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Imkern als Hobby : Entspannende Emsigkeit

Bettina Offer (rechts) und Gabriele Mastmann schauen in ihrem Frankfurter Garten vier Bienenvölkern bei der Arbeit zu. Bild: Oliver Rüther

In Frankfurt leben mehr als 1700 Bienenvölker, umsorgt werden sie von 500 Imkern. Ihre Fürsorge danken die fleißigen Insekten nur mit süßem Honig.

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          Hinter dem Haus liegt eine heile Welt, voll Obstbäumen, Grün und Blüten in knalligen Farben. Eine Welt, in der die Arbeit so richtig losgegangen ist als viele Menschen die ihre stoppen mussten. Bei den Bienen von Bettina Offer und Gabriele Mastmann begann ziemlich genau mit Beginn des Corona-Lockdowns die Saison zum Ausschwärmen.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vier Bienenvölker leben im Frankfurter Garten der Rechtsanwältinnen, die zusammen eine Kanzlei für das Ausländerbeschäftigungsrecht betreiben. Als Juristinnen sind die beiden Frauen damit Exotinnen und gefragte Expertinnen, die Konzernen bei der Zusammenstellung ihrer internationalen Belegschaft helfen. Als Imkerinnen gehören sie zu einer großen Gemeinschaft: Ziemlich genau 500 Bienenzüchter sind allein in Frankfurt angemeldet, die sich zusammen um mehr als 1700 Völker kümmern. Rund um die Stadt gibt es zudem zahlreiche Imkervereine, und mit der Imkerei Schiesser in Köppern (Hochtaunskreis) hat die Region sogar noch einen Familienbetrieb, der hauptberuflich von der Bienenzucht lebt.

          Alle machen in diesen Tagen so ziemlich dasselbe: Die Imker stehen lange und still vor ihren Beuten, also den Bienenhäusern, und starren auf die kleine Öffnung mit dem Brett davor. "Fluglochbeobachtung, das muss man machen", sagt Gabriele Mastmann und klärt auf, was sie an der Startrampe alles sieht: Tragen die Tiere ordentlich Pollen in den Bau, ist davon auszugehen, dass es drinnen Brut gibt, die von den Kolleginnen versorgt wird. Haben sie ihren weichen Pelz verloren, hat zuvor ein anderes Volk das eigene ausgeräubert.

          "Ich genieße es, draußen zu sitzen und mir anzuschauen, was am Eingang passiert", sagt auch Lotte Jüling-Pohlit. Der Anblick der Insekten hole einen vom Alltagsstress runter, "Bienen mögen keine Hektik". Die Biologin ist Vorsitzende des Frankfurter Imkervereins, in dem fast die Hälfte der Bienenvolkbesitzer organisiert ist. Sie hatte ein radiologisches Labor am Frankfurter Uniklinikum geleitet, noch vor dem sechzigsten Geburtstag ist sie in den Ruhestand gegangen. "Ich wollte Zeit haben für die Bienen, meinen Garten, zum Lesen."

          Die Biologin kümmert sich um vier Völker, sie hat ihre Beuten im Botanischen Garten aufgestellt. Die unermüdlichen Tiere hatten sie schon in ihrer Studienzeit fasziniert. "Das sind soziale Insekten. Solche Strukturen gibt es nur bei Bienen, Ameisen und Termiten", erklärt die Expertin. Sie beobachtet seit Jahren, wie die Imkerei gerade unter der Stadtbevölkerung an Zuspruch gewinnt.

          Futter auf Balkonen

          Stadthonig ist im Trend. Hotels servieren ihn gern auf ihren Buffets, Unternehmen verschenken ihn an Kunden, Museen machen aus den Kästen auf dem Dach eine weitere Attraktion. Die urbanen Quartiere mit ihren Gärten, Parks, Friedhöfen und Balkonblumen gelten vielen gar als die bessere Bienenweide im Vergleich zu monotonen Ackerlandschaften, wo nach dem Raps nur noch wenig blüht. Gegen diese Monotonie sollen neuerdings eigens ausgesäte Blühstreifen helfen, für deren Kultivierung die Landwirte sogar Extra-Förderung erhalten. Denn, so viel haben inzwischen alle verstanden: ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Ernte.

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