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IAA : Pferdestärken statt Katzenjammer

20-Millionen-Autritt: Für die IAA hat sich Audi eigens eine Art Kolosseum auf das Frankfurter Messegelände gestellt. Bild: DPA

Nachdem die IAA vor zwei Jahren unter dem Eindruck der Finanzkrise von einer Mischung aus Zukunftsangst und Bescheidenheit geprägt war, lassen gerade die deutschen Autobauer auf der aktuellen Schau wieder die Muskeln spielen.

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          Audi baut gleich so etwas wie ein kleines Kolosseum auf das Frankfurter Messegelände inklusive eines überdachten 400-Meter-Rundkurses. Um ihre Marken Mercedes-Benz, AMG und Maybach anspruchsgemäß nobel präsentieren zu können, rüstet die Daimler AG die Frankfurter Festhalle für die Zeit der Internationalen Automobil-Ausstellung zu einem modernen Dom des Automobils um. Der dritte Hersteller mit Premiumanspruch, BMW, hat in der Halle 11 am anderen Ende des Geländes einen kaum weniger noblen Auftritt. Dort fehlt selbst eine befahrbare Steilkurve nicht, auf der die neuen Modellen nicht nur glänzen, sondern auch kraftvoll die Motoren brummen lassen können.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Nach der krisengezeichneten Messe 2009 haben die deutschen Autobauer wieder den Spaß am Spiel mit den automobilen Muskeln entdeckt. Und entsprechend mondän haben sie diesmal auch das Ambiente für ihre neuen Fahrzeuge gestaltet.

          Regelrechte Einbrüche

          Ganz anders vor zwei Jahren: Angesichts der dramatischen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise übte sich die Automobilbranche in Bescheidenheit. Mancher Premium-Hersteller schob seine besonders kostspieligen und PS-starken Boliden beiseite in eine Hallenecke und stellte ein mehr oder weniger hastig auf die Räder gestelltes Konzeptvehikel nach vorne, in dem man sich einen Elektromotor oder eine andere umweltfreundliche Antriebstechnik vorstellen sollte.

          Das taten die Autobauer wohl nicht nur, um beim Rundgang der Bundeskanzlerin als gleichermaßen innovativ wie umweltbewusst auftreten zu können. Auch die zum Teil zweistelligen Umsatzrückgänge verleideten seinerzeit den Konzernen die Freude an den eigenen Fahrzeugen erheblich. Beim Absatz der als Geschäftswagen besonders beliebten Modelle wie der Fünfer-Baureihe von BMW oder auch der Konkurrenzmodelle von Audi und Mercedes kam es damals zu regelrechten Einbrüchen.

          Die gute Stimmung hat einen ganz handfesten Grund, die Leute kaufen kräftig Autos

          Wenn nun aber am Samstag das Publikum die Messe für eine Woche in Besitz und die schönen neuen Autos wenigstens schon einmal in Augenschein nehmen darf, dann trifft es diesmal auf eine sehr viel besser aufgelegte Branche, die mit ihrer guten Stimmung und der Freude gerade an ihren leistungsstarken Autos nicht hinterm Berg halten mag.

          Die gute Stimmung hat einen ganz handfesten Grund, die Leute kaufen kräftig Autos – auch die leistungsstarken Modelle. Beispielsweise Mercedes hat im August den Autoabsatz im Vorjahresvergleich um weltweit 7,9 Prozent steigern können. In Deutschland verkaufte die Marke den Angaben zufolge sogar 23,2 Prozent mehr Autos. Mercedes-Benz sieht sich deshalb auch im August wieder als stärkste Premiummarke in Deutschland, vor Audi und BMW.

          Anleihen aus dem Rennsport

          Alle drei Premiumhersteller haben auch Konzeptautos mit nach Frankfurt gebracht, die nur noch an der Steckdose betankt werden sollen, wenn sie denn tatsächlich einmal gebaut werden. Alle drei haben auch marktreife Hybridmodelle dabei und Versuchsfahrzeuge mit moderner umweltfreundlicher Technik im Probebetrieb.

          Aber anders als vor zwei Jahren haben gerade die Premiummarken vor allem wieder rechte Lust, ihre PS-Boliden mit mehr oder weniger großen Anleihen aus dem Rennsport zu zeigen und zu bewerben, beispielsweise Audi den S7 Sportsback, dessen Vier-Liter-Biturbo-Motor mit acht Zylindern 420 PS auf die Straße bringt.

          BMW wirkt da fast bescheiden

          Mercedes sorgt mit der Premiere des SLS AMG Roadster für nicht weniger Aufsehen. Der verfügt ebenfalls über einen Achtzylindermotor, der sogar 571 Pferdestärken entwickelt. Zum Premierentag bot man Prominenz auf, um zu zeigen, wofür man stehen will: Formel-1-Multi-Weltmeister Michael Schumacher und Nico Rosberg.

          BMW wirkt da mit der Weltpremiere des überarbeiteten 1er für den Volumenmarkt fast bescheiden. Gleichwohl haben auch die Bayern für PS-Liebhaber neue Modelle im Angebot, beispielsweise den M5, der auch von einem Achtzylindermotor angetrieben wird und es auf 560 PS bringt. Der ökologischen Ordnung halber erwähnen die Bayern aber stets, dass es durchaus möglich sei, diesen Kraftwagen mit 9,9 Litern auf 100 Kilometern zu betreiben.

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