 1,95 Millionen im Jahr 2020.

          Ställe bleiben leer

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Entscheidend dafür sei aber, dass die nächsten Wochen mehr Sonne brächten, damit dort, wo etwa der Winterweizen noch nicht geerntet sei, das Korn nicht zu feucht werde. Denn auf das erst sehr kalte, dann an sich erfreulich nasse Frühjahr folgte ein regenreicher Sommer. Das sorgt für geringere Eiweißgehalte im Getreide, erschwert die Ernte und birgt die Gefahr, dass das Getreide vor dem Schnitt vom Regen abgenickt wird und zu keimen beginnt.Gerade in solchen Zeiten sei es wichtig, dass die Bauern ihre Pflanzen beispielsweise vor Pilzbefall schützen könnten, sagte Schmal und warnte vor den Folgen weiterer Einschränkungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Mehr Sorgen als das Wetter macht den hessischen Landwirten das Schrumpfen ihrer Branche.

          Schmal jedenfalls sieht dunkle Wolken über der Landwirtschaft in Hessen. Die Zahl der Betriebe und bewirtschafteten Flächen nehme kontinuierlich ab, sagte er. In den Auflagen, die die Politik den Landwirten bei der Behandlung von Feldern und Tierbeständen mache, sieht Schmal, der selbst mit seinem Sohn einen Milchviehbetrieb am Edersee betreibt, den Hauptgrund dafür, dass immer mehr Kollegen ihre Ställe leer stehen und Felder brach liegen ließen oder ihre Höfe gleich ganz aufgäben: „Auch mein Sohn fragt mich jeden zweiten Tag, ob es sich noch lohnt.“
          Allein in der Wetterau sei die Zahl der Betriebe seit 2001 von rund 2000 auf jetzt etwas mehr als 900 gesunken, berichtete der Vorsitzende des dortigen Regionalverbands, Michael Schneller. Schmal sieht als Grund dafür nicht nur die Vorgaben der Politik für Tier- und Pflanzenschutz, sondern vor allem die niedrigen Verbraucherpreise, die teils nicht einmal die Kosten der Bauern deckten. Und Schneller deutet auf die am Horizont sichtbare Zentrale der Europäischen Zentralbank. Mit ihrer Niedrigzinspolitik sorge diese dafür, meint der Landwirt, dass Ackerflächen zur Geldanlage würden, was die Bodenpreise treibe. Gleichzeitig steige der Druck, weil Logistikzentren und Wohngebiete immer mehr wertvollen Boden versiegelten.

          Gute Böden nicht versiegeln

          Das alles führe dazu, dass Hessen Bauen nur noch zu einem Teil die Bevölkerung des Landes versorgen könnten. „Im Supermarkt merkt man das nicht, die Regale sind voll“, sagt Karten Schmal. Doch Milch und Fleisch, und auch Obst, Gemüse und Getreideprodukte kämen immer häufiger aus dem Ausland, sagte der Sprecher der Milchviehalter im Bundesverband der Landwirte. Mit Blick auf den Klimawandel und die Zunahme von Stürmen, Starkregen und anderen Wetterextremen, appelliert er, Böden zur landwirtschaftlichen
          Nutzung zu erhalten, anstatt sie mit Beton oder Asphalt zu versiegeln. Acker- und Grünlandböden, insbesonders die guten Lehmböden der Wetterau, der Kornkammer Hessens,  seien für die Speicherung des Treibhausgases CO2 und des Wassers entscheidend. „Mit ihnen kann das Klima geschützt und die Gefahr von Überschwemmungen deutlich verringert werden“, sagte er mit Verweis auf die Überflutungen in den benachbarten Bundesländern.

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