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IHK-Präsident Ulrich Caspar : „Wir erleben die Renaissance der Industrie“

Vom Landtag zum Gebäude am Börsenplatz: IHK-Präsident Caspar Bild: Wonge Bergmann

Ulrich Caspar, der neu gewählte Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, will für mehr Flächen kämpfen, für Wohnungen ebenso wie für die Industrie. Und gegen Regulierung.

          Wann haben Sie sich entschieden, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt werden zu wollen?

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nach Ostern.

          Und warum haben Sie kandidiert?

          Einer muss es ja machen.

          Was haben Sie in dem neuen Amt vor?

          Die Wirtschaft hat eine Verantwortung dafür, wie sich die Gesellschaft entwickelt. Oft werden die Unternehmen aber begrenzt, durch eine Vielzahl von Regulierungen, die gut gemeint, aber nicht gut gemacht sind. Die Diskussion darüber müssen wir führen.

          Über den gesetzlichen Rahmen des Wirtschaftens in Deutschland wird aber eher in Berlin entschieden als im Frankfurter Rathaus.

          Wir haben Vorschriften auf allen Ebenen. Aber es gibt natürlich noch weitere Aufgaben. So muss die IHK alles tun, damit sich der Fachkräftemangel nicht weiter verschärft. Dazu zählt die Qualifizierung der Mitarbeiter, aber notwendig ist auch zusätzlicher Wohnraum. Den bekommen wir nur, wenn die Kommunen bereit sind, mehr Bauland auszuweisen.

          Da besteht natürlich eine Konkurrenz zu Gewerbeflächen, die ja Ihrer Klientel auch wichtig sind.

          Daran fehlt es ebenfalls, und wir müssen damit rechnen, dass auch in dieser Hinsicht der Bedarf wächst, weil als Folge des Maschineneinsatzes die niedrigeren Lohnkosten in Asien eine immer geringere Rolle spielen und zum Teil durch die Transportkosten aufgefressen werden. Wir erleben daher eine Renaissance der industriellen Produktion in Deutschland, und dafür benötigen wir Flächen.

          Mit Wohnungen allein ist der Fachkräftemangel aber nicht zu bekämpfen. Braucht die Region deshalb mehr Zuwanderung?

          Die zusätzlichen Arbeitsplätze, die in diesem Ballungsraum entstehen, können mit der heimischen Bevölkerung allein nicht besetzt werden. Deshalb ist Rhein-Main ja eine Zuzugsregion. Diesen Zuzug wird es weiterhin geben, denn wir wollen ja, dass dieser Raum weiter boomt. Dazu gehört aber auch, dass die Verkehrswege besser werden, damit die Menschen etwa vom Vogelsberg nach Frankfurt pendeln können.

          Im Moment wird ja viel über eine Verkehrswende diskutiert, in Frankfurt soll die Straße am nördlichen Mainufer demnächst für Autos gesperrt werden. Wie soll denn nach Auffassung der IHK der Verkehr in dieser Stadt abgewickelt werden?

          In einer Zeit, in der Frankfurt wächst, ist es nicht besonders intelligent, Geld dafür auszugeben, Infrastruktur zurückzubauen. Darüber hat man vor 15 oder 20 Jahren nachgedacht, als viele in Deutschland glaubten, es gebe kein Wachstum mehr. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass es in dieser Hinsicht eine Trendwende gegeben hat, und das sollte sich auch in der Verkehrspolitik niederschlagen. Wir sollten dies in einer Gesamtverkehrsplanung für die Stadt und die Region abbilden und dabei auch bereit sein, in neue Verkehrslösungen zu investieren.

          Zum Gebiet der IHK Frankfurt zählen der Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis. Was sind denn dort die wichtigsten Aufgaben für die Kammer?

          Mit Kommunen und Verbänden werde ich Gespräche um die Ausweisung von Bauland führen und versuchen, die Kommunalpolitik zu motivieren, mehr Wohnungen zu schaffen.

          Es gab Kritik daran, dass ein langjähriger CDU-Landtagsabgeordneter für das Amt des Kammerpräsidenten kandidiert. Werden Sie ein CDU-Präsident sein?

          Ich bin seit 38 Jahren Unternehmer und IHK-Mitglied. Gerade weil ich Unternehmer war, habe ich mich stets auch gesellschaftlich engagiert. Es gäbe sicherlich ein Problem, wenn ich in der Politik noch aktiv wäre. Aber das ist ja Geschichte.

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