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Im Gespräch: Fraport-Vize Schulte : „Es wird nach dem Ausbau nachts ruhiger sein als heute“

Schulte: Die Nachfrage nach zusätzlichen Start- und Landemöglichkeiten in Frankfurt is hoch Bild: Michael Kretzer

Der Flughafenbetreiber Fraport verschafft sich durch die Planfeststellung zum Ausbau des Frankfurter Flughafens der Luftfahrtbranche Vorteile zum Schaden der Anrainer, wie Kritiker meinen. Fraport-Vize Stefan Schulte widerspricht dieser Behauptung.

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          Der Flughafenbetreiber Fraport verschafft sich durch die Planfeststellung zum Ausbau des Frankfurter Flughafens der Luftfahrtbranche Vorteile zum Schaden der Anrainer, wie Kritiker meinen. Fraport-Vize Stefan Schulte widerspricht dieser Behauptung im folgenden Interview.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei welchem Ölpreis werden Sie nervös?

          Wir beobachten die Entwicklung der Kerosinpreise natürlich eng. Bisher haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich in solchen wirtschaftlich schwierigen Phasen die Verkehre eher auf große Drehkreuze wie Frankfurt konzentrieren. Ferner: Die Airlines versuchen mit großem Engagement der Abhängigkeit vom Öl entgegenzusteuern, die Forschungen nach Kerosinersatz sind sehr intensiv.

          Müssen die Prognosen für die Entwicklung des Luftverkehrs und des Frankfurter Flughafens im Lichte der Energiepreise neu bewertet werden?

          Zunächst einmal ist nicht sicher, dass die Preise in diesem Maße wie zuletzt weiter steigen. Da ist doch einiges von Spekulation getrieben, wenngleich Öl langfristig knapp wird. Wir haben unsere Prognose noch einmal überprüft und halten diese für unverändert realistisch.

          Das heißt, an der Bedarfsprognose 2020, die maßgeblich für die Planungen des Ausbaus des Frankfurter Flughafens ist, wird nicht gerüttelt?

          Die Prognose ist stabil, der Bedarf für den Ausbau ist eindeutig gegeben. Berücksichtigt sind hierbei übrigens auch die Entwicklungen im Mittleren Osten, wie etwa Dubai. Die Nachfrage nach zusätzlichen Slots hier in Frankfurt ist hoch. Im Interesse der Region überlegen wir uns jetzt vielmehr, wie wir mit dieser Nachfrage umgehen. Wir wollen sie möglichst werthaltig im Interesse der Region gestalten, das heißt, es nutzt keinem, wenn wir zwei zusätzliche Verbindungen täglich nach Sylt anbieten würden. Wichtiger wären weitere Flüge nach Schanghai, Singapur oder Delhi, also Ziele, die für die Prosperität der Region wichtig sind. Frankfurt und Rhein-Main müssen ein ökonomisches Powerhouse im Wettbewerb der europäischen Regionen bleiben. Der Flughafen wird seinen Beitrag dazu leisten.

          Wie viele Nachtflüge in der Zeit zwischen 23 Uhr und fünf Uhr wird es von 2011 an geben. Null, wie es die Mediation vorgesehen hatte, ganz sicher nicht?

          Der Planfeststellungsbeschluss sieht durchschnittlich 17 Flüge vor. Allerdings sind damit zum Schutz der Anwohner sehr deutliche Restriktionen verbunden. Ob sich die Zahl im Zuge der Gerichtsverfahren ändert, darüber werde ich schon aus Respekt vor der Justiz nicht spekulieren; wir gehen von einem Bestand der erlassenen Regelungen aus. Die Ansicht, mit der Genehmigung von Nachtflügen sei die „Balance in Richtung der Flugverkehrswirtschaft“ verschoben, wie von dem Vorsitzenden des Regionalen Dialogforums ausgeführt, teile ich nicht. Man muss schließlich auch bedenken, dass die Zahl der Flugbewegungen in der sogenannten gesetzlichen Nacht, das heißt zwischen 22 und 6 Uhr, auf durchschnittlich 150 begrenzt wurde. Die immer wieder zu hörende Behauptung, nach dem Ausbau werde nachts in Frankfurt alle zwei bis drei Minuten eine Maschine starten oder landen, ist schlicht falsch. Ich erinnere nur daran, dass wir künftig Verspätungen nach 24 Uhr abweisen müssen. Und es sind vor 5 Uhr keine sogenannten Verfrühungen mehr möglich. Im Ergebnis führt das zwischen 23 Uhr und 5 Uhr dazu, dass nachts etwa höchstens alle 20 Minuten Flugzeuge ankommen oder abfliegen – je nach Bahnnutzung werden diese Pausen sich für den einzelnen Bürger deutlich vergrößern. Das ist deutlich ruhiger als heute. Hinzu kommt, dass die Landebahn Nordwest in der Zeit von 23 bis 5 Uhr gesperrt sein wird.

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