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Stellenabbau bei Opel : IG Metall wirft PSA Aufbau eines Drohszenarios vor

Abbau: Bei Opel in Rüsselsheim geht die Furcht vor betriebsbedingten Kündigungen um, vor denen die Belegschaft bisher ein Tarifvertrag schützt Bild: dpa

Im ersten Halbjahr hat Opel im Gegensatz zu vielen anderen Autobauern noch Gewinn gemacht. Jetzt aber bringt die Firma plötzlich betriebsbedingte Kündigungen ins Gespräch. Arbeitnehmervertreter wehren sich.

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          Am Montag hat Opel-Chef Michael Lohscheller noch das runderneuerte Flaggschiff Insignia gefeiert und dabei versichert: „Mit dem neuen Insignia und den zukünftigen Modellen, die wir nach Rüsselsheim bringen werden, hat das Werk eine gute Zukunft als Standort für die Fertigung von hochmodernen Fahrzeugen vor sich.“ Nun aber sorgt das Management der Automarke mit dem Blitz abermals für erhebliche Aufregung und Unruhe in der Belegschaft in Rüsselsheim und andernorts. Denn das Unternehmen stellt den laufenden Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen in Frage. Dieser Schutz ist in einem Tarifvertrag mit der IG Metall festgelegt und hat sich erst vor einigen Monaten um zwei Jahre bis Ende Juli 2025 verlängert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Angesichts dessen heißt es aus der Belegschaft: „Opel will Leute nun mit Druck aus dem Unternehmen drängen.“ Im Blickpunkt stehen den Aussagen zufolge der Prototypenbau, der Werkzeugbau und das Design. Facharbeitsstellen in dem Unternehmen sollen offenbar „rasiert“ werden, lautet eine Einschätzung. Zudem hatte Opel schon vor Wochen verlautbart, außer der Schmiede auch das Getriebewerk in Rüsselsheim schließen zu wollen. In Rede steht auch der Verkauf weiterer Liegenschaften, darunter der Firmenzentrale Adam-Opel-Haus. Für das Gebäude ist ein Sale-and-lease-back-Verfahren im Gespräch, wie es heißt. Dabei verkauft ein Besitzer ein Gebäude und holt es sich teils per Mietkauf zurück.

          Erst 500 von erhofften 2100 Freiwilligen

          Opel hatte gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 trotz Corona gut 110 Millionen Euro operativen Gewinn zum PSA-Ergebnis beigetragen. Allerdings wurden in dem Halbjahr nur noch gut 266.000 Autos der beiden Marken verkauft, der Absatzrückgang von 53,1 Prozent fiel deutlich stärker aus als bei den anderen Konzernmarken.

          Opel verweist gleichwohl auf den Druck aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in Folge der Corona-Pandemie und ein offenbar schleppend verlaufendes sogenanntes Freiwilligenprogramm zum Abbau von Arbeitsplätzen, mit dem die deutsche Tochtergesellschaft der Peugeot-Mutter PSA dauerhaft Kosten senken will. 2100 weitere Mitarbeiter will Opel auf diese Weise los werden, nachdem schon tausende Beschäftigte das Unternehmen verlassen oder eine entsprechende Übereinkunft geschlossen haben. Bisher haben sich demnach „insgesamt erst 500 Kolleginnen und Kollegen für Altersteilzeit, Senior Leave oder eine Abfindung entschieden. Damit sind wir weit entfernt von der erforderlichen Anzahl ausscheidender Beschäftigter“, erläuterte ein Unternehmenssprecher.

          „Situation Ende November bewerten“

          Das Management habe deshalb in dieser Woche vor der Einigungsstelle, einer Art Schlichter, mit dem Betriebsrat und der IG Metall darüber gesprochen, wie das Freiwilligenprogramm zu verwirklichen sei. Eine Arbeitsgruppe solle rasch weitere Ideen entwickeln. „Wenn wir dieses Ziel nicht durch freiwillige Maßnahmen erreichen sollten, werden wir eine Überprüfung des Zukunftstarifvertrages vornehmen, insbesondere der Verpflichtung zur Beschäftigungssicherung. Die Situation wird Ende November bewertet. Darauf basierend würde auch die Umsetzung betriebsbedingter Kündigungen geprüft“, erläuterte der Sprecher.

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